Auftritt beim Feuerwerk der Turnkunst | Bildquelle: Green Spirits
Einblicke

Deutschlands Showgruppen

Weit mehr als nur ein Sport

Persönliche Einblicke in die Welt der Showgruppen

(Bild: Werler Kangaroos, EuroGym 2022)

  • Doch was erleben die Gruppen abseits der Show?
  • Was macht sie aus und wie ist das Verhältnis untereinander?

Deutschlands Showgruppen bereisen die Welt, präsentieren Deutschland bei internationalen Veranstaltungen und begeistern auch zu Hause regelmäßig ihr Publikum.

Die Showgruppen Reverse, Akrolohnikas, In Motion, Avanti Avanti, die Werler Kangaroos, Green Spirits, Burning Ropes sowie die Showturngruppe aus Berne bieten spannende Einblicke und erzählen von unvergesslichen Momenten.

Mehr als nur ein Team

Hinter jeder neuen Show stecken unzählige Stunden an Arbeit. Aus der Idee entsteht in einem äußerst intensiven Prozess eine neue Show. "Neben dem vielen Ausprobieren, welche Teile passen könnten und gut aussehen, gibt es natürlich auch viele Diskussionen auf allen Ebenen", erklärt die Showturngruppe aus Berne. "Das schlägt sich häufig in unzähligen gemeinsamen Stunden und Wochenenden in der Turnhalle nieder. Über die Zeit hinweg wächst man so als Team aber auch immer mehr zusammen."

Die gemeinsame Arbeit über einen langen Zeitraum schafft Vertrauen - eine wichtige Voraussetzung gerade in der Showakrobatik, finden die Akrolohnikas. "Ohne Vertrauen, das Gefühl von Sicherheit, aber auch ohne den Spaß, wäre eine Gruppe nur halb so gut", so die Gruppe der Werler Kangaroos. Doch nicht nur das Training ist wichtig, um das geradezu blinde Vertrauen zwischen den Gruppenmitgliedern aufzubauen und zu stärken. "Wir als Showakrobatikgruppe sind aber auch ständig im Wandel. Wenn neue Mitglieder bei uns im Team aufgenommen werden, muss das Vertrauen erst einmal aufgebaut werden. Dafür ist viel Training eine Grundvoraussetzung, aber auch durch gemeinsame Fahrten oder private Treffen wird man sich untereinander immer vertrauter. Für viele von uns ist das Team wie eine zweite Familie geworden."

Als "große Familie" beschreibt auch das Showteam Reverse ihre Gruppendynamik: "Wir teilen so viele schöne Momente innerhalb des Teams und gehen durch dick und dünn. Jede stärkt der anderen den Rücken und wir sind immer füreinander da. So wird im Training viel gelacht, stets einander unterstützt, neue Skills werden bejubelt und auch Tränen gemeinsam getröstet."

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Gemeinsam erlebt man mehr

Der Zusammenhalt und die Verbundenheit zwischen den Showgruppen sind bei jeder Veranstaltung zu spüren. Über Instagram werden regelmäßig das ganze Jahr über Nachrichten ausgetauscht und der Fortschritt der anderen mit Staunen kommentiert.

Kommen wir dann zusammen,
verbindet einen nicht nur die Leidenschaft für den Sport.

Wir fiebern mit den anderen Gruppen mit, hoffen, dass auch bei ihnen nichts schiefgeht, und jubeln bei besonderen Effekten und Erfolgen. Das Schönste ist der folgende Austausch über die gemeisterten Auftritte. Hier wird in unserer Sportart deutlich, dass Erfolg gegönnt wird und mit Komplimenten nicht sparsam umgegangen wird. Dieser Sportsgeist macht Veranstaltungen und Wettkämpfe zu etwas ganz Besonderem. Im Anschluss wird gemeinsam gefeiert, egal, wie die Ergebnisse ausgefallen sind. Im Schlafanzug wird Polka getanzt und bis in die Nacht hinein werden bekannte Hits gesungen. Hier werden Erinnerungen gemacht und Freundschaften geschlossen, an welche wir nur zu gerne beim nächsten Aufeinandertreffen wieder anknüpfen.

