Sonja Kujawski (ganz links im Bild) bei der RSG-WM 2026 in Frankfurt | Foto: Sonja Kujawski
Turn-Team Deutschland

Was Sonja Kujawski antreibt

Die Kraft des Positiven

Sonja Kujawski hat das große Festival der deutschen Rhythmischen Sportgymnastik hautnah miterlebt. Sie war mittendrin in den stimmungsvollen Tagen der Frankfurter Festhalle. Mittendrin in der Weltmeisterschaft jener Sportart, die ihr Leben prägt und in der sie es bis zur Bundeskader-Gymnastin und Diplom-Trainerin gebracht hat.

Aber diesmal war ihre Aufgabe nicht, Übungen auf höchstem Niveau zu präsentieren oder zu lehren, sondern: im richtigen Moment auf die Play-Taste zu drücken.

Die 28 Jahre alte Berlinerin war bei der WM mitverantwortlich für das Einspielen der Musik. Was sich einfach anhört, musste aber knapp tausendfach auf die Sekunde sitzen, und war für Sonja Kujawski damit allemal eine gute Gelegenheit, die Aufgabe auch als Fortbildung zu verstehen.

Der Druck war schon relativ groß und ich bin auch bei solchen Einsätzen sehr kritisch mit mir selbst, berichtet sie leidenschaftlich und verarbeitet auch gleich die Lehren ihrer Trainerausbildung. Natürlich waren Fehler dabei. Aber ich weiß auch genau, wie viele Musiken ich richtig eingespielt habe. Die positiven Aspekte nutzen und sich nicht mit vermeintlich negativen Punkten selbst runterziehen. Ein wichtiges Motto, das sie auch ihren jungen Turnerinnen vermitteln will.

Die Turnerinnen nehmen ihre eigene Leistung häufig sehr kritisch wahr. Unsere Aufgabe als Trainer besteht darin, ihnen konstruktives Feedback zu geben, sie gezielt weiterzuentwickeln und sie gleichzeitig zu motivieren und in ihrem Selbstvertrauen zu stärken. 

Ein Kernsatz ihrer Ausbildung, in der sie sich bis zur höchsten Lizenzstufe arbeitete: Diplom-Trainerin. 

Der Ehrgeiz, immer weiter an den eigenen Führungsqualitäten zu feilen, wurde zuletzt vom Deutschen Turner-Bund (DTB) auch mit der Aufnahme in das “Erfolgreich Führen im Sport”-Coachingprogramm belohnt. Acht junge Trainerinnen und Trainer aus den olympischen Disziplinen des DTB werden ausgewählt für ein Schulungsmodell, das ihnen helfen soll ihr Handeln im Kontext der vielfältigen, komplexen Anforderungen im Leistungssport zu reflektieren und zu verstehen.

Erfolgreich Führen im Sport

So steht es in der theoretischen Beschreibung des Programms Erfolgreich Führen im Sport des Willibald-Gebhardt-Instituts, dem An-Institut der Uni Münster für Wissenstransfer in die Sportpraxis.

In der Praxis coacht der sportpsychologische Experte Dr. Sebastian Brückner die Trainerinnen und Trainer auf Grundlage eines 5C-Führungsmodells mit den Handlungsfeldern:

  • Collaboration, 
  • Competition, 
  • Creativity, 
  • Control,
  • Charisma. 

Ein bald anstehender Trainingsbesuch sowie eine Führungsdiagnostik zur Erstellung eines persönlichen Kompetenzreports bilden den Abschluss des zuvor in Online-Kursen geführten Programms.

Sonja Kujawski kann aus dem Wettkampf- und Trainingsalltag nicht nur theoretische Fortschritte vermelden, sondern auch konkrete Erfolge ihrer Arbeit mit den Nachwuchs- und Juniorinnengruppen. Ein wichtiger Bestandteil ihrer Trainingsphilosophie ist es dabei, die Athletinnen aktiv in ihren Entwicklungsprozess einzubeziehen und ihnen zu helfen, auch in herausfordernden Phasen den Blick für das Positive zu bewahren.

Wir haben zum Beispiel eingeführt, dass sich die Mädels am Ende des Trainings zusammensetzen und sich gegenseitig ein Feedback geben. Das hat ihnen geholfen, dranzubleiben und eine positive Sicht auf sich selbst zu finden.

Erfolgreich führen im Sport

Aus eigener Erfahrung wohlwissend, wie schwer das in jungen Jahren sein kann. Mit sieben Jahren begann ihr sportlicher Weg, der sie bis in das Junioren-Nationalteam führte, auf dem sie aber von Knieproblemen ausgebremst wurde. Keine gute Situation im Leistungssystem einer Sportschule, wo neben ihren sportlichen aber auch die Führungsqualitäten erkannt und gefördert wurden. Eigentlich wollte ich immer in die Medizin, gibt Sonja Kujawski zu. Doch der Reiz ihrer Herzens-Sportart war stärker: Und ich wollte schon immer all das zurückgeben, was mir als Gymnastin gegeben wurde. Heute ist sie froh, ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht zu haben.

Mit großem Durchhaltevermögen und Ehrgeiz, der sie durch eine intensive Ausbildungszeit an der Trainerakademie mit viel Pendeln zwischen Berlin und Köln trug. Ein Lohn ist die schon während des Studiums erfolgte Berufung zur Verbandstrainerin am Bundesstützpunkt Berlin. Parallel dazu qualifizierte sie sich als internationale Kampfrichterin, als die auch schon mehrfach für den DTB im Einsatz war. Die aktuelle Wunschvorstellung lautet: 

In Berlin bleiben und immer wieder Gymnastinnen den Sprung an das Bundesleistungszentrum in Schmiden ermöglichen, wo ihre Schützlinge ihre sportliche Entwicklung bestmöglich fortsetzen können. 

Besonders schätzt sie den Austausch mit Bundestrainerin Julia Raskina-Rizzo, die für sie Vorbild und hochgeschätzte Kollegin zugleich ist: Julia ist sehr offen für Feedback und nimmt Anregungen gerne an. Ich finde es beeindruckend, wie sie diese aufnimmt und anpasst, um das Beste aus den Athletinnen herauszuholen.

Was vor allem die Erfolge von Darja Varfolomeev eindrucksvoll belegen. 

Zuletzt eben bei der fantastischen Heim-WM in Frankfurt. Sonja Kujawski erinnert sich rückblickend auch mit einem Augenzwinkern an den ungewöhnlichen Start in die Reifenübung des Mehrkampfs: Nicht eine falsch gedrückte Play-Taste, sondern ein Geräusch aus dem Publikum hatte für eine kurze Irritation gesorgt. Davon ließ sich die Gymnastin jedoch nicht beirren - am Ende stand trotz des vermeintlichen Fehlstarts der Gold-Coup. Ganz im Sinne ihrer Trainingsphilosophie: Das Positive rausfiltern, auch wenn es mal nicht rund läuft.

 LESETIPP

Vom CULTurn-Projekt zum "Erfolgreich Führen"-Coaching mit Dr. Sebastian Brückner

Wie gelingt gute Führung im komplexen Leistungssport? Sportpsychologe Dr. Sebastian Brückner erklärt, wie das DTB-Coachingprogramm Erfolgreich Führen im Sport Trainerinnen und Trainer mit Diagnostik, Workshops und individuellem Feedback stärkt - und warum Vertrauen, Selbstreflexion und das 5C-Modell dabei zentral sind.

Zum Artikel

AUSGABE        Akademie 04-2026 | Turn-Team Deutschland | Die Kraft des Positiven
AUTOR            Udo Döring