Karina Peisker und Lea Toran Jenner | Foto: Privat
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Zwei Gesichter der Rhönrad-WM Göttingen 2026

Bei den diesjährigen Rhönrad- und Cyr Wheel Weltmeisterschaften in Göttingen stehen zwei Frauen klar im Fokus: Karina Peisker, siebenfache Weltmeisterin im Rhönradturnen und Medizinerin, begann als Kind mit Gerätturnen und wechselte mit zehn Jahren zum Rhönradturnen. Lea Toran Jenner entdeckte das Cyr Wheel während ihrer Ausbildung an der renommierten National Circus School in Montreal; 2024 gewann sie für Spanien WM-Gold im Cyr Wheel und stand unter anderem im Moulin Rouge in Paris und beim Cirque du Soleil auf der Bühne. 

Die beiden Frauen verbindet weit mehr als spektakuläre Höchstleistungen im Rad. Beide dokumentieren ihren Alltag für ein Millionenpublikum auf Social Media. Als @handstand.karina und @zirkuslea geben die Frauen ihren Follower*innen Einblicke in Training, Rückschläge und Erfolge mit dem Ziel: Die eigene Randsportart sichtbarer zu machen.

Karina Peisker mit einer ihrer WM-Goldmedaillen. | Foto: Henrik Bagdassarian

Göttingen wird zur Bühne der Weltelite

Vom 1. bis 4. Juli 2026 trifft sich die internationale Elite des Rhönrad- und Cyr-Sports in der Sparkassen-Arena in Göttingen. In den Disziplinen Geradeturnen, Spiraleturnen und Sprung kämpfen rund 150 Athletinnen und Athleten aus 17 Nationen um Titel und Medaillen. Parallel finden die internationalen Wettbewerbe im Cyr Wheel statt.

Für Göttingen ist die Veranstaltung ein sportliches Ausrufezeichen. Die Stadt verfügt über große Erfahrung bei der Ausrichtung bedeutender Rhönradveranstaltungen und bietet ideale Voraussetzungen für ein Event dieser Größenordnung. Möglich wird dies durch die enge Zusammenarbeit zwischen dem ausrichtenden Verein ASC Göttingen von 1846 e.V., dem Deutschen Turner-Bund, dem internationalen Verband IRV, lokalen Partnern sowie zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.

Karina und Lea werden hierbei nicht nur um Medaillen kämpfen. Sie stehen stellvertretend für eine Entwicklung, die das Rhönradturnen und Cyr Wheel international prägt: mehr Sichtbarkeit, mehr Vernetzung und eine neue Generation von Athlet*innen, die Menschen weit über die eigene Sportart hinaus begeistern.

Sieben Weltmeistertitel und noch lange nicht am Ziel

Karina Peisker gehört seit Jahren zur internationalen Spitze des Rhönradturnens. Sieben Weltmeistertitel stehen inzwischen auf ihrer Erfolgsbilanz. Zuletzt gewann sie 2025 Gold mit dem deutschen Team, nachdem sie bereits 2022 mit zwei Einzel-Weltmeistertiteln im Mehrkampf und in der Musikkür ihre Klasse unter Beweis gestellt hatte. Schon 2018 hatte sie bei den Jugend-Weltmeisterschaften dreimal Gold gewonnen.

Trotz dieser beeindruckenden Bilanz reist sie mit einer klaren Zielsetzung nach Göttingen: Eine Medaille wäre schön, sagt sie. Natürlich wäre Gold etwas ganz Besonderes. Aber im Rhönradturnen entscheidet ein einziger Tag über alles. Erst einmal muss die Qualifikation für die Finals gelingen.

Neben ihrem Studium hat sie sich über Jahre an der Weltspitze etabliert und zeigt heute auf Social Media nicht nur ihre Erfolge, sondern auch den oft steinigen Weg dorthin. Manchmal spreche ich Ziele bewusst öffentlich aus, erzählt sie. Dann entsteht ein gewisser Druck. Aber genau dieser Druck kann helfen, dranzubleiben und nicht aufzugeben.
 

Lea Toran Jenner startet für ihre zweite Nationalität: Spanien.

Zwei Wege, eine gemeinsame Leidenschaft

Karina kommt aus dem Wettkampfsport und macht inzwischen auch Zirkusshows. Ich arbeite als Artistin und nehme jetzt wieder an Wettkämpfen teil, beschreibt Lea Toran Jenner die besondere Verbindung der beiden. 

Dadurch können wir unglaublich viel voneinander lernen.

Für Lea bedeutet die Rückkehr in den Wettkampfsport auch eine Rückkehr zu ihren Wurzeln. Ich komme aus dem Turnen und habe bis ich 19 Jahre alt war Leistungssport gemacht. Ich war in der Nationalmannschaft im Aerobicturnen. Das ist quasi wie ein Nachhausekommen. Auch die Nervosität davor: alles muss in dem Moment perfekt klappen, genauso wie es der Code vorgibt und nicht für die Zuschauenden. Das ist eine ganz andere Art der Aufregung und natürlich ein viel größerer Druck.

