Handball | Foto: Europäische Union 2021
Fit & Gesund

Wie Alexander Kuttig mit Teamfit Europa bewegen will

Teamgeist auf dem Display

Drei rote Balken füllen sich auf dem Bildschirm, einer fehlt noch. Im Büro eines Münchner Unternehmens tickt das Wochenziel: 2.000 Aktivitätsminuten, verteilt auf ein Dutzend Mitarbeitende. Kein Drill, sondern ein kollektives Spiel, bei dem jede kleine Bewegung zählt – vom Radeln zur Arbeit bis zum Yoga nach Feierabend. Genau darum geht es bei Teamfit, der App von Alexander Kuttig.

Bewegung wird nicht zur Einzelqual, sondern zur Teamaufgabe. Und plötzlich spürt man, wie Sport nicht nur auf Muskeln, sondern auch auf Stimmung und Zusammenhalt wirkt.

 

Ein Handballer baut Software

Dass hinter der Idee kein Fitness-Guru, sondern ein Informatiker steckt, überrascht nur auf den ersten Blick. Kuttig, heute 37, war von klein auf Handballer, später Trainer, Schiedsrichter, Abteilungsleiter. Er erzählt: 

Ich war eigentlich jedes Wochenende zwei Tage in der Halle.

Vereinsleben war Lebensmittelpunkt. Gleichzeitig studierte er Informatik, gründete früh eine Firma für Softwareentwicklung, heute mit rund 30 Mitarbeitenden. Die beiden Welten – Sport und Code – liefen lange nebeneinander, bis sie sich kreuzten.

Das Problem war simpel: zu wenig Hallenzeiten, zu viel Ehrgeiz.

Die Lösung war es nicht. Also suchte Kuttig mit seinem Verein nach Wegen, Ausdauer und Kraft außerhalb der Halle zu trainieren.

 DIE IDEE:

Ein Programm, die den Teams Ziele setzt und deren Erreichung dokumentiert. "Wenn die Jungs ihre Kilometer gelaufen sind, konnten wir im Training mehr Handball spielen und weniger Runden rennen." Aus einem Vereins-Tool wurde eine richtige App – und später ein ganzes Geschäftsmodell.

Wachstum durch Zufall

2021 kam die Pandemie – und mit ihr die Explosion. Was als interne Lösung gedacht war, wurde in den Lockdowns zur Notbrücke für Vereine. Kuttig stellte seine App frei online, und die Nutzerzahlen sprangen von einigen Dutzend auf über 150.000, in der Spitze über 300.000. BMW zählte zu den ersten Firmenkunden, Bayern 3 nutzte Teamfit für eine landesweite Mitmachaktion, Landessportbünde stiegen ein. Kuttig sagt:

"So ein organisches Wachstum hatte ich in zehn Jahren App-Entwicklung noch nie gesehen"

Zusammen mit zwei Freunden gründete er schließlich die Teamfit GmbH – und machte aus einer Notlösung ein Unternehmen.

Fairness als Prinzip

Das Besondere an Teamfit ist weniger die Technik als die Philosophie. "Es ist einfacher, ins Training zu gehen, wenn meine Freunde dort warten." Dieses Gefühl digitalisiert die App. Teams sammeln Punkte, vergleichen sich, feiern gemeinsame Erfolge. Betrug wäre theoretisch möglich, praktisch, aber selten. "Wir stellen Fairness ins Zentrum, und in 99 Prozent der Fälle funktioniert das hervorragend." 

Die App baut auf Werte, die Kuttig aus dem Sport kennt:

  • Verbindlichkeit,
  • Zusammenhalt,
  • Spaß am Wettbewerb.

Aus der Halle nach Europa

Genau deshalb passt Teamfit auch zur Europäischen Woche des Sports, bekannt als #BeActive.

Jedes Jahr im September ruft die EU dazu auf, Millionen Menschen zu bewegen. Die Verbindung zur Europäischen Woche des Sports liegt auf der Hand: #BeActive will Bewegung niedrigschwellig zugänglich, Gemeinschaft erlebbar und bestehendes Engagement sichtbar machen – genau wie Teamfit.

Beide Initiativen zeigen, dass Sport alle erreichen kann, unabhängig von Alter, Fitnesslevel oder Vereinszugehörigkeit. Für Kuttig ist das daher mehr als eine PR-Aktion. "Ich wollte immer eine landesweite Bewegungs-Challenge. #BeActive hebt das auf europäisches Niveau." Noch organisieren Länder ihre Programme weitgehend unabhängig. Doch Kuttig denkt weiter: "Stell dir eine europaweite digitale Challenge vor, verbunden mit Events vor Ort. Dann vergleichen sich Länder live – und plötzlich entsteht Völkerverbindung über den Sport, nicht über Sonntagsreden." Für Teamfit, das bald nach Frankreich, Spanien, Italien und Osteuropa expandieren will, wäre das der logische nächste Schritt.

