Andreas Toba bei den Finals 2025 in Dresden | Foto: Minkusimages
Turn-Team Deutschland

Andreas Toba gibt weiter, was zählt

Vom Hero zum Trainer

Das I-Tüpfelchen auf der Wettkampf-Karriere von Andreas Toba ist noch ganz frisch: Erst Mitte Januar wurde der ewige „Hero de Janeiro” zu Deutschlands Turner des Jahres gewählt. Man honorierte dabei weniger die Silbermedaille am Reck bei den letztjährigen Europameisterschaften in Leipzig, sondern die Lebensleistung des 35-Jährigen, der fast eineinhalb Jahrzehnte lang aus der deutschen Nationalriege kaum wegzudenken war.

Dem furiosen Schlussakkord in der Messehalle der sächsischen Metropole folgte ein geplanter, aber auch bemerkenswert rascher Rollenwechsel:

Seit acht Monaten lebt der Niedersachse seine Liebe zum Turnen nun als Bundesstützpunkttrainer Nachwuchs aus – und muss sich dabei mit vielen Änderungen seines bisherigen Tagesablaufs noch vertraut machen. „Ich bin noch ein bisschen in der Findungsphase”, sagt der viermalige Olympiateilnehmer und zählt auf, was sich bei ihm im Arbeitsalltag verändert hat: „Die Aufgaben sind deutlich komplexer. Ich bin doppelt so viel im Büro wie vorher. Trainingspläne, Internats-Management, Eltern, die noch kurz vor Mitternacht anrufen. Man ist quasi immer im Dienst.” Vorbei die Zeiten, als nach dem Training bestenfalls noch ein Besuch beim Physiotherapeuten auf dem Tagesplan stand.

Und doch: Schon seit Jahren reifte beim siebenmaligen deutschen Meister der Plan, der Karriere als Hochleistungssportler eine zweite Laufbahn als Trainer folgen zu lassen. 

„Dieser Wunsch hat sich mit der Zeit immer mehr verfestigt. Ich denke, ich habe ein gutes Verständnis für das Turnen und möchte das gern an andere weitergeben”, sagt Toba durchaus selbstbewusst.

Ein guter Coach

Dabei weiß der gebürtige Hannoveraner ganz genau, dass ein guter Coach weit mehr können muss als Hilfestellung beim Erlernen neuer Übungsteile zu geben und auf die Feinheiten der Turntechnik zu achten. Toba will seinen Schützlingen auch vermitteln, „dass dieser Sport sehr viele schöne Seiten hat”.

Sein pädagogisches Ziel: „Ich möchte sie gern zu vernünftigen Menschen formen.” Zu einem Typus Mensch eben, den kaum jemand besser repräsentiert als der ausgeglichene Turn-Allrounder selbst. Sein langjähriger Cheftrainer Andreas Hirsch transponierte die Zuverlässigkeit Tobas mit dem ihm eigenen Wortwitz in die Turnsprache: 

„Andis bestes Gerät ist der Mehrkampf.”

Doch jetzt ist seine Fähigkeit gefordert, bei den 13 bis 15 Jahre alten Nachwuchsathleten die Leidenschaft für ihren Sport weiter zu schüren. Was für den Sohn des in Rumänien geborenen Marius Toba, WM-Vierter 1995 an den Ringen, keine leichte Aufgabe ist. 

„Jede Generation unterscheidet sich von der vorherigen Generation. Es ist nun mal so, dass es mehr Einflüsse von außen auf das eigene Leben gibt. Aber ich gebe mir viel Mühe, die Jungs zu verstehen”, sagt Toba. Er wolle ein gutes Mittelmaß finden, aber es gebe auch Regeln: „Ein Handy hat am Turngerät nichts zu suchen.” 

Schließlich gilt es auch für die Junioren, sich schon bald auf der internationalen Turnbühne zu behaupten. Die Konkurrenz jedenfalls ist härter denn je. Toba: „Andere haben oftmals bessere Rahmenbedingungen und das Turnen ist globaler geworden. Und ein Jahrhunderttalent haben wir aktuell nicht.”

⇒ LESETIPP

Das war auch ein Andreas Toba nicht, dafür avancierte er durch Tapferkeit und Einsatzwillen vor zehn Jahren in Rio de Janeiro zu einem Gesicht der Olympischen Sommerspiele in Brasilien. 

Eine schwere und schmerzhafte Knieverletzung hinderte ihn nicht daran, für sein Team eine erstklassige Übung am Pauschenpferd zu turnen. Was für Toba nie eine Heldentat, sondern eine charakterliche Selbstverständlichkeit war. 

Weshalb er auch ganz froh ist, dass er von seinen Schülern auf dieses Ereignis nur selten angesprochen wird: 

„Sie waren ja damals erst drei bis fünf Jahre alt.”

AUSGABE        Talente 01-2026 | Turn-Team Deutschland | Vom Hero zum Trainer
AUTOR             Andreas Frank