Christiana Rosenberg-Ahlhaus "Feuerkranz"
Turn-Team Deutschland

Leidenschaft bleibt

WM-Gold und jetzt Volunteer

Christiana Rosenberg-Ahlhaus holte 1975 WM-Gold und freut sich 51 Jahre später darauf, beim großen Heimspiel der Rhythmischen Sportgymnastik helfen zu dürfen.

Ihre Aufgaben könnte kaum unterschiedlicher sein: Darja Varfolomeev will im Rampenlicht ihren Titel verteidigen, Christiana Rosenberg-Ahlhaus will hinter den Kulissen als Volunteer zum Gelingen der Weltmeisterschaften beitragen. 

Beide trennen 48 Lebensjahre, aber beide haben eine herausragende Gemeinsamkeit: 
Sie sind Weltmeisterinnen der Rhythmischen Sportgymnastik. 

"Ich bin ja Rentnerin und habe auch Zeit. Jetzt muss der Deutsche Turner-Bund halt damit leben, dass er eine etwas ältere Volontärin bekommt, die dafür aber viel Erfahrung hat", sagt Christiana Rosenberg-Ahlhaus im Interview mit breitem Lächeln.

Begeistert und inspiriert haben sie die Tage, in denen Darja Varfolomeev mit Olympia-Gold ihren größten Erfolg feierte und sie selbst als Besucherin dabei war. Diese vielen freiwilligen Helfer waren einfach fantastisch, schwärmt Christiana Rosenberg-Ahlhaus von ihrem Erlebnis 2024 in Paris:

Diese große Menge an gut gelaunten Menschen jeden Alters, die alles versucht haben, den Besuchern eine schöne Zeit zu machen. 

Als sie einer Freundin erzählte, dass sie so eine Aufgabe auch reizen würde, schlug diese vor: Dann bewerbe dich doch als Volunteer bei der WM. Gehört, getan.

So wird nun die erste deutsche Weltmeisterin zum WM-Presseteam des Deutschen Turner-Bundes gehören.

Wobei sie sich diesen Titel mit Carmen Rischer teilt. Beide brachten zusammen fünf Gold- und vier Silbermedaillen von der Weltmeisterschaft 1975 in Madrid mit. Das war eine sehr aufregende WM, blickt die heute 68 Jahre alte Christiana Rosenberg-Ahlhaus zurück, wobei sie erst einmal nicht die sportliche Ausbeute meint: Die WM fiel zusammen mit dem Tod Francos und das ganze Land war in Aufregung. Der Tod des Diktators machte eine WM in der Rhythmischen Sportgymnastik so nebensächlich, dass sie erst einmal verschoben wurde. Als die Wettkämpfe irgendwann losgingen, hatten wir schon einiges hinter uns. Wir mussten alle Hotelzimmer verlängern und natürlich Trainingshallen finden, um uns fit zu halten. Dafür mussten wir durch die halbe Stadt fahren.

Das Fehlen der damals starken Russinnen und Bulgarinnen wollten vor allem die einheimischen Gymnastinnen nutzen. Doch das deutsche Team prägte die Titelkämpfe. Dank eines starken Trainerteams, aber vor allem dank fleißiger und kreativer Athletinnen, von denen zwei herausragten: Christiana Rosenberg-Ahlhaus sicherte sich Gold mit Ball und Keulen sowie Silber im Mehrkampf und mit dem Band, Carmen Rischer holte die Titel im Mehrkampf, mit Reifen und Band sowie Silber mit Keulen und Ball. 

Während die heute zurückgezogen lebende Rischer noch bis 1980 internationale Medaillen gewann, verabschiedete sich Christiana Rosenberg-Ahlhaus kurz nach der glorreichen WM vom Leistungssport - mit nur 17 Jahren.

Ich wollte so gerne studieren und es wurde ein Platz frei an der Deutschen Sporthochschule in Köln, das war mein Traum.

Vom Traum zur Realität

Aus dem Traum wurde eine Realität, in der die Gymnastin zu einer renommierten Sportwissenschaftlerin aufstieg. 

Schon in Köln prägte sie das Programm Spiel-Musik-Tanz. Ab 1984 lehrte sie an der Uni Konstanz, wo sie 1996 promovierte, bis 2023 als Dozentin lehrte und heute noch vereinzelt Kurse gibt. Die Verbindung von Tanz, Kultur und Inklusion war ebenso Kern ihrer Arbeit wie sie Klassiker der Weltliteratur und -musik tänzerisch mit Studentengruppen umsetzte - von Macbeth bis Kafka, vom Global Water Dance gegen Wasserverschmutzung bis zur tänzerischen Darstellung eines Bienenschwarms.

Als Autorin von Fachbüchern prägte sie die Entwicklung und Pädagogik tänzerischer Bewegungsformen ebenso wie als Vorsitzende der Gesellschaft für Tanzforschung (gtf).

Bewegung zur Musik war immer meine Leidenschaft. Seit ich laufen konnte, habe ich auch getanzt, erinnert sich Christiana Rosenberg-Ahlhaus an ihre Kindheit, in der sie erst einmal ihre Schwester in die Turnstunde begleitete.

Der Grundgedanke ist geblieben. Eine Gestaltung mit dem Handgerät, in Kombination mit interessanten Bewegungselementen. Aber das ist schon fast alles, sagt Christiana Rosenberg-Ahlhaus zum Vergleich von Wettkampfgymnastik, wie es vor 50 Jahren hieß, und der Rhythmischen Sportgymnastik von heute. Wir durften damals keine akrobatischen Elemente wie Rad oder Überschlag zeigen. Dass die Beine nach oben gehen, war streng verboten. Denn es hieß: Dann ist es Bodenturnen mit Handgerät. Aber es sollte ja Tanz mit Handgerät sein.

Entscheidender Impuls

Die Musik war auch ein entscheidender Impuls für ihren Wechsel vom Turnen zur Sportgymnastik. Die damals auf dem Klavier live gespielt wurde, so dass der Pianist aus dem Verein auch mit zu den Wettkämpfen reiste. Ihr Urteil zur Wettkampfmusik von heute, die schon lange vom Band bzw. der MP3-Datei kommt:

Das ist oftmals nichts weiter als Geräuschkulisse. Schnelle Einschränkung: Das ist bei Dascha nie so 

Die Begeisterung für ihre Nachfolgerin steigert sich dann in die Bewertung der sportlichen Klasse von Darja Varfolomeev:

Sie hat eine Präsenz auf der Fläche, die ihresgleichen sucht. Sie hat eine ungeheure Bewegungspräzision. Sie gibt jeder Übung einen eigenen Stil. Sie hat einfach ihr Ding gefunden, das ist ihre Sportart.

Und Christiana Rosenberg-Ahlhaus freut sich natürlich über den angenehmen Nebeneffekt ihrer Volunteer-Arbeit: Das Live-Erlebnis mit Dascha und anderen Weltklasse-Gymnastinnen, die um WM-Gold turnen - wie sie selbst vor 51 Jahren.
 

Website RSG-WM 2026

AUSGABE         Events 3-2026 | Turn-Team Deutschland | WM-Gold und jetzt Volunteer
AUTOR              Udo Döring