Grafik 5C-Modells | Foto: Dr. Sebastian Brückner
Turn-Team Deutschland

Coaching zur Stärkung von Trainerinnen und Trainern

Vom CULTurn-Projekt zum "Erfolgreich Führen"-Coaching

Er ist ein Trainer für die Trainerinnen und Trainer im Deutschen Turner-Bund. Keine leichte, aber höchst reizvolle Aufgabe für Dr. Sebastian Brückner. Turnen ist eine sehr komplexe Sportart, nicht nur weil sie technisch sehr anspruchsvoll ist, sondern weil es auch mit der leistungssportlichen Ausrichtung in frühen Jahren losgeht, formuliert der Sportpsychologe einen Kernsatz, der sich in viele weitere Details verzweigen lässt. Schon deshalb, weil Turnen nur der Überbegriff ist, der sich allein auf olympischer Ebene dreiteilt:

  • Gerätturnen, 
  • Rhythmische Sportgymnastik, 
  • Trampolinturnen.

In diesen Bereichen arbeiten die neun Trainerinnen und Trainer, die in ein Coachingprogramm des DTB aufgenommen wurden mit dem Titel:

Erfolgreich Führen im Sport.

Dr. Sebastian Brückner (rechts) im Gespräch

Fortsetzung des CULTurn-Projektes

Das aktuelle Projekt ist eine Fortsetzung des CULTurn-Projektes, das von 2022 bis 2024 vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft gefördert wurde und das nun von der Uni Münster in direkter Zusammenarbeit mit dem Deutschen Turner-Bund fortgesetzt wird. 

Die Resonanz auf das auf einer 360 Grad-Führungsdiagnostik basierenden Fortbildungsprogramm CULTurn war so groß, dass beide Seiten die Zusammenarbeit weiter großschreiben. Der Trainerjob und sein Umfeld sind extrem komplex. Es gibt die unterschiedlichsten Player, Erwartungen, Bedürfnisse und Anforderungen, betont Dr. Sebastian Brückner, der als für beide Projekte verantwortlicher sportpsychologischer Experte selbst immer wieder dazu lernt. 

Schon weil er als früherer Leistungsschwimmer auch beruflich in eine für ihn neue Sportwelt eingetaucht ist, in der fliegende Keulen ebenso ein Kernelement sind wie Salti ähnlich hochspringender Athletinnen und Athleten, und wo routinierte Turner ebenso professionelle Führung brauchen wie Turnerinnen im frühen Teenager-Alter.

Die Idee ist, idealerweise mit mündigen Athleten auf Augenhöhe zu arbeiten. Aber wie mache ich das mit einer zehnjährigen Turnerin? Wie entwickele ich überhaupt mündige Athleten? 

Fragen, für die Brückner im Gespräch natürlich nur allgemeingültige Antworten geben kann. Wie etwa: Ich muss mir als Trainer selbst über meine Führungslinie klar sein, muss meine Emotionen regulieren können, um andere Leute mitzunehmen. Im Coachingprogramm wird es natürlich individueller. Den Einstieg bilden Führungsdiagnostik mit Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie ein Feedbackgespräch zu den individuellen Ergebnissen. Neben einem Präsenzworkshop für die ganze Gruppe gehören Einzelcoachings ebenso zum Programm wie ein Trainingsbesuch mit persönlichem Feedback und Austausch.

Für Brückner immer wieder selbst auch eine Art der Fortbildung.

Gerade die Trainingsbesuche sind total faszinierend. In den verschiedenen Turn-Disziplinen erarbeiten Trainer und Athleten die Schwierigkeiten auf unterschiedlichste Art und Weise, sagt und staunt der Sportpsychologe: Das ist ein Level an Komplexität, den es nur in wenigen Sportarten gibt. Weil an gewissen Stellen auch Risiko eine Rolle spielt, ist das Thema Vertrauen nochmal wichtiger. Ein Aspekt, der die individuelle Betreuung noch anspruchsvoller macht, wobei der Weg zum Erfolg in der mehrheitlich Einzelsportart laut Brückner auch über das Gemeinschaftsgefühl führt. Nicht nur in Teamwettbewerben, sondern eben schon in der Trainingsgemeinschaft mit gegenseitiger Motivation und Unterstützung.

Das 5C-Modell

Brückner ist bewusst, dass im Leistungssport die Leistung an Ergebnissen gemessen, der Blick stets auf kleinste Fehler und Unstimmigkeiten gerichtet wird. 