Vereine: einfach starten

So sehr die App inzwischen im Unternehmensmarkt zuhause ist, Kuttig vergisst seine Wurzeln nicht. Vereine können bei Teamfit mit wenig Aufwand einsteigen.

"Am Anfang reicht es, ein Wochenziel zu setzen und die Mitglieder einzuladen."

Trainerinnen und Trainer legen in der App ein Team an, bestimmen Verantwortliche, starten mit zwei oder drei einfachen Aktivitätsarten – Laufen, Radfahren, Bodyweight-Übungen.

Feste Rituale helfen: montags Ziel verkünden, freitags Zwischenstand, sonntags Abschluss.
Wer das Ziel erreicht, feiert das sichtbar – in der Halle, im Vereinsheft oder auf Social Media.

Für #BeActive lohnt es sich doppelt: Vereine können eine eigene Challenge starten, die Mitglieder einbindet und zugleich öffentlich sichtbar macht, dass Sport nicht nur Wettkampf, sondern auch Gemeinschaft bedeutet. Partner wie Kommunen, Schulen oder Sponsoren lassen sich leicht einbinden. "Das ist genau die Art von Multiplikator, die wir brauchen", sagt Kuttig.

Prävention statt Reparatur

Kuttig ist überzeugt: "Wir können gesamtgesellschaftlich etwas bewegen."


In Auswertungen überschreiten Teilnehmende die WHO-Empfehlung von 150 Minuten Sport pro Woche regelmäßig. Erste Krankenkassen finanzieren Teamfit-Challenges für Firmen. Noch zögerlich, doch mit großem Potenzial. Denn Prävention spart Kosten, bevor Krankheiten entstehen. "Wenn wir mehr in Bewegung investieren würden, hätten wir viele Probleme im Gesundheitswesen gar nicht", sagt Kuttig.

Ein digitales Band

Am Ende ist Teamfit nicht nur eine App, sondern ein Prinzip: Gemeinschaft vor Einzelleistung.

Aus einem Hallenproblem wurde ein digitales Produkt, aus einem Handballtrainer ein Unternehmer mit europäischer Vision – und die passt perfekt zur europäischen Initiative #BeActive.Wenn im September ganz Europa wieder unter dem Motto #BeActive Schritte, Minuten und Kilometer sammelt, liefert Teamfit für Deutschland den digitalen Rahmen.

Wer jetzt also motiviert ist, Teamfit auszuprobieren und dabei selbst in Bewegung zu kommen, hat bei der #BeActive Team Challenge vom 23. bis 30. September die perfekte Möglichkeit dazu. Einfach Teamfit-App herunterladen, ein Team erstellen oder beitreten und erleben, wie aus Bewegung Teamgeist wird.
Kuttig selbst formuliert es knapp:

Digital verbinden, physisch bewegen, mental stärken.

Klingt schlicht. Könnte aber der Bauplan sein für ein Europa, das sich nicht nur in Konferenzen trifft, sondern auch auf Laufstrecken, Vereinsplätzen und Displays.

Teamfit für Vereine – so geht’s

  1. Team anlegen
    → In der App ein Vereins-Team erstellen. Trainer*innen oder Vorstände übernehmen die Admin-Rolle und laden Mitglieder per Link oder QR-Code ein.
     
  2. Ziel definieren
    → Ein Wochenziel wählen, etwa "1.500 Aktivitätsminuten" oder "200 Kilometer laufen". Niedrigschwellig starten, damit alle mitziehen.
     
  3. Aktivitäten auswählen
    → Zwei bis drei Bewegungsarten genügen: Laufen/Gehen, Radfahren, Bodyweight-Übungen. Später lässt sich das Spektrum erweitern.
     
  4. Ritual schaffen
    → Montags Ziel verkünden, freitags Zwischenstand posten, sonntags Abschluss feiern – digital und im Training. Kleine Belohnungen oder interne Wetten erhöhen den Reiz.
     
  5. Fairness betonen
    → Klarstellen: Es geht nicht um Mogeln, sondern um Ehrlichkeit und Teamspirit. Das stärkt Vertrauen und Motivation.
     
  6. Sichtbarkeit nutzen
    → Erfolge teilen – auf Social Media, in Vereinsnewslettern oder beim Training. Besonders wirksam: eine Challenge während der Europäischen Woche des Sports #BeActive aufsetzen und Partner wie Schulen oder Sponsoren einbinden.

  Und jetzt?

QR-Code scannen ... direkt der #BeActive Team Challenge beitreten und Freunde, Familie, Kolleginnen & Kollegen ins Team einladen!

AUSGABE        #BeActive 04-2025 | Fit & Gesund | Teamgeist auf dem Display
AUTOR             Nils B. Bohl