The Peppers | Bildquelle: TSF GmbH
Einblicke

Künstler-Feuerwerk

Die zweite Familie des Dominik Riebling

Fünf Wochen mit einem Bus voller Künstlerinnen und Künstler auf Tour durch Deutschland. An 32 Tagen in 22 Städten gemeinsam insgesamt 36 Shows stemmen. Für Produktionsleiter Dominik Riebling ist genau das mit dem "Feuerwerk der Turnkunst" in den Wintermonaten Alltag. Die Show, die zehntausende Besucherinnen und Besucher in die Hallen lockt, ist ein Meisterwerk an Präzision. Nicht nur auf der Bühne, auch hinter den Kulissen muss ausnahmslos jedes Rädchen ineinandergreifen. 

Geht es um die größte Herausforderung, muss Riebling nicht lange überlegen. "Dass alle glücklich sind", kommt es wie aus der Pistole geschossen. Denn alle Fäden laufen bei Riebling zusammen. "Da ist das Lichtteam, da ist das Tonteam, die Künstler, die ihre Probenzeiten haben wollen oder erwarten, dass ich mich bestmöglich mit dem Aufbau ihrer Requisiten befasse", erklärt er.

Feinfühlige Abstimmung der Gewerke

Ein Dreier-Reck habe acht Fixierungen, die dürften aber nicht den anderen Nummern im Weg stehen. An einem normalen Show Tag wolle die Band ihren Soundcheck machen. Parallel dürften aber keine lauten Arbeiten gemacht werden, weil sonst die empfindlichen Richtmikrofone gestört werden, zählt er auf. Diese Abstimmung zwischen den Gewerken müsse er finden.

Das erklärte Ziel:
"Dass der Tag nicht 16 oder 18 Stunden hat, sondern trotzdem alles in 10 Stunden möglich ist", sagt Riebling.

Es gleicht oft einer Quadratur des Kreises. Versuchen, allen gerecht zu werden. Und trotzdem das große Ganze nicht aus dem Blick zu verlieren.

Europa, Afrika, Asien, Südamerika

Die Internationalität sei dabei oft die größte Herausforderung, sowohl in der Vorbereitung als auch vor Ort.

"Die vielen verschiedenen Gepflogenheiten der Länder sind zu bedenken und zu beachten. Künstler*innen aus Asien sind vielleicht gewohnt, anders auf Menschen zuzugehen als es Künstler*innen aus Afrika oder südamerikanischen Ländern sind", findet er.

Auch da mache sein Team immer wieder neue Erfahrungen. "Man kann nämlich nie sagen, der eine ist so, also sind alle anderen auch so", weiß Dominik.

Auf der ganzen Welt unterwegs

An der Nationalität könne man seine Prognosen jedenfalls nur bedingt festmachen.

"Letztendlich ist es die Professionalität des Künstlers und ob er sich auch in unsere Professionalität eindenken kann. Wir haben viele Künstler, die auf der ganzen Welt unterwegs sind und schon vieles gesehen haben. Und die sind hin und wieder auch überrascht, wie sehr wir schon im Vorfeld versuchen, an den Künstler zu denken. Was er gerne hätte, was ihn abholt und dass er sich keine großen Gedanken machen muss über das große Ganze, sondern nur noch seinen Act spielen muss", erklärt der Produktionsleiter.

Man merke schon, dass es die europäischen Künstler sind, die schon vieles gesehen haben. Aber eben auch, dass die südamerikanischen Künstler alles ein bisschen lockerer sehen.

Selbst Hand anlegen

Mittlerweile hat das Team um Riebling ein Auge dafür entwickelt, ob es noch einmal selbst handanlegen muss, weil etwa Geräte nicht tourneetauglich sind. "Wir hatte zum Beispiel eine Gruppe aus der Ukraine. Die ist mit Material gekommen, an dem wir noch viel nacharbeiten mussten. Wir hatten aber auch eine asiatische Gruppe, die fand, dass man mit dem europäischen Standard nicht überleben könne, 30 Tage auf Tournee zu gehen. Da wurde dann auch mal schnell das Schweißgerät rausgeholt", erinnert er sich.

AUFbau

Nicht jeden Tag Pizza

Auch das Catering für eine solche Multikulti Show ist immer wieder eine Herausforderung. So sorgen Rieblings Leute dafür, dass es als kleinsten gemeinsamen Nenner nicht jeden Tag aufs Neue Pizza gibt.

"Wir versuchen vielfältig zu sein. Sportler brauchen eine dementsprechende Ernährung. Wir machen keine große Abfrage, aber unser Caterer ist eine erfahrene Instanz auf dem Feld. Vegan oder vegetarisch ist da keine große Hürde. Und sollten wir mal eine Gruppe haben, die Probleme hat, dann könnten wir auch kurzfristig reagieren", erklärt er. Und das Küchenteam sei auch ausgerüstet, um in schlechter ausgestatten Hallen gut zurechtzukommen und zu agieren.

