Die Königsklasse für Ausrichter
Die Deutschen Mehrkampfmeisterschaften gehören organisatorisch zu den komplexesten Wettbewerben im gesamten Deutschen Turner-Bund. Während andere Meisterschaften meist in einer Halle oder auf einer Anlage stattfinden, müssen für die Mehrkämpfe mehrere Sportstätten parallel genutzt werden. Gerätturnen, Leichtathletik und Schwimmen werden an einem Wochenende miteinander verbunden. Entsprechend umfangreich sind die Planungen. Für einen Ausrichter ist das ein Projekt der Königsklasse.
Wir brauchen ein Stadion, mehrere Turnhallen und ein Hallenbad. Dazu kommen Kampfrichter, Helfer und eine sehr genaue Zeitplanung
, erklärt Krauß. Allein auf Seiten des Ausrichters werden weit über 100 Helferinnen und Helfer benötigt. Hinzu kommen zahlreiche Kampfrichterinnen und Kampfrichter in den verschiedenen Disziplinen. Im Gerätturnen sind häufig mehr als zwei Dutzend Kampfrichter*innen im Einsatz, dazu kommen weitere Fachleute für Schwimmen, Kunstspringen und Leichtathletik. Die einzelnen Wettbewerbe müssen zeitlich so aufeinander abgestimmt werden, dass die Athletinnen und Athleten ihre Disziplinen ohne Überschneidungen absolvieren können.
Die Herausforderung wächst zusätzlich durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Viele Kosten, die früher überschaubar waren, haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Hallenmieten, Sicherheitskonzepte, Sanitätsdienste und Transportleistungen belasten die Budgets der Vereine zunehmend. Gleichzeitig sind Einnahmemöglichkeiten weggefallen. Früher konnten Ausrichter häufig Schulen als Gemeinschaftsunterkünfte nutzen und dadurch zusätzliche Erlöse erzielen. Heute stehen viele Schulgebäude aus organisatorischen oder versicherungstechnischen Gründen nicht mehr zur Verfügung.
Auch die Teilnehmendenzahlen spiegeln die Entwicklung wider. Während vor zehn Jahren noch zwischen 1.200 und 1.500 Sportlerinnen und Sportler an den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften teilnahmen, liegt die Zahl inzwischen eher bei rund 800. Hinzu kommt, dass Veranstaltungsorte außerhalb der großen Ballungsräume für viele Athletinnen und Athleten mit langen Anfahrtswegen verbunden sind. Heide liegt für zahlreiche Teilnehmende mehrere Hundert Kilometer entfernt. Wer eine Reise quer durch Deutschland organisieren muss, überlegt sich eine Teilnahme heute oft genauer als noch vor einigen Jahren.