Von Deutschland in die Welt

Dieses Gemeinschaftsgefühl tragen die Gruppen mit in die ganze Welt. So haben sich für die Showakrobatikgruppe Avanti Avanti mit der Reise zur finnischen Gymnaestrada 2022 in Tampere ganz neue Chancen ergeben. In einer internationalen Gemeinschaft zusammenzukommen und durch die Leidenschaft Sport verbunden zu sein – ein unbeschreibliches Gefühl. Denn bei der großen Final-Show waren es dann 4.647 Teilnehmer*innen aus aller Welt, die gemeinsam performten.

"Diese Woche gab uns die Möglichkeit, mit den anderen deutschen Gruppen noch enger zusammen zu wachsen und eine neue Kultur zu erfahren. Sei es durch neue Bekanntschaften, gemeinsame Partys vor dem Schlafengehen oder das gegenseitige Anfeuern vor den Auftritten. Den Inhalt unserer aktuellen Show "Vielfalt – Unsere Welt braucht bunt statt grau" konnten wir dort wahrlich erleben."

Auch die Werler Kangaroos durften im Zuge der diesjährigen EUROGYM in der Schweiz diese besondere Erfahrung machen:

"Die deutsche Delegation ist mit fünf Gruppen ins Nachbarland gereist, um Deutschland international zu repräsentieren. Wir kannten uns vorher alle nicht und somit ist immer eine gewisse Nervosität dabei. Im Zuge der Eröffnungsgala lernten wir die anderen Mannschaften das erste Mal kennen. Man kommt automatisch ins Gespräch, unterhält sich zunächst über die EUROGYM, das Turnen, später aber auch über das Privatleben. Wir hatten viel Spaß auf der Eröffnungsgala, doch das war erst der Anfang. Im Verlauf der Woche trafen wir die anderen Gruppen immer wieder. Wir machten Fotos zusammen, gestalteten Shirts mit Unterschriften der anderen Teilnehmer*innen und zeigten ihnen akrobatische Elemente. Wir tanzten zusammen, feuerten die anderen bei ihren Auftritten an und feierten gemeinsam das Ende der Woche. Innerhalb nur weniger Tage wurden aus fünft verschiedenen Gruppen ein Team. Das Team Deutschland."

Eines der größten Events für die deutschen Showgruppen ist die Welt-Gymnaestrada, das größte Breitensportfestival der Welt.

Noch heute schwärmt die Gruppe Reverse von der Welt-Gymnaestrada 2019 in Dornbirn:

"Dort bildeten sich innerhalb unseres Delegationsblockes neue Freundschaften, die überdauerten. So wurde sich nach der Reise gegenseitig besucht und wenn dann ein bekanntes Gesicht mit zum Training mitgekommen ist, hat sich die gesamte Gruppe über die Anwesenheit riesig gefreut. Bereits zweimal flogen wir nach Dänemark und lernten beim ersten Mal ein paar Akrobaten eines Showteams aus Österreich kennen. Die Freundschaft hält noch heute. Einmal im Jahr schauen ein paar in Berlin vorbei und trainieren mit uns zusammen. Von all solchen Momenten zehren wir als Team immer sehr lange, auch ein sportlicher Fortschritt macht sich sichtlich bemerkbar!"

Und auch die Akrolohnikas sind immer noch voller Begeisterung: "Auf Veranstaltungen wie der Welt-Gymnaestrada gab es immer wieder einen guten Austausch mit einigen anderen Gruppen, man konnte viele neue Sachen ausprobieren oder Partnertausch machen, so haben wir gegenseitig voneinander gelernt und es hat viel Spaß gemacht, man konnte merken, wir sind Team Deutschland."

