Am Ende ihrer B-Lizenz-Einheiten bittet Kohake die Trainerinnen und Trainer, vier Punkte für sich festzuhalten: zwei Dinge, die sie bereits gut machen, und zwei, bei denen sie sich weiterentwickeln möchten.
Der erste Teil ist ihr wichtig. Ausbildung soll nicht nur Defizite sichtbar machen. Oft stellen Trainerinnen und Trainer fest, dass sie vieles längst richtig tun, nur bisher nicht bewusst. Kohake wendet damit auf die Trainerinnen und Trainer dasselbe Prinzip an, das diese später bei ihren Athletinnen und Athleten nutzen sollen: bei dem beginnen, was bereits funktioniert.
Wie sehr sich die Themen einer solchen Ausbildung verändern können, erlebt sie bei der Prävention von Gewalt. Fragte sie Trainerinnen und Trainer vor einigen Jahren nach möglichen Risikosituationen, wurde häufig die Hilfestellung genannt. Heute fallen eher Begriffe wie Umkleide, Einzelfahrten oder Einzeltraining. Das Wissen darüber, dass Eins-zu-eins-Situationen besondere Risiken bergen, sei deutlich gewachsen.
Auch darauf reagiert die Ausbildung. Gemeinsam mit dem DTB wurden konkrete Verhaltensregeln entwickelt, die über allgemeine Grundsätze hinausgehen und Trainerinnen und Trainern Orientierung für den Alltag geben. Kohakes Eindruck: Seitdem konnten sich bestehende Unsicherheiten in der Praxis deutlich abbauen.
So reicht Sportpädagogik in der Turn-Akademie von Motivation und Feedback über Konfliktbearbeitung und Mitbestimmung bis zum Gewaltschutz. Zusammengehalten werden diese Themen von einer Frage, die sich kaum in einen Trainingsplan schreiben lässt:
Wie sollte eine Trainerin oder ein Trainer handeln, damit seine Erfahrung, sein Wissen und sein Engagement bei der Athletin oder dem Athleten tatsächlich etwas bewirkt?
Kohake verweist dafür auf eine Zahl aus der Unterrichtsforschung. Die Lehrperson mache ungefähr 30 Prozent des Lernerfolgs aus. Man könne sagen, das sei wenig, weil zahlreiche andere Faktoren außerhalb des Einflusses einer Trainerin bzw. eines Trainers lägen.
Man kann es aber auch anders lesen:
30 Prozent sind eine ganze Menge.