Um zu eigenem Besitz zu kommen, bedarf es manchmal fantasievoller Verfahren. Die Idee, durch massenhafte Spenden vieler Einzelner die nötige Grundlage dafür zu schaffen, ist indes nicht neu. Was wir heute als "Crowdfunding" bezeichnen, hat es in der Turnbewegung vor mehr als einhundert Jahren schon gegeben, vor allem zur Beschaffung der finanziellen Basis für das Eigenheim der Turner. Nur wenige große städtische Vereine verfügten im 19. Jahrhundert über eigene Hallen. Das Turnen spielte sich überwiegend im Freien ab. Geräte und Gerüste waren die Saison über meist fest verankert und wurden im Winter eingelagert. Dann musste in Behelfsunterkünften geturnt werden, in Gastwirtschaften, Viehhallen, Keltern oder Geräteschuppen. Dieses Provisorium abzuschaffen, sich die Turnzeiten nicht von Wetterbedingungen diktieren zu lassen, war jeder Verein bemüht. Wenn nicht gerade, wie z. B. in Baden-Baden, ein großzügiger Spender vorhanden war, musste der Weg der Finanzierung über kleine Beiträge von vielen Mitbürgern beschritten werden. Hierzu hat man sich verschiedene mehr oder weniger erfolgreiche Verfahren einfallen lassen, wie wir an einigen Beispielen zeigen wollen.
Da gab es einmal die "klassische" Zirkulation von Spendenlisten in der Einwohnerschaft, wie dies am "Aufruf an die Einwohnerschaft Mannheims" deutlich wird.
Abbildung: General-Anzeiger Mannheim, 2. April 1890.