Aber ich muss mich an den Stärken orientieren: Wo nutze ich diese und wo kann ich sie noch konsequenter ausspielen? Wo gelingen mir Sachen? Wo mache ich Fortschritte?

Mit diesen Fragen richtet Brückner den Blick auf Positivität im Trainings- und Wettkampfalltag, wo aber nicht immer der frühe und schnelle Erfolg zielführend sei. Erfolge im Nachwuchs sind etwas, worauf man aufbauen kann. Gleichzeitig darf der Blick nicht allein auf das nächste Ergebnis gerichtet sein. Gute Führung bedeutet auch, Entwicklung über Jahre zu denken: Stärken auszubauen, Rückschläge einzuordnen und die körperlichen wie psychischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Athletinnen und Athleten ihr Potenzial langfristig ausschöpfen können.

Ein Satz, der zur Erklärung eines 5C-Modells gehört: 

  • Collaboration,
  • Competition, 
  • Creativity, 
  • Control, 
  • Charisma. 

Fünf englische Wörter als Basis des “Erfolgreich Führen”-Coachings – wie auch schon des CULTurn-Programms, die Brückner gerne in kurzen deutschen Sätzen erklärt.

Collaboration (Zusammenarbeit): Die Menschen dort abholen, wo sie stehen, mit Arbeit und Kommunikation auf Augenhöhe.

Competition (Wettbewerb): Im Leistungssport geht es um Ergebnisse. Aber wie definiere ich Erfolg? Sind es Medaillen oder eine eher langfristige Entwicklung, für die physische und psychische Grundlagen entwickelt werden müssen.

Creativity (Kreatitivität): Offenheit für Neues und Anderes: Offen sein, sich selbst entwickeln, aber sich auch auf die Meinung anderer einzulassen.

Control (Kontrolle): Struktur und Grundregeln vorgeben und bis zu einem gewissem Grad durchsetzen. Gewisse Entscheidungen muss der Trainer treffen und kann nicht alles auf Athletenebene demokratisch delegieren.

Charisma: Der Begriff steht bewusst in der Mitte unseres Modells. Denn je besser ich bin mit Blick auf charismatisches Handeln, Kommunikation und Werteklarheit, desto einfacher ist es, sich situativ vom einen ins andere Strategiefeld, sprich zwischen Offenheit und Kontrolle bzw. Zusammenarbeit und Wettbewerb zu bewegen.

Letzteres ist auch eine Frage des Trainer- und Menschentyps

Ob mit autoritärem oder eher basisdemokratischem Grundverständnis. Letztlich steht der Athlet am Gerät, im Wettkampf sind die Einflussmöglichkeiten als Trainer sehr gering. Wenn ich das Leistungspotenzial über Selbstreflexion und die intrinsische Motivation stärken will, geht das nicht nur auf autoritäre Weise, lässt Brückner eine Empfehlung erkennen, wohlwissend, dass es auf dem Weg zum Erfolg auch klare Strukturen und Vorgaben braucht. 

Der Sportpsychologe ist zuversichtlich, dass das aktuelle Coachingprogramm nicht nur die darin aktuell eingebundenen Trainerinnen und Trainer in ihrer Arbeit stärkt, sondern langfristig auch das Aus- und Fortbildungsprogramm des Deutschen Turner-Bundes auf weiteren Ebenen erweitert.

Bewirb dich jetzt!

Du bist Trainerin oder Trainer und interessierst dich an der Entwicklung deines Führungsverhaltens? 

Das Programm bietet eine fundierte Diagnostik und professionelle Zusammenarbeit mit sportpsychologischen Expert*innen. Dabei werden je nach individuellem Bedarf spezifische Coachingthemen bearbeitet und auf Vereinbarkeit mit dem eigenen Alltag geachtet. Zudem berechtigt die Durchführung des Programms zur Verlängerung der Trainer*in B- und A-Lizenz.

Informationen & Bewerbungsformular

 LESETIPP

Die Kraft des Positiven mit Sonja Kujawski

Vom Musikpult bei der Heim-WM bis zum Trainingsalltag in Berlin: Diplom-Trainerin Sonja Kujawski nutzt jede Erfahrung, um sich weiterzuentwickeln. 

Im Coachingprogramm des DTB schärft sie ihren Führungsstil – mit einem klaren Ziel: Athletinnen stärken, konstruktiv begleiten und den Blick auf das Positive richten.
 

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AUSGABE        Akademie 04-2026 | Turn-Team Deutschland | Vom CULTurn-Projekt zum "Erfolgreich Führen"-Coaching
AUTOR            Udo Döring