Niederlagen sind wichtig für den Erfolg
„Mein Anspruch an das Training und die Turnerinnen ist hoch. Es gibt Prinzipien und die Regeln sind klar kommuniziert, alle müssen sich daran halten“, sagt die Trainerin sehr deutlich. „Alles erfolgt auf Augenhöhe und mit Respekt, es ist ein Miteinander.“ Aus ihrer Sicht bedeuten Training und Wettkampf nicht, alles zu schaffen und alles zu gewinnen. Nur nach Fehlern kann man besser werden. Bei Niederlagen ist ihr wichtig, „dass man darüber reden kann und man analysiert, was vielleicht die Gründe sind. Niederlagen gehören mit dazu und sind ein ganz wichtiger Punkt auf dem Weg zum Erfolg.“
Anja Neubert macht immer öfter die Erfahrung, dass heute kaum noch jemand den Trainerberuf ausüben möchte. Generell sei der Beruf nicht attraktiv, es ist kein Beruf innerhalb einer Norm. Die Trainerin betont, dass es auch oftmals (in Abhängigkeit von den Rahmenbedingungen) kein familienfreundlicher Beruf ist und nichts für ein gesundes Sozialleben. Am Wochenende zum Beispiel, wenn man eigentlich frei hat, finden Wettkämpfe oder Fortbildungen statt. Und das Einkommen sei relativ gering und eher keine Motivation. In ihrer ganz persönlichen Situation ist die Arbeitsbelastung gerade sehr groß. Dadurch, dass so wenig Personal da ist, ruhe die Verantwortung auf wenigen Schultern.
Die Trainerin allerdings steht jeden Wochentag mit größter Freude in der Sporthalle – die Arbeit mit den Athletinnen macht ihr Trainersein schön:
„Es ist abwechslungsreich und ich sehe die Fortschritte der Turnerinnen. Das Feedback bekommt man sofort! Man ist immer herausgefordert und muss auf jede einzelne Persönlichkeit eingehen. Mich hat schon immer fasziniert, auf welch hohem Level Turnen möglich ist. Relativ schnell wusste ich, dass ich Trainerin werden möchte. Meine Athletinnen sollen hier eine gute Ausbildung bekommen und ich würde mich freuen, wenn sie irgendwann zurückschauen und sagen, dass sie eine gute Zeit hatten, tolle Erfahrungen gesammelt und viel fürs Leben mitgenommen haben.“