Moderator Udo Döring | Foto: DTB/ Turnfestfotos.de
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Turnfest aus der Sicht des Trampolin-Moderators

Babbeln und Schreiben in Messehalle 2

Das Turnfest aus der Sicht des Trampolin-Moderators, der zwischen Ansagen und Interview mit der Bundestrainerin auch mal schnell zu anderen Sportarten wechseln muss.

"Cooler Hallensprecher",

sagt der kleine Knirps mit grellgrünem Hut und ebenso leuchtenden Augen. Hört sich gut an, vor allem wenn man selbst gemeint ist. Und wenn man in doch recht reifem Alter auch Kinder begeistern kann, die ja bekanntlich immer die Wahrheit sagen. Man weiß ja in meiner Aufgabe nie so recht, ob es den Leuten recht ist, was sie da so den ganzen Tag auf die Ohren bekommen … vom Moderator in der Trampolin-Halle. Was wie für jeden Teilnehmer bei einem Deutschen Turnfest nochmal was ganz Besonderes ist. 

Messehalle 2 hinten links

Volle Tribünen, allseits gute Laune und irgendwie besonders motivierte Sportler - da lässt es sich gleich etwas leichter babbeln, wie der Moderatoren-Volksmund so sagt. Einsatzort: Messehalle 2 hinten links. War nicht leicht zu finden angesichts der etwas sparsamen Ausschilderung und nur wenige vermuteten wohl, dass hinter den vielen Anlaufbahnen und Trampolingeräten für die Wahl-Wettkämpfe noch eine echte Trampolin-Arena aufgebaut war. Mit Tribünen, die schon beim Turnfest-Pokalwettkampf prallvoll waren. Erleben die Athleten dieser Leistungsklassen wahrlich nur beim Turnfest, und das letzte war schon acht Jahre her.

Wobei Berlin 2017 als kleines Moderations-Trauma hängen blieb. Knallvolle Halle mit 1.500 Besuchern und vor allem der gesamten DTB-Führungsriege mit Präsident Dr. Alfons Hölzl und dem damaligen Sportdirektor Wolfgang Willam. Und dann ein Finale mit einer abgebrochenen Übung nach der anderen. Da gehen dem Moderator schon mal die Argumente aus für seinen Auftrag, das Publikum nicht nur zu informieren, sondern auch zu unterhalten und im besten Fall in Stimmung zu bringen.

Qualifikationsnorm erfüllt – die Bundestrainerin freut‘s

Was beim Rhein-Neckar-Turnfest 2013 nicht viel anders war – scheint irgendwie ein Turnfest-Syndrom zu sein. Das sich zum Glück in Leipzig nicht fortsetzte. Zumindest war Bundestrainerin Katarina Prokesova zufrieden mit dem, was sie in Messehalle 2 geboten bekam. Eine immer wieder angenehme Gesprächspartnerin, die sich während der Wettkämpfe auch gerne mal neben den Moderator setzt, ihn auch gerne mal etwas ablenkt, aber auch immer wichtige Infos gibt. Auch dem Publikum, dem sie im gemeinsamen Interview vor der Tribüne vom eigenen Olympia-Auftritt als Turnerin, vom Paris-Erlebnis mit Fabian Vogel in Paris als Trainerin und von den Zielen bei der Junioren-WM im Oktober in Pamplona erzählt.

Einige Turnerinnen und Turner erfüllten in Leipzig die Qualifikationsnormen – zur Freude der Bundestrainerin und auch des Moderators. Der nach (manchmal auch zwischen) den Wettkämpfen schnell den Job wechseln muss. Vom Babbeln allein lässt sich halt nicht leben, da braucht es schon noch den (seit 36 Jahren) Hauptjob als Sportredakteur einer Regionalzeitung. Der sich (bei aller Neutralität am Mikro wie am Laptop) besonders freut, wenn eine Athletin aus seinem südhessischen Verbreitungsgebiet Deutsche Meisterin wird – wie Eunike Postiglione von den Frankfurt FLYERS.

Brillante Technik in Halle 1 bei der EM Gerätturnen | Foto: DTB/ Turnfestfotos.de

Ein Moderator ...

... der aber auch noch ein bisschen mehr als Trampolin vom Turnfest mitbringen will für die Leserinnen und Leser der Zeitung und der Homepage in der Heimat. Rope Skipping, Rhönradturnen, Gymnastik und Tanz, leichtathletische Mehrkämpfe … da wird die Zeit schon mal knapp bei der Suche nach Infos und Gesprächen mit heimischen Athlet*innen. Beim Streifzug durch die Hallen wird natürlich auch mal den Kollegen an den Mikros am Rande anderer Sportflächen gelauscht. Mal begeistert, mal mit dem stillen Wunsch, da könnte ein bisschen mehr Infotainment über die Boxen kommen. Auch mal mit etwas Neid, wie der Kollege in Halle 1 mit brillanter Technik, wuchtigem Sound und euphorisierten 5.000 Zuschauern die Europameisterschaft der Gerätturnerinen und Gerätturner moderieren kann.

Auch ein Weltmeister am Start

Zurück in Halle 2. Dort sorgen nach Turnfest-Pokal bis Altersklasse 30 und Deutscher Meisterschaft der Jugend die Trampolin-Oldies für das sportliche Finale. Mit einem wahrhaftigen Weltmeister auf dem Gerät. Markus Kubicka hatte das deutsche Team bei der Heim-WM 2003 zu Gold geführt. In Leipzig schaltete er nach zwei Tagen Einsatz als Landestrainer beim Schwäbischen Turnerbund nun selbst mal wieder in den Wettkampfmodus – und holte wieder Gold.

"Der zweifelsohne größte Erfolg seiner Karriere", sortiert der Moderator den Sieg in der Altersklasse 40+ ein und kalauert gleich weiter, dass "Markus einfach nichts von seiner damaligen Klasse eingebüßt hat".

Das nenn ich mal Chefs

Es darf (nicht nur bei den Oldies) auch mal locker am Mikro zugehen. Denn Trampolin-Tage sind lang … und doch schon wieder vorbei. Eben noch mit den netten Technikern und Volunteers den ersten Ablauf abgesprochen – und schon sind alle Geräte abgebaut. Wobei übrigens die Eurotramp-Geschäftsführer höchstpersönlich selbst mit anpacken beim Demontieren der Trampoline und beim Schleppen der dicken Matten. Das nenn ich mal Chefs. Das Turnfest 2025 ist jedenfalls schon wieder Geschichte und damit ein weiterer Teil der persönlichen Moderatoren-Vita, die 2011 mit einer Deutschen Meisterschaft beim Heimatverein TV Büttelborn begann. Und hoffentlich noch mindestens bis zum nächsten Internationalen Deutschen Turnfest dauert. Auf Wiedersehen, oder besser: Auf Wiederhören in München 2029.

AUSGABE           Turnfest 03-2025 | Mehr Sport | Babbeln und Schreiben in Messehalle 2
AUTOR                Udo Döring