Melanie Dargel bei der Grundausbildung | Foto: Privat
Turn-Team Deutschland

Der Sportförderer Bundeswehr

Frau in Uniform

Um 6:00 Uhr in der Früh. Antreten auf dem Flur, Uniform sitzt, Dutt perfekt. Für Melanie Dargel beginnt der Tag bei der Bundeswehr anders als in der Trainingshalle von Schmiden. Statt Musik und Bänder: Kommandos, Gleichschritt, Stille.

Vier Wochen lang hat die 20-Jährige erlebt, was es heißt, Soldatin zu sein – und Spitzensportlerin zugleich.

"Der Geländedienst in der Grundausbildung war das Härteste", sagt sie rückblickend.

"30 Kilo Rucksack, vier Kilo Waffe, quer durch den Wald. Aber Disziplin und Pünktlichkeit, das kennen wir im Sport", sagt sie. Man glaubt ihr das sofort. Wer Melanie Dargel erlebt, merkt: Sie hat in jungen Jahren bereits eine innere Haltung entwickelt, die über die Matte hinausgeht.

Zwischen Ball, Band und Biwak

Dargel gehört zu den erfolgreichsten Rhythmischen Sportgymnastinnen Deutschlands. Bronze bei der EM, Gold bei der WM – mit der Gruppe zählt sie zur Weltspitze. Trainiert wird täglich am Bundesstützpunkt in Schmiden bei Stuttgart. Nach dem Abitur stand sie vor einer Frage, die viele junge Leistungssportlerinnen und Leistungssportler kennen: Wie weitermachen, wenn der Sport alles fordert, aber finanziell nichts trägt?

Die Antwort fand sie in der Sportförderung der Bundeswehr. Seit 2024 trägt sie Uniform. "Das System ermöglicht mir, mich voll auf den Sport zu konzentrieren und trotzdem abgesichert zu sein", sagt sie.

"Ich weiß, dass ich meine Miete zahlen kann.
Ich weiß, dass ich versichert bin.
Ich kann einfach trainieren."

Ein neues Teamgefühl

Bei einem Lehrgang in Warendorf lernte Dargel die Bundeswehr erneut von einer anderen Seite kennen: drei Wochen Ausbildung zur Übungsleiterin, diesmal Seite an Seite mit Soldatinnen und Soldaten aus der regulären Truppe. 

"Das war spannend. Wir haben voneinander gelernt – sie über den Spitzensport, wir über militärische Abläufe."

Was die junge Weltmeisterin besonders beeindruckt hat, ist das Miteinander in der Truppe.

"Am Anfang dachten viele, Sportsoldaten trainieren nur und bekommen dafür ihr Geld. Aber als sie gesehen haben, wie viel Disziplin dahintersteckt, kam mehr und mehr Respekt auf", berichtet sie. Kameradschaft ist für sie ein Wort, das in der Rhythmischen Sportgymnastik als Einzelsportart eher selten fällt. Bei der Bundeswehr bekam es plötzlich Bedeutung.

Wenn jemand den Spind nicht ordentlich hatte, halfen wir uns gegenseitig. Jeder für jeden, das ist wie im Team, nur eben mit Tarnfarben. 

Sicherheit und Perspektive

Für Dargel ist die Bundeswehr aber mehr als nur ein Förderer. Sie ist ein Rahmen, der ihr Stabilität gibt. "Nach der Schule weiß man oft nicht, wohin. Die Bundeswehr gibt dir Struktur, Verantwortung, und sie nimmt dir die Angst vor dem Danach", erklärt sie. Sie erzählt ohne Heldenton, eher mit Dankbarkeit.

"Ich habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen – für mich und andere. Und dadurch bin ich selbstbewusster geworden."

Auch Begegnungen in Uniform gehören dazu. Wenn sie in der Bahn fährt, sprechen Menschen sie an. "Oft sagen sie: Danke für Ihren Dienst. Das ist ein gutes Gefühl", erzählt sie. Auf dem Bahnsteig werde man als Soldatin auch öfter mal nach dem Weg gefragt, weil die Menschen ein Grundvertrauen in die Sicherheit haben. Es zeigt ihr, dass Uniform Respekt schafft – nicht nur im militärischen, sondern auch im gesellschaftlichen Sinn.

Frauen, die führen

Ihre Zugführerin in der Grundausbildung war eine Frau – "Von allen Ausbildern war sie die Strengste", wie Dargel sagt.

"Aber sie war fair. Und sie hat uns gezeigt, dass man auch in der Bundeswehr als Frau Stärke zeigen kann." Die Bundeswehr ist für Dargel daher auch kein Synonym für Härte, sondern eines für Möglichkeiten. Frauen übernehmen Verantwortung, führen Menschen, leiten Ausbildungen. "Das ist selbstverständlich geworden", sagt sie. "Und es motiviert."

Weiterdenken nach dem Sport

Langfristig kann sich Dargel daher auch gut vorstellen, bei der Bundeswehr zu bleiben – vielleicht im Bereich Rehabilitation oder Sportmedizin. "Ich möchte dem Sport verbunden bleiben. Die Bundeswehr bietet viele Wege." Der Gedanke, dass ihr Beruf eines Tages mehr mit Patientinnen und Patienten als mit Podesten zu tun haben könnte, gefällt ihr. "Man hilft anderen. Das ist etwas, das bleibt", findet sie.

Haltung, die bleibt

Über einen möglichen "Ernstfall" spricht die Sportsoldatin ganz ohne Pathos. "Ich hoffe, dass es nie dazu kommt. Aber wenn, dann helfe ich natürlich. Das gehört zu unserer Aufgabe", betont sie. Dargel steht für eine Generation junger Athletinnen, die Leistung mit Verantwortung verbinden. Sie zeigt, dass Disziplin kein Zwang sein muss, sondern vielmehr eine Form von Freiheit. Und dass Uniform und Gymnastikanzug mehr gemeinsam haben, als man denkt:

Beide verlangen Präzision, Ausdauer – und Haltung.
 

AUSGABE       Förderung 05-2025 | Turn-Team Deutschland | Der Sportförderer Bundeswehr
AUTOR            Nils B. Bohl