Das scheinen nicht alle seine Kollegen in Europa und in der Welt genauso zu sehen. Mehr als einmal musste Hirsch bei internationalen Championaten als Trainingsbeobachter mit ansehen, wie Konkurrenten seiner DTB-Truppe bereits als Minderjährige an die absolute Leistungsgrenze getrieben wurden.
Turnen ist eine Risikosportart und wird es auch bleiben. Aber ich habe auch eine Fürsorgepflicht und darf die Sportler nicht ins Verderben führen. Niemand sollte überfordert werden und man darf als Trainer keine Anforderungen stellen, die nicht realistisch sind
erklärt Hirsch seine Sicht der Dinge.
Das Problem nur: die neuen Wertungsvorschriften beschleunigen im Nachwuchsbereich die Notwendigkeit Höchstschwierigkeiten noch früher als bislang zu erlernen und in Wettkampfübungen zu präsentieren. Hirsch:
Da gibt es extremste Entwicklungen in diese Richtung.
Die will und muss der 47-jährige nicht mitmachen, auch weil der DTB seiner Expertise vertraut. Es gibt keinen Druck von außen, keine Zwänge durch den Verband, wir möchten erfolgreiche Turner entwickeln, aber nicht um jeden Preis
, bestätigt Hirsch.
Dass in Deutschland auch ein eher behutsamer Weg in die absolute Weltspitze möglich ist, zeigt dennoch das Beispiel von Lukas Dauser. Allerdings nicht, weil er bereits als Nachwuchstalent von Hirsch übernommen wurde: Der ehemalige Barren-Weltmeister, Olympia-Zweite 2021 in Tokio und Deutschlands Sportler des Jahres 2023 kam erst nach den Olympischen Spielen 2016 in Hirschs Betreuung. Zu diesem Zeitpunkt war Dauser bereits ein erwachsener, international erfahrener Turner und hatte zuvor über mehrere Jahre hinweg in Berlin trainiert – unter anderem bei Jens Milbradt, dem heutigen DTB-Cheftrainer.