Bekanntschaften, die die Zeit überdauern

Es sind diese Bekanntschaften egal, ob auf nationaler oder internationaler Ebene, die diese Gruppen prägen. Im Laufe der Jahre schlossen sich bereits viele Freundschaften zwischen Teams aus dem gesamten Bundesgebiet, die bei den verschiedenen gemeinsamen Veranstaltungen immer wieder aufleben. Ein Beispiel dafür sind die Gruppe In Motion aus Vechta und das Showteam Blues Brothers aus Ludwigshafen. Seit einem gemeinsamen Vorführblock bei der Welt-Gymnaestrada 2015 in Helsinki, sind die Gruppen eng verbunden und tauschen sich auch bei neuen Choreografien regelmäßig aus.

Ähnliche Erfahrungen hat auch die Showturngruppe aus Berne gemacht

"Zu vielen Gruppen pflegen wir einen regen Kontakt. So hatten wir zum Beispiel schon die Ehre zu den Gala-Veranstaltungen anderer Showgruppen eingeladen zu werden oder haben selbst andere Gruppen eingeladen. Natürlich sieht man sich auch regelmäßig bei den Wettkämpfen des DTB. Ich stehe auch selbst viel im Austausch mit den anderen Übungsleitern, man tauscht kreative Ideen oder konstruktives Feedback aus – und natürlich sind so in all den Jahren auch zwischen den Mitgliedern einige Freundschaften entstanden", verrät Hannes Ibbeken, Trainer der Showturngruppe und fügt schmunzelnd hinzu: "Und hin und wieder entsteht aus einer Begegnung auch mehr als Freundschaft ..."

Herausforderungen und Ziele

In keiner Zeit zuvor wurde das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb vieler Gruppen einerseits so sehr auf die Probe gestellt, andererseits aber auch so gestärkt, wie in der Zeit der Pandemie. Über ein Jahr lang war es nicht möglich gemeinschaftlich zu trainieren, spektakuläre Auftritte zu erleben oder mit dem Team zu reisen. Doch auch hier zeigte sich die Kreativität der Gruppen: 

"Durch Challenges und diverse Online-Trainingseinheiten konnten wir uns gegenseitig immer wieder neu motivieren und die Hürden der Distanz meistern", berichten die Green Spirits. 

Ihr Ehrgeiz und ihr Durchhaltevermögen haben sich aber ausgezahlt, so durften die Green Spirits im September 2021 ihren ersten großen Auftritt nach über einem Jahr beim "Feuerwerk der Turnkunst on Stage" erleben.

"Überglücklich, voller Adrenalin und mit einem großen Strahlen in den Gesichtern verließen wir nach dem gelungenen Auftritt die Bühne. Ein Meilenstein war erreicht. Mit diesem erfolgreichen Auftritt sind wir als Gruppe noch ein Stück mehr zusammengerückt", ist sich Priska Kühling, die Trainerin der Green Spirits, sicher.

Eine Sache, die alle Gruppen eint, sind die vielen unvergesslichen Momente, von denen sie immer wieder berichten. Ob internationale Auftritte oder ein gemeinsamer Auftritt mit den Fußballern von Borussia Dortmund und Diego Maradona im Publikum – die Gruppen brennen für ihren Sport und stecken viel Arbeit und Teamwork in jede Show. Mit ihren Erfolgen und ihrer Präsenz, sind sie sich aber auch ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst.

"Unser Ziel ist neben Showauftritten auch die Förderung von Jugendlichen, die sich für den Sport interessieren", so die Gruppe Burning Ropes.

Hinter dem Hobby steckt unglaublich viel Arbeit, Teamwork und der Einsatz eines jeden Mitglieds der Gruppe. Wir sind stolz, schon so viele Jahre Teil des deutschen Showbereiches zu sein. Wir danken dem DTB für die wunderbare Zusammenarbeit, seinen Ideenreichtum und sein Engagement für uns Showgruppen. (Showgruppe In Motion)

AUSGABE         SHOWS 05-2022 | Einblicke | Weit mehr als nur ein Sport
AUTORINNEN   Sina-Sophie Dewers, Anna-Lena Best-Pohl