Die amtierende Cyr-Weltmeisterin ist eine der erfolgreichsten Artistinnen der Welt, ihr Duo-Act wurde mehrfach ausgezeichnet, sie steht seit über 10 Jahren auf den größten Bühnen der Welt, unter anderem im Moulin Rouge Paris, dem Sydney Opera House und arbeitet gemeinsam mit dem Cirque du Soleil. Viele große Medien haben bereits über die Ulmerin berichtet, als Person des öffentlichen Lebens steht sie auch als Speakerin auf Bühnen, hostet ihren eigenen Podcast „ZirkusHotline“, produziert 2026 ihre erste eigene Show in Berlin und begeistert mit ihren Videos seit Jahren die Menschen in den sozialen Medien. Für die Weltmeisterschaften in Göttingen startet sie für ihre zweite Nationalität: Spanien. Bewusst, um deutschen Athletinnen und Athleten keinen der beschränkten Startplätze wegzunehmen. Dennoch fühlt sich das Event für sie wie eine Heim-WM an.

Beim jüngsten Bundeskader-Lehrgang teilten sich Karina und Lea nicht nur eine Unterkunft, sondern produzierten auch gemeinsam Inhalte für ihre Community. Aus Trainingspartnerinnen wurden Freundinnen. Wir sind uns in vielen Dingen sehr ähnlich, sagt Lea. Wir haben beide große Ziele, sind ehrgeizig und haben gleichzeitig einfach Freude an dem, was wir tun.

Die neue Sichtbarkeit einer Randsportart

Was Karina und Lea verbindet, geht aber noch weit über den Sport hinaus: Sie gehören zu einer Generation von Athletinnen, die ihre gesamte Reise dokumentieren. Trainingsfortschritte, Fehler, Rückschläge, Nervosität vor Wettkämpfen. Vieles, was früher hinter verschlossenen Hallentüren stattfand, wird heute öffentlich geteilt.

Lea zeigt dabei den gesamten Prozess sehr transparent: Sie dokumentiert Stürze, das Erlernen neuer Elemente und setzt sich große Trainingsziele. Etwa 1,5 Monate vor einem Wettkampf arbeitet sie daran, ihre Küren bis zu 50-mal durchzuturnen. Dafür führt sie ein Notizbuch mit roten und grünen Kästchen, um ihren Fortschritt sichtbar zu machen. Zudem zeigt sie regelmäßig Höchstschwierigkeiten, die sie als eine der wenigen Athletinnen weltweit beherrscht. Viele fragen mich, warum ich alles öffentlich zeige, sagt sie. Aber Sport lebt von Emotionen und von echten Geschichten. Ich möchte zeigen, wie hart es wirklich ist seine Ziele zu erreichen. Wenn Menschen den gesamten Weg verfolgen können und die Arbeit dahinter verstehen, fiebern sie viel stärker mit.

Karina sieht das ähnlich. Die Videos dienen nicht nur der Kommunikation mit ihrer Community, sondern auch als wertvolles Trainingswerkzeug. Wer sich selbst regelmäßig analysiert, erkennt schneller, wo noch Potenzial liegt.

Vor allem aber schaffen beide etwas, das für Randsportarten von unschätzbarem Wert ist: Sie geben dem Sport ein Gesicht. Millionenfach geklickte Videos sorgen dafür, dass Menschen erstmals mit Rhönradturnen oder mit dem Cyr in Berührung kommen. 

Wirkung weit über den Wettkampf hinaus

Die Hoffnungen, die mit den Weltmeisterschaften verbunden sind, reichen deshalb weit über vier Wettkampftage hinaus. Die Veranstaltung soll neue Menschen für das Rhönradturnen begeistern, junge Sportlerinnen und Sportler motivieren und Vereinen wichtige Impulse für ihre Nachwuchsarbeit geben. Gleichzeitig stärkt sie die internationale Wahrnehmung der Sportart und festigt Deutschlands Rolle als bedeutende Nation im Rhönradturnen.

Athletinnen wie Karina und Lea zeigen dabei, wie diese Zukunft aussehen kann: leistungsorientiert und gleichzeitig nahbar, international und dennoch familiär, ambitioniert und zugleich offen für neue Wege.

Wenn Anfang Juli dann die Welt zu Gast in Göttingen ist, werden Weltmeistertitel vergeben und Medaillen gewonnen. Doch die vielleicht wichtigste Wirkung entsteht jenseits der Wettkampffläche: in den Geschichten, die Menschen für eine Sportart begeistern. Karina und Lea schreiben genau solche Geschichten und machen damit Lust auf die Weltmeisterschaften 2026.

Aus Trainingspartnerinnen wurden Freundinnen: Lea Toran Jenner und Karina Peisker.

Jetzt Tickets sichern

Wer die internationale Elite des Rhönradturnes und Cyr Wheels live erleben möchte, kann sich noch Tickets für die Weltmeisterschaften in Göttingen sichern. Die Wettkämpfe versprechen spektakuläre Leistungen, emotionale Momente und die einzigartige Atmosphäre eines internationalen Großevents mitten in Deutschland.

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AUSGABE        Events 03-2026 | Mehr Sport | Die Gesichter der Rhönrad-WM Göttingen 2026
AUTOR             Sina Beranek