Hallen-Aufbau beim Feuerwerk der Turnkunst

Reicher Schatz an Anekdoten

Wie jeder aus dem Show Business kann auch Riebling aus einem reichen Schatz an Anekdoten schöpfen. "2017 hatten wir ein Trampolin aus Kanada. Das hatte den Effekt, dass es ausgeklappt deutlich länger war als ein Standardtrampolin. Mit einer Kurbel konnte man die Seitenflügel hochklappen. Die ist natürlich prompt in Kassel bei einer Show abgebrochen. Für einen adäquaten Ersatz mussten wir nach einem Segelshop suchen, was sich an einem Ort, der nicht an der Küste liegt, nicht ganz einfach gestaltet", lacht er. Innerhalb von 90 Minuten war dann alles wieder zusammengeschweißt und geschraubt und die Zuschauerinnen und Zuschauer hätten von dem ganzen Malheur gar nichts mehr bemerkt.

Oldenburg oder Oldenburg?

Auch der fehlgeleitete Artist ist ihm gut in Erinnerung geblieben.

"Wir sind eigentlich in dem Glauben, dass wir einen Künstler bestmöglich vorbereiten. Wir haben allen Künstlern geschrieben, wo sie hinkommen sollen. Der betreffende Künstler kam auch aus Deutschland, es gab also auch keine Sprachbarrieren", sagt Riebling. Dachten sein Team und er jedenfalls. "Denn seit ein paar Jahren starten wir eigentlich immer in Oldenburg. Worüber wir aber nie zuvor gestolpert sind, ist, dass es in Deutschland mehrere Oldenburg gibt. Wir bekamen also einen Anruf, dass der Künstler in Oldenburg stehe, die Halle aber nicht finde. Wir haben kurz gegrübelt und herausgefunden, dass er wahrscheinlich in dem Oldenburg in Holstein und nicht in dem in Niedersachsen stand", schmunzelt er.

Es gebe auch immer wieder mal Künstlerinnen oder Künstler, die ihren Einsatz verpassen, weil sie auf der Toilette festhingen. Oder deren Hose rutscht, weil der Gürtel nicht halte.

So hat fast jede Show ihre eigene Anekdote.

BACKstage

Familiengefühl

Trotz der Länge und der Größe der Tour, versuchen sie beim Feuerwerk auch immer ein bisschen Familiengefühl aufkommen zu lassen. "Gerade beim Künstlerbus wird auch gerne mal was vergessen. Der Busfahrer ist dann schon der, der da ein bisschen den ruhigeren Part spielt und sich um alles kümmert, quasi unser Vater der Kompanie. Wir haben auch sehr viele jüngere Künstler, daher ist das oft auch ein bisschen so wie eine große Klassenfahrt. Er ist da schon der Ruhepol, der auch ein bisschen einwirken kann, dass es alles ein wenig ruhig und gesittet abläuft."

Hat ein Künstler etwa seine Zahnbürste vergessen? Kein Problem. "Dann kriegt er zwei neue. Wir haben einen Fahrdienst, der sich um den Personentransport kümmert, aber eben auch um solche kleinen Besorgungen. Wir haben sogar einen kleinen Waschsalon mit Waschmaschine und Trockner dabei. Unterhosen bis Zahnbürste haben wir für die Künstlerinnen und Künstler schon alles besorgt. Aber es muss ja nicht einmal etwas Vergessenes sein. Auch wenn jemand einen besonderen Wunsch hat, versuchen wir ihn möglich zu machen, sofern er finanzierbar ist", sagt Riebling.

Backstage beim Feuerwerk der Turnkunst

Selten ein "Tschüss für immer"

Und wenn alles vorüber ist? "Für uns, die sich über ein oder manchmal sogar zwei Jahre mit einer Tournee beschäftigen, ist es erst einmal ein großes Loch, in das man fällt. Aber da ist dann natürlich auch die Freude, mal wieder nach Hause zu kommen", weiß Riebling. Und wenn man nach so einer langen Tour wieder getrennte Wege geht, ist es natürlich erst einmal ein trauriger Moment. Aber Künstlerszene und Showbusiness seien überschaubarer als man denke.

"Man ist sich in der Show Welt sicher, dass man sich niemals wirklich aus den Augen verliert. Bisher war es mit fast allen Künstlern so, dass man sich irgendwo wiedergetroffen hat", lautet seine Erfahrung. Man treffe sich wieder, zum Beispiel auf Zirkusfestivals, wo man nach neuen Künstlern suche und alte Künstler mit dabei seien.

"So ist es am Ende eines Feuerwerks der Turnkunst fast immer ein ‚Auf Wiedersehen‘ und kein ‚Tschüss für immer‘", sagt Riebling und freut sich auch schon für die kommenden Jahre auf viele neue und alte Bekanntschaften.

Feuerwerk der Turnkunst

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AUSGABE  SHOWS 05-2022 | Einblicke | Die zweite Familie
AUTOR       Nils B. Bohl