Robert Hirsch (rechts) und Brian Gladow | Foto: Turnfestfotos
Turn-Team Deutschland

Robert Hirsch setzt auf nachhaltigen Weg

Bilanz nach Jahr eins als Bundestrainer

Am Ende seines ersten Jahres als Bundestrainer des männlichen deutschen Gerätturn-Nachwuchses konnte Robert Hirsch seine kleine Auszeit zwischen Weihnachten und Neujahr mehr als gut gebrauchen. 

2025 war wirklich sehr vollgepackt.

Das sagte der Berliner über die ersten zwölf Monate nach seiner Rückkehr zum Deutschen Turner-Bund. 

Zuvor hatte der Sohn des langjährigen Männer-Cheftrainers Andreas Hirsch drei Jahre lang die besten Turner Norwegens auf die internationalen Höhepunkte vorbereitet.

Die erste Zwischenbilanz nach der Rückkehr in die Heimat fällt gemischt aus.

Hirsch: Aus unterschiedlichsten Gründen waren die Leistungen schwankend. Überraschte sein Team beim Europäischen Olympischen Jugendfestival in Osijek mit Bronze im Mannschafts-Wettbewerb und einer Goldmedaille am Pauschenpferd noch mehr als positiv, lief bei den Junioren-Weltmeisterschaften weniger zusammen. Hirschs Schützlinge kämpften mit dem Jetlag, Verletzungspech kam hinzu: Leistungsträger Nikita Prohorov musste in der WM-Vorbereitungsphase wegen einer Schnittwunde an der Stirn genäht werden, sein Start auf den Philippinen war lange Zeit stark gefährdet. So kam Einiges bei diesen Titelkämpfen zusammen, Hirsch hat diesen sportlichen Dämpfer aber längst analysiert und blickt bereits nach vorn:

Eine Enttäuschung kann manchmal auch eine Chance sein.

Und die will der engagierte Coach zusammen mit seinen jungen Athleten insbesondere beim Saison-Höhepunkt, den diesjährigen Junioren-Europameisterschaften im August in Zagreb nutzen. Für Hirsch auch eine willkommene Gelegenheit, sein ganz persönliches turnerisches Credo noch mehr in seine tägliche Arbeit einzubringen. Der frühere Leistungsturner beschreibt es so: In meinem Arbeitsbereich muss es in erster Linie darum gehen, junge Athleten auszubilden, sie auf den Übergang zu den Senioren bestmöglich vorzubereiten und das Training so zu steuern, dass sie dort langfristig und erfolgreich verbleiben können.

Das scheinen nicht alle seine Kollegen in Europa und in der Welt genauso zu sehen. Mehr als einmal musste Hirsch bei internationalen Championaten als Trainingsbeobachter mit ansehen, wie Konkurrenten seiner DTB-Truppe bereits als Minderjährige an die absolute Leistungsgrenze getrieben wurden.

Turnen ist eine Risikosportart und wird es auch bleiben. Aber ich habe auch eine Fürsorgepflicht und darf die Sportler nicht ins Verderben führen. Niemand sollte überfordert werden und man darf als Trainer keine Anforderungen stellen, die nicht realistisch sind erklärt Hirsch seine Sicht der Dinge.

Das Problem nur: die neuen Wertungsvorschriften beschleunigen im Nachwuchsbereich die Notwendigkeit Höchstschwierigkeiten noch früher als bislang zu erlernen und in Wettkampfübungen zu präsentieren. Hirsch:

Da gibt es extremste Entwicklungen in diese Richtung.

Die will und muss der 47-jährige nicht mitmachen, auch weil der DTB seiner Expertise vertraut. Es gibt keinen Druck von außen, keine Zwänge durch den Verband, wir möchten erfolgreiche Turner entwickeln, aber nicht um jeden Preis, bestätigt Hirsch. 

Dass in Deutschland auch ein eher behutsamer Weg in die absolute Weltspitze möglich ist, zeigt dennoch das Beispiel von Lukas Dauser. Allerdings nicht, weil er bereits als Nachwuchstalent von Hirsch übernommen wurde: Der ehemalige Barren-Weltmeister, Olympia-Zweite 2021 in Tokio und Deutschlands Sportler des Jahres 2023 kam erst nach den Olympischen Spielen 2016 in Hirschs Betreuung. Zu diesem Zeitpunkt war Dauser bereits ein erwachsener, international erfahrener Turner und hatte zuvor über mehrere Jahre hinweg in Berlin trainiert – unter anderem bei Jens Milbradt, dem heutigen DTB-Cheftrainer.

AUSGABE        Talente 01-2026 | Turn-Team Deutschland | Bilanz nach Jahr eins als Trainer
AUTOR             Andreas Frank