Ein Grund für die anfängliche Skepsis war die Befürchtung, man wolle den Trainerinnen und Trainern vorschreiben, wie sie ihre Arbeit zu verrichten hätten.
"Doch es geht uns in den Veränderungs- und Coachingprozessen immer darum, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen, und gemeinsam mit ihnen an Verbesserungen zu arbeiten", betont Brückner.
"Dabei wurde uns klar, dass Führung ein hochaktuelles Thema ist – nicht nur im Turnen, sondern im gesamten organisierten Sport. Dennoch spielt es in der Traineraus- und -fortbildung keine übergeordnete Rolle", sagt Brückner. Oft gebe es zwei Extreme:
"Entweder wird autoritär geführt nach dem Motto: Ich sage, wo es langgeht, oder es wird die transformationale Führung nahegelegt – ein sehr demokratischer Ansatz, bei dem Athletinnen und Athleten überall mitbestimmen und dadurch langfristig in ihrer Persönlichkeit und ihren Kompetenzen wachsen sollen“, berichtet er. Doch diese Vorstellung sei nicht immer realistisch.
Denn gerade im Turnsport beginnen Kinder oft schon in sehr jungen Jahren mit leistungsorientiertem Training. "In diesem Alter sind sie kognitiv noch nicht in der Lage, in allen Belangen eigenständig Entscheidungen zu treffen. Das ist nicht nur ein Problem im Nachwuchsbereich. Selbst erwachsene Athletensprecher, die eigentlich eine vermittelnde Rolle einnehmen sollten, scheinen – zumindest aus meiner Außenperspektive – oft zu scheitern", hat der Wissenschaftler bemerkt.