Philipp bei den Finals 2022 | Bildquelle: DTB
Einblicke

Vom BFDler zum EM-Manager

Philipp Lampes leuchtender Erfolgspfad

Turnen spielte in der persönlichen Sporthistorie von Philipp Lampe eigentlich nie eine Rolle. Der 25 Jahre alte Eventmanager spielte in seiner Jugend sehr viel Fußball und Basketball.

Auch nach sechs Jahren beim Deutschen Turner-Bund hapere es noch am "Purzelbaum rückwärts", wie er freimütig zu Protokoll gibt.

Doch der ist dort auch gar nicht notwendig, soll Lampe doch nicht das Turn-Team Deutschland verstärken, sondern in seiner Funktion als Organisator der Turn-Europameisterschaften im Rahmen der European Championships Munich 2022 für eine perfekte Plattform und einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Im Sport angekommen

Den Altersschnitt von Steuerungsgruppen mit Verantwortungsträgern drückt Lampe mit seiner im Vergleich kurzen Berufserfahrung regelmäßig deutlich nach unten. Dass dort der ein oder andere Altgediente sich hinter vorgehaltener Hand gefragt haben mag, warum der DTB denn nur eine Nachwuchskraft dorthin entsende, ficht Lampe nicht an.

Stattdessen liefert er lieber

"Es ist jedenfalls bisher noch nicht vorgekommen, dass im Nachgang irgendjemand zu mir gesagt hat, dass auf Grund meines Alters, die von mir mitbetreute Veranstaltung deutlich schlechter war als vergangene", lächelt er zufrieden.

Das Turnen ans Herz gewachsen

Dabei hätte er sich selbst vor geraumer Zeit noch in seinem neuen Job nicht vorstellen können. "Wenn man mir nach meinem Abi gesagt hätte, dass ich in sieben Jahren als Competition Manager für ein Turnevent zuständig bin, dann hätte ich damals wahrscheinlich dankend abgelehnt und mir diese Rolle auch nicht zugetraut", räumt Lampe ein.

In den letzten Jahren aber sei ihm das Turnen richtiggehend ans Herz gewachsen. "In jedem Fall bin ich aber im Sport angekommen. Ich habe zudem gemerkt, dass es die Sportevents sind, die mir Spaß bereiten“, betont er.

Bundesfreiwilligendienst – erste Einblicke in die Verbandsarbeit

Welt-Gymnaestrada 2019 in Dornbirn - auch hier unterstützte Philipp Lampe die DTB-Kolleginnen und -Kollegen.

Bereits im Rahmen seines Bundesfreiwilligendienstes (BFD) beim Stadtsportbund Göttingen bekam der blonde Norddeutsche erste Einblicke in die Verbandsarbeit und organisierte gemeinsam mit anderen BFDlern (Bundesfreiwilligendienstleistenden) im Rahmen des Erlebnis-Turnfests in Niedersachen eine Trendsport-Tour.

Messe-, Kongress- und Eventmanagement

Von 2016 bis 2019 absolvierte er den Studiengang Messe-, Kongress- und Eventmanagement an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim. Im Drei-Monats-Rhythmus wechselte er dort zwischen dem Turner-Bund in Frankfurt und der Hochschule hin und her.

"Beim DTB habe ich von Turnerjugend bis zur Buchhaltung mehr oder weniger alle Abteilungen durchlaufen", erklärt er. Relativ schnell sei er dabei besonders intensiv in das Veranstaltungsmanagement eingebunden worden.

So standen für ihn plötzlich die Unterstützung der Organisation der Deutschen Meisterschaften 2018 und die ersten Finals 2019 auf dem Programm. Es fielen aber auch Aufgaben beim Tag des Kinderturnens 2018 oder bei der Welt-Gymnaestrada 2019 in Dornbirn in seinen Verantwortungsbereich als Dualer Student.

Ich hatte damals echt Glück,
was meine Inhalte und Zeiträume anging.

Nach dem Abschluss direkt in die Vollen

Nach seinem erfolgreichen Abschluss übernahm der DTB seinen ehemaligen Studenten. Mit der Planung der Finals 2020 ging es für Lampe dann von September 2019 an sofort in die Vollen. "Das ging ungefähr bis Februar, bevor auch uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht hat", erinnert er sich. Es sei mit Sicherheit nicht die beste Zeit gewesen, um hauptberuflich in die Event- und Veranstaltungsbranche einzutauchen. "Aber ich hatte wenigstens einen Job, einige Kommilitonen von mir hatten da nicht so viel Glück."

Beim DTB dagegen habe es kaum Einschränkungen gegeben, man habe einfach versucht, andere Lösungen zu finden. "Wir haben begonnen, digitale Formate zu entwickeln. Zum Beispiel die Turn-Team-Battles“, erzählt er. Mit Online-Formaten wie diesem habe man sich durch die gröbste Corona-Zeit gehangelt.

