Tanja Sacher mit Trainingsgruppe | Foto: Norbert Raufer
Fit & Gesund

Wie Pilates für Tanja Sacher Beruf wurde

Nicht geplant, genau richtig

Eigentlich hätte Tanja Sachers Berufsweg geradlinig verlaufen können: Bauingenieurwesen, Arbeit am Institut, Promotionspläne, Ingenieurbüro. Dann landete sie eher zufällig in einer Trainerfortbildung. Du hast doch gerade nichts zu tun, hast du nicht Lust, dahinzugehen?, hatte jemand zu ihr gesagt. Sacher ging hin - und unterrichtete dort zum ersten Mal selbst.

Okay, das ist es. Das kann ich und das will ich, erinnert sie sich. Sie mochte die Atmosphäre an der Sportschule, das gemeinsame Lernen, die vielen Trainerinnen und Trainer mit einem ähnlichen Ziel. Eine Referentin beeindruckte sie so sehr, dass Sacher ihr später eine Dankeschön-Torte backte. Als sie nach Hause kam und begeistert von der Fortbildung erzählte, wusste auch ihre Familie: Das war mehr als nur ein neuer Kurs.

Es folgten Ausbildungen, zunächst im GroupFitness-Bereich, innerhalb der DTB-Akademie. Aus Freizeit wurde ein zweites berufliches Standbein. Dass ausgerechnet eine Bauingenieurin dort hängenblieb, findet Sacher nicht widersprüchlich. Ich will nicht nur wissen, was wir machen, sondern auch, warum wir es machen. Sie denke analytisch und strukturiert. 

Am Ende müsse ein System vor allem eines: funktionieren.

 

Nicht immer nur Vollgas

Zu Pilates fand die gebürtige Karlsruherin erst später. Sacher hatte viele schnelle, laute Formate unterrichtet und merkte irgendwann, dass sie auch etwas Ruhigeres brauchte. Ich bin da mit offener Neugier in die Ausbildung gegangen, sagt sie.

Richtig Feuer fing sie während ihrer Jahre in den USA. Dort absolvierte sie eine weitere sehr umfangreiche Pilates-Ausbildung, auch an den Pilates-Großgeräten. Ich habe da praktisch gelebt, sagt sie über das Studio, in dem sie übte und unterrichtete. Dort erlebte sie Pilates nicht nur als Trainingsmethode und festen Bestandteil ihres eigenen Lebens, sondern als etwas, das Menschen spürbar helfen kann.

In dieser Phase fragte Ulla Häfelinger, eine der prägenden Ausbilderinnen des Pilates im deutschen Turn- und Gesundheitssport, ob sie die Pilates-Ausbildung in Baden übernehmen wolle. Sacher hatte offenbar einen bleibenden Eindruck bei ihr hinterlassen. Sacher dachte nicht lang nach. So wurde aus der ehemaligen Teilnehmerin eine Lehrende.

Bei Häfelinger hospitierte sie zunächst. Sie übernahm das fundierte Grundgerüst der Ausbildung, fand jedoch schnell zu ihrer ganz eigenen Art zu unterrichten. Ulla hat mich enorm geprägt, aber ich habe als Lehrende ganz bewusst meinen eigenen Stil gefunden, sagt Sacher.

Mehr als ein Zertifikat

Mit den Jahren wechselte Sacher immer wieder die Perspektive: Teilnehmerin, Trainerin, Referentin, Ausbilderin. Heute arbeitet sie hauptamtlich im Bildungsteam des Badischen Turner-Bundes. Als ihr die Ausschreibung für die offene Stelle zugeschickt wurde, war ihr Gefühl sofort eindeutig:

 Das ist meine Stelle, 

sagt sie und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Mit genau dieser Einstellung bin ich damals auch in das Bewerbungsgespräch gegangen.

Dass sie den organisierten Sport bereits in vielen seiner Facetten kannte, wurde dabei schnell mehr als ein Nebeneffekt. Sacher wusste, wie Vereine und Verband funktionieren, kannte Menschen, hatte selbst Ausbildungen durchlaufen und später andere unterrichtet. Ein großer Vorteil.

