Elke Helbig-Keicher | Foto: Privat
Fit & Gesund

Elke Helbig-Keichers Leben für den Sport

Vom Leichten zum Schweren

Mit 18 Jahren machte Elke Helbig-Keicher ihren A-Trainerschein. Ich wusste damals noch gar nicht genau, was das ist. Und sie wusste vor allem noch nicht, dass es der Anfang einer langen Reise durch die Sportwelt voller Stationen der Aus- und Weiterbildung sein sollte. Denn aus der Not, für das geliebte und bis zum Hessenmeistertitel beherrschte Gerätturnen als zu alt erklärt worden zu sein, machte sie eine Tugend:

Mir ging es immer darum, dass es mir gut geht und mich so weiterzuentwickeln, dass ich mein Wissen auch weitergeben kann.

Mit dem von Jane Fonda ausgelösten Aerobic-Boom ging es weiter. Gut ein halbes Jahrhundert später kann Elke Helbig-Keicher eine höchst beeindruckende Aufzählung anfügen: 

Step Aerobic, Flexi Bar®, Pilates, Fitness-Trainer Europe, TRX®, Jumping® Fitness, Drums Alive®, Aroha®. 

Und das ist nur die Liste der Trainer- und Instructorscheine aus dem Angebot des Deutschen Turner-Bundes und dessen DTB-Akademie. 

Die heute 71-Jährige hat sich darüber hinaus nicht nur eine sportwissenschaftliche Basis erarbeitet mit einem Fernstudium an der Sporthochschule Köln, sondern auch fundierte ganzkörperliche Kenntnisse mit einer Ausbildung beim Hessischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband (HBRS) in den Bereichen Innere Medizin, Lungensport, Diabetes Mellitus, Neurologie, Entspannung, Kinesiologie und Orthopädie.

Was haben persönlicher Werdegang und der Aufbau der Kurse gemeinsam?

Vom Leichten zum Schweren. So pointiert die im hessischen Aßlar geborene und heute in Schöneck nahe Frankfurt lebende Allround-Trainerin die Philosophie ihres persönlichen Werdegangs, die aber auch für den Aufbau ihrer Kurse gilt. In Spitzenzeiten mit 22 Übungsstunden pro Woche. Wohlgemerkt in der vermeintlichen Freizeit, denn als kaufmännisch-technische Angestellte einer US-Firma war Elke Helbig-Keicher voll berufstätig. Es hat mich immer gereizt, beides zu machen, sagt sie und ergänzt: Mein Arbeitgeber hat mich zum Glück gut bezahlt, wodurch ich meine Fortbildungen finanzieren konnte.

Denn die stete Weiterentwicklung hat ihren Preis. Vor allem die HBRS-Ausbildung, die sie aus eigener Tasche bezahlt hat, um in der praktischen Anwendung unabhängig zu bleiben. Die TG Bornheim profitiert am meisten von ihrem Wissen und ihren Qualitäten, die wiederum dem fast 40.000 Mitglieder zählenden Verein großen Mehrwert bringen. Jumping war zum Beispiel der Renner und da standen innerhalb kürzester Zeit 50 Trampoline bereit. Genauso war es bei Drums Alive mit 50 großen Bällen, schwärmt die rastlose Seniorin: Ich hatte immer die volle Unterstützung und fand immer ein offenes Ohr für die Dinge, in denen ich mich habe ausbilden lassen. 

Wohlwissend, dass erstens nicht jeder Verein diese finanziellen und räumlichen Möglichkeiten hat und zweitens verkrustetes und vereinsmeierndes Denken Wissenstransfer und Weiterentwicklung oft lähmen oder gar ausbremsen. Wie sie selbst erst kürzlich in einem anderen Verein wieder erfahren musste.

Dehnen ist ein Stück Leben

Aber ich will mir den Spaß an der Arbeit nicht vermiesen lassen, sagt Elke Helbig-Keicher mit der Freiheit, selbst entscheiden zu können, wo sie ihre Kurse gibt. Zu denen aktuell auch Aqua Gymnastik beim Kneipp-Verein Bad Nauheim, Orthopädiegruppen im Reha-Sport e.V. Maintal, Fit in den Tag mit Elke beim AC Eiche 01 Hanau und Seniorensportkurse Mach mit – bleib fit im Sport-Club Budokan Maintal gehören.

Dehnen ist ein Stück Leben, sagt sie zu den Übungen, die mit und ohne Ball, gerne auch mal im Sitzen alle Muskeln und Körperteile ansteuern. Aus der Vielfalt ihrer Ausbildungen kann sie dabei themenübergreifende und abwechslungsreiche Bewegungsprogramme zusammenstellen.

Immer daran denken: Jeder von euch ist der Chef seines Körpers, sagt sie den Seniorinnen und Senioren, zu denen sie rein altersmäßig ja selbst gehört. 

Mit ihren Kompetenzen ist entsprechend auch das Bewusstsein gereift, wann ein Kurs vielleicht nicht mehr zu ihr passt. Jumping habe ich irgendwann mal weggesteckt. Dazu gehört immer ein hohes Ausdauer- und Pulsvolumen. Ich möchte mich aber durch meine Kurse nicht krank machen.

Und sie möchte stets Vorbild bleiben und entschied deshalb auch irgendwann:

 Es will ja keiner Aerobic mit einer Oldschool-Oma machen.

Nicht auf der Couch abhängen

Elke Helbig-Keicher hat aber auch weiterhin das Selbstbewusstsein und das motivierende Gefühl, dass ihre Arbeit vielen Menschen gut tut. Sei es zur Stärkung der Fitness oder auch zur Gesundung etwa bei Herzproblemen oder Krebserkrankungen. 

Ich möchte weiterhin ein sportliches Vorbild sein und werde mit Sicherheit nicht auf der Couch abhängen. Der Drang und die Neugier, auf dem neuesten sportwissenschaftlichen Stand zu bleiben, ist ungebrochen. Die Liste der Trainerscheine will sie aber nicht verlängern. Ich bin an einem Punkt angekommen, dass ich all jenes, was ich als Ausbildung habe, nun stärker im Feinschliff nutzen will, sagt die 71-Jährige, um aber gleich die Idee für einen neuen Kurs nachzuschieben: Stuhlyoga. Die Reise durch die Sportwelt, die einst mit einem etwas befremdlichen Trainerschein begann, scheint also noch lange nicht am Ziel zu sein.

Ich möchte weiterhin ein sportliches Vorbild sein und werde mit Sicherheit nicht auf der Couch abhängen. 

Instructor-Ausbildungen

Die DTB-Akademie bietet zahlreiche Weiterbildungen zu etablierten Kurskonzepten wie AROHA®, Drums Alive®, KAHA® und WORLD JUMPING® an. Innerhalb von zwei Tagen werden die wesentlichen Inhalte und Bewegungsprinzipien des jeweiligen Formats vermittelt.

Durch den hohen Praxisanteil erhalten Teilnehmenden im Lehrgang die Möglichkeit, das Konzept selbst zu erproben und für die spätere Tätigkeit als Kursleitung anzuwenden.

 

Zur Ausbildung

 

AUSGABE        Akademie 04-2026 | Fit & Gesund | Vom Leichten zum Schweren
AUTOR            Udo Döring