Trampolin in einer Halle
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Doppel-Mini-Trampolin trifft auf Tumbling

Gut kombiniert

Tumbling – ein englisches Wort. Mögliche Übersetzung: taumeln, plumpsen, hinfallen. Oder: sich überschlagen. Man könnte dazu aber auch einfach nur sagen: „Die Premiere war großartig.“ Das meint nicht nur Anke Dannenberg, wenn sie als Wettkampfleiterin vom ersten Tumbling-Cup spricht. Der erste nationale Wettbewerb der international vor allem in England, Kanada, Australien und Dänemark sehr populären Sportart wurde auch durch eine Kombination aufgewertet: die Integration in die Deutschen Meisterschaften auf dem Doppel-Mini-Trampolin. Eine logische Verknüpfung, denn Tumbling wird dem Trampolinsport zugeordnet und beide Disziplinen brauchen einen langen Anlauf für eine Serie von Salti, Überschlägen und Schrauben. Die Wettkampf-Premiere auf nationaler Ebene macht Lust auf mehr und sorgt für internationale Visionen.

Die Fakten & ein Level-Konzept

Um genau zu sein: Acht Elemente auf einer 42 Meter langen Bahn mit elf Meter Anlauf, 25 Meter Sprungfläche und sechs Meter Landefläche. So viel zum internationalen Reglement. Bei der nationalen Premiere ließen es die Verantwortlichen etwas lockerer angehen, erleichterten die Sprungfolge auch durch eine Airtrack- statt der härteren Tumbling-Bahn. „Wir haben bewusst die Einstiegshürde so gering wie möglich gehalten, so dass eigentlich jeder mit einfachen Rollen teilnehmen konnte“, erklärt Anke Dannenberg, die sich schon lange für die Entwicklung der Disziplin einsetzt und unter anderem ein „Level-Konzept für Einsteiger“ erstellt hat.

Auf verschiedenen Levels bewegte sich auch der Tumbling-Cup, der eine stimmungsvolle Bereicherung der Doppel-Mini-Titelkämpfe war. „Der Ausrichter hat das super gemacht“, lobte auch die im Technischen Komitee des DTB für Doppel-Mini zuständige Sina Klabunde die TG Biberach, die auch rein räumlich erst mal eine Herausforderung meistern musste. Denn in eine mit zwei Doppel-Mini-Bahnen samt Wettkampfgerichten schon gut gefüllte Halle musste ja noch die Tumbling-Bahn integriert werden – natürlich auch mit einem langen Tisch für die Kampfrichterinnen und Kampfrichter. Für die der Cup ebenfalls die erste Möglichkeit war, ihre Wertungstheorien erstmals praktisch anzuwenden.

Doppelstart dank kombinierter Premiere

Ein neues Aufgabenfeld, das auch den Athletinnen und Athleten sichtlich Spaß bereitete. Viele nutzten die kombinierte Premiere zum Doppelstart. Wie der von Sina Klabunde bei der TG Münster trainierende Adrian Thomson, der sich als einer der besten deutschen Doppel-Mini-Trampolinturner den ersten Sieg in der Altersklasse 17+ sicherte. „Ich glaube, jeder Trampoliner hat Spaß an Tumbling, die beide Sportarten haben ja ihre Parallelen“, erklärte der 20-Jährige, der aber auch zugab, dass Tumbling für ihn technisch viel anspruchsvoller sei als erwartet: „Der Weg, wie man die Saltos einleitet und ineinander übergeht ist ganz anders als beim Trampolin. Teilweise sogar das Gegenteil, von dem was wir beim Training lernen.“ Das sei für den Allrounder, der Dritter auf dem Doppel-Mini und im Vorjahr auch Deutscher Vizemeister auf dem Groß-Trampolin wurde, aber auch der Reiz gewesen: 

„Man kann sehen, wie technisch divers man wirklich ist.“

Dass die Premiere in der offenen Altersklasse als Mix-Wettbewerb geturnt wurde, war auch der – anders als bei den Jüngeren -  noch etwas zurückhaltenden Meldezahl geschuldet. „Wir werden im nächsten Jahr den Tumbling-Cup eher einen Tag später in den Deutschland-Cup auf dem Doppel-Mini integrieren“, sagt Sina Klabunde. Denn viele Athletinnen und Athleten konzentrierten sich auf die Meisterschaft auf dem Doppel-Mini. Wie der spätere Titelträger Moritz Braig von den Munich Airriders, der als guter Bodenturner liebend gerne auch sein Können auf der Tumbling-Bahn gezeigt hätte.

Qualifikation für die Europameisterschaften inklusive

Aber auf dem Doppel-Mini ging es eben auch um die Chance, sich für die EM zu qualifizieren. Den Sprung auf die internationale Ebene gibt es im Tumbling noch nicht, was Anke Dannenberg möglichst schnell ändern will. „Mein großer Traum ist, dass wir Athleten zur WM schicken können und irgendwann im WM All-around Team-Finale dabei sind“, sagt die Frankfurterin, deren Aufbauarbeit bei der dortigen Eintracht mit Siegen von Noah Cramer und Carolina Niculescu in den jüngsten Altersklassen (9-12) belohnt wurde.

„Auch eine Deutsche Meisterschaft mit allen drei Geräten könnte sich positiv auf die Medien-Wirksamkeit unserer Sportart auswirken und etwas mehr Stimmung in die Halle bringen“, umschreibt Anke Dannenberg eine weitere Vision. Als Vorbild dienen Wettbewerbe wie in Portugal, bei denen sie in diesem Jahr erstmals mit hessischen Turnerinnen und Turnern im Tumbling an den Start geht. Auch Adrian Thomson findet es spannend, an der Entwicklung beteiligt zu sein, und meint: „Die Sportart hat auf jeden Fall Perspektive“.

Qualifikationskriterien, Wettkampfmöglichkeiten, Fortbildungsmaßnahmen für Trainer*innen und Kampfrichter*innen – all das gilt es im Tumbling noch auf- und auszubauen. 

Aber ein Anfang ist gemacht, und eins steht schon fest: Auch 2027 wird es ein kombiniertes Wochenende mit Doppel-Mini und Tumbling geben. Schauplatz: die Sporthalle des DJK/VfL Billerbeck.

AUSGABE           Events 03-2026 | Mehr Sport | Gut kombiniert
AUTOR                Udo Döring