Das Zertifikat (beziehungsweise die Lizenz) ist natürlich die Basis, aber es geht im organisierten Sport um weit mehr, als nur einen Schein in der Hand zu haben, weiß sie heute. 

Entscheidend sei vielmehr, was darüber hinaus durch ihr Engagement entstanden sei: 

  • Kontakte, 
  • neue Perspektiven und 
  • die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und 
  • Dinge weiterzuentwickeln.

Genau dieses ganzheitliche Verständnis bringt sie heute in ihr Hauptamt ein. Sacher organisiert Lehrgänge nicht nur, sondern gestaltet die Zukunft der Trainerbildung aktiv mit.

Ein anderer Maßstab

Ihr Abschied vom Ingenieurwesen war daher auch kein abrupter Schnitt. Nach der Universität hatte Sacher gleichzeitig am Institut gearbeitet, Lehre übernommen, an eine Promotion gedacht und zusätzlich für ein Ingenieurbüro gearbeitet. Irgendwann wurde das alles zu viel. Im Sport dagegen erlebte sie einen Gegenpol. Während der ursprüngliche Beruf irgendwann schwerer und schwerer auf ihren Schultern zu lasten begann, ging sie zum Sport befreit und immer fröhlich pfeifend.

Natürlich hätte sie als Ingenieurin mehr verdienen können. Davon ist sie überzeugt. Was bringt einem mehr Geld, wenn man unglücklich ist und gar keine Zeit hat, etwas damit anzufangen?, gibt Sacher zu bedenken. GroupFitness und Pilates dagegen gehören bis heute zu ihr.

Sie unterrichtet weiterhin, bildet sich weiter und besucht selbst Stunden. Ganz so unbefangen wie früher sitze sie allerdings dort längst nicht mehr. Sie beobachtet, nimmt Ideen mit, prüft, was sie selbst noch besser machen könnte. Das kriegt man irgendwann nicht mehr ganz raus, räumt sie ein.

Vom ersten Kurs bis ins Bildungsteam verlief ihr Weg keineswegs geradlinig. Vieles ergab sich, weil sie offenblieb. Weil sie Verantwortung übernahm. Und weil sie sich auf neue Aufgaben einließ. Ihre Ausbildungen - von der GroupFitness bis hin zu Pilates - waren dabei nie nur bloße Stationen. Sie waren der Katalysator, durch den aus Interesse erst Engagement und dann durch Engagement schließlich ein Beruf wurde.

GroupFitness und Pilates dagegen gehören bis heute zu mir.

Tanja Sacher

DTB-Trainer*in Pilates

Die Pilates-Methode bietet einen Weg zu umfassender Gesundheit. Bewegung, eine bewusste Atmung und der Fokus auf das Zusammenspiel im Körper machen Pilates zu einem ganzheitlichen Ansatz für Wohlbefinden.

Pilates schafft mit seinen Übungen einen Ausgleich zu den oftmals einseitigen Haltungen im Alltag, zu stundenlangem Sitzen oder den einseitigen Bewegungen mancher Sportarten und kann so den Körper harmonisieren. Die Inhalte und Philosophie der Pilates-Methode gehen auf Joseph Hubertus Pilates (1883-1967) zurück.

Je nach Zielstellung, Zielgruppe und Unterrichtsstil können mit Pilates diverse Unterrichtsschwerpunkte gesetzt werden: mal auf das körperliche Training und Erleben ausgerichtet, wie Kräftigung und Zentrierung des Schultergürtels, Beckengürtels, Steigerung der Flexibilität etc., und mal auf Körperwahrnehmung und Achtsamkeit in Bewegung ausgerichtet, um z. B. das individuelle Stressniveau zu senken.

AUSGABE        Akademie 04-2026 | Fit & Gesund | Nicht geplant, genau richtig
AUTOR            Nils B. Bohl