Europameisterschaften München 2022 – die Vorbereitungen laufen

Ab August 2020 starteten in Frankfurt schon die ersten Vorbereitungen für die Europameisterschaften München 2022. Der Kooperationsvertrag für das Multi-Sport-Event in München sah vor, dass jede Sportart mit einer Vollzeitstelle das Organisationskomitee vor Ort unterstützt. Trotz seiner relativ geringen Erfahrung entschieden die Verantwortlichen ziemlich schnell, dort ihren ehemaligen Dualen Studenten ins Rennen zu schicken. "Ich würde mittlerweile von mir behaupten, dass ich eine Deutsche Meisterschaft ganz gut im Team organisiert kriege. Ob mich das allerdings automatisch befähigt, auch eine EM organisieren zu können, würde ich dagegen erst einmal grundsätzlich verneinen", hat Lampe noch heute hin und wieder gewisse Zweifel in seinem Hinterkopf.

Um dann aber wieder in den Angriffsmodus überzugehen: "Genau darin liegt doch aber der Reiz", findet er.
Neun Europameisterschaften im Kontext des 50-jährigen Jubiläums der Olympischen Spiele 1972, das erste größte Sportevent, das seitdem wieder im Olympiapark stattfindet, neun Sportarten gleichzeitig:

Im August wird hier richtig was los sein. Das ist schon noch einmal ein bisschen was anderes als eine Einzel-Europameisterschaft.

Es sei zudem die erste Mega-Sportveranstaltung in Deutschland nach der Pandemie, an der zudem die Fördermittelgeber mit nicht ganz unerheblichen Millionenbeträgen beteiligt seien. "Da ist die Erwartungshaltung aller Beteiligten natürlich riesig. Das ist Druck, den auch ich persönlich spüre, der mich aber auch anspornt", bestätigt er.

Competition Manager Philipp Lampe

Dass er der Competition Manager für die Gerätturn-Wettkämpfe in München sei, impliziere zwar, dass er für alle Wettkampfthemen zuständig sei. Das bedeute aber nicht, dass er alles alleine mache. "Es gibt ja noch die entsprechenden Gremien wie beispielsweise die Technischen Komitees von European Gymnastics, von denen auch sehr viel sportlicher und technischer Input kommt. Input, auf den man für eine erfolgreiche Organisation auch angewiesen ist.", sagt er.

Bei seinen Aufgaben gehe es mehr um ein Handling und Management der verschiedenen sportlichen Anforderungen, die der europäische Verband für München habe. Und dem, was das Organisationskomitee für Ideen und Voraussetzungen ins Spiel bringen möchte. "Meine Aufgabe ist es, diese beiden Sachverhalte unter einen Hut zu bekommen", erklärt er.

Und das ist oft genug ein kleiner Spagat, den der Nicht-Turner Lampe zu bewältigen hat. "Da gibt es oft harte Diskussionen zwischen den Beteiligten. Man muss dann oft abwägen, welches Wohl man in der jeweiligen Situation höher ansiedelt. Es geht darum, die sportlichen Belange gegenüber anderer Interessensgruppen wie den TV-Kolleg*innen zu vertreten und zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen, mit der alle leben können.", verrät er.

Am Ende gelte es immer ein Mindestmaß an Standards zu definieren, mit dem auch die European Gymnastics zufrieden ist. "Wenn wir vor Ort das Feedback erhalten, dass beispielsweise Athlet*innen, Trainer*innen oder auch European Gymnastics zufrieden mit der Organisation sind und sich in München wohlgefühlt haben, dann wäre das ein großes Kompliment. Und auch eine Errungenschaft, auf die wir genauso stolz wären, wie auf einen neuen Zuschauerrekord im Fernsehen", erklärt Lampe.

Empfehlung: Duales Studium

Seinen eigenen Weg als Königsweg ins Sportmanagement zu beschreiben, möchte er dagegen nicht. "Denn ich habe auch an einigen Stellen ein bisschen Glück gehabt", weiß er. So sei sein Studium zu seiner Zeit nur alle drei Jahre ausgeschrieben worden.

Und auch beim DTB sei er mit Uschi Schmitz auf eine erfahrene Chefin getroffen, die ihm von Anfang an viel anvertraut habe.

Dennoch ist es sehr gut, im Rahmen eines BFDs tiefer in eine Thematik hineinzuschauen. Wenn man dabei merkt, dass es etwas für einen selbst ist, kann man dies in einem möglichen Studium noch weiter vertiefen. Aus meiner Sicht idealerweise dual.

Gerade da sei der DTB eine hervorragende Adresse, da man dort nicht nur ein Thema, sondern die gesamte Breite der Verbandsarbeit und des Sports mitbekomme.

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AUSGABE  Karriere 03-2022 | Einblicke | EM Competition Manager
AUTOR       Nils Bohl