4XF Landesturnfest 2026 Konstanz | Foto: Tim Grau
Fit & Gesund

Tochter und Mutter mit Herzblut für die 4XF Games

Kraftakt Nord-Süd

Die 4XF Games begeisterten zuletzt beim baden-württembergischen Landesturnfest (13. bis 17. Mai 2026) in Konstanz rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, organisiert von Maike und Antje Spalthoff. Auf der Fläche herrschten Teamgeist, eine mitreißende Dynamik und Begeisterung für Functional Training. Also alles eitel Sonnenschein? 

Nicht ganz. Denn hinter den Kulissen blickt Mitorganisatorin Antje Spalthoff durchaus mit Sorge auf die Zukunft des Formats. Wenn Maike und ich das nicht machen, macht es auf Vereinsebene vielleicht niemand mehr, sagt die 61-Jährige über ihre Tochter Maike Spalthoff, mit der sie die 4XF Games seit Jahren vorantreibt. Der Satz kommt unerwartet. Und doch beschreibt er eine Entwicklung, die viele Ehrenamtliche im Vereinssport kennen. Während die Teilnehmendenzahlen stimmen und das Interesse am Functional Training wächst, wird es immer schwieriger, Menschen zu finden, die Veranstaltungen organisieren, Sponsoren gewinnen und langfristig Verantwortung übernehmen.

Wie alles begann

Dabei begann die Geschichte der 4XF Games für Maike Spalthoff und ihre Mutter Antje denkbar unspektakulär. 2016 absolvierten sie gemeinsam die Ausbildung zum Instructor CrossTraining, damals ein Modul auf dem Weg zum 4XF Functional Coach. Regelmäßige Fortbildungen folgten, um ihre Übungsleiterlizenzen zu verlängern. Da Maike früh nach Süddeutschland gezogen war, boten diese Fortbildungen eine schöne Möglichkeit, Zeit miteinander zu verbringen.

Über einen Wettkampf in Esslingen wurde Maike dann auf die 4XF Games aufmerksam. Sie hatte damals mit einer kleinen Gruppe selbst teilgenommen. Das Format begeisterte sie sofort und sie beschloss, solche Veranstaltungen auch im eigenen Verein anzubieten. Was zunächst als gemeinsame Fortbildung begann, entwickelte sich so im Laufe der Jahre zu einem Projekt, das Mutter und Tochter bis heute verbindet. Während Maike Spalthoff beim nordbadischen TV 1907 Kleingemünd eigene Angebote und Veranstaltungen aufbaute, etablierte ihre Mutter das Format in Norddeutschland.

Dass aus der gemeinsamen Leidenschaft einmal ein solches Projekt entstehen würde, überrascht Antje Spalthoff bis heute nicht. Sie sagt:

Ich bin total stolz auf meine Tochter.

 Sie hat das einfach durchgezogen. Gleichzeitig gibt sie zu, dass sie selbst ursprünglich gar keine eigenen Wettbewerbe organisieren wollte. Maike hat mich eigentlich überredet, erinnert sie sich. Ich habe gesagt: Nein, das ist zu viel Arbeit, das mache ich nicht. Doch ihre Tochter ließ nicht locker. Heute blicken beide auf viele gemeinsame Veranstaltungen zurück. Wir haben uns gegenseitig hochgehangelt, sagt Antje Spalthoff. Das war richtig eine Mutter-Tochter-Arbeit auf die Entfernung.

Ein Format für viele Zielgruppen

Im Mittelpunkt von 4XF steht ein Trainingskonzept, das Menschen unterschiedlicher Alters- und Leistungsstufen zusammenbringt. Functional Training orientiert sich an natürlichen Bewegungsformen des Körpers und verbindet Kraft, Beweglichkeit, Stabilität und Koordination. Der Fokus liegt sehr darauf, dass es ein Angebot für jedermann ist, erklärt Maike Spalthoff. Unser ältester Teilnehmer ist 72 Jahre alt und macht die Wettbewerbe immer noch mit.

Gerade diese Offenheit macht für sie den besonderen Reiz aus. Die Übungen lassen sich jederzeit individuell anpassen. Dadurch können Einsteiger*innen neben erfahrenen Sportlerinnen und Sportlern trainieren und dennoch an ihre persönliche Leistungsgrenze kommen. Während einige Teilnehmer*innen vor allem etwas für ihre Gesundheit tun möchten, suchen andere gezielt die sportliche Herausforderung. 

Für viele ist aber genau die Mischung ein entscheidender Grund, regelmäßig in die Halle oder auf den Sportplatz zurückzukehren.

Abwechslung als Erfolgsfaktor

Dass dieses Konzept funktioniert, zeigte sich auch in Konstanz eindrucksvoll. An den beiden Eventtagen gingen rund 120 Teilnehmende an den Start. Viele kannten das Format bereits von früheren Veranstaltungen, einige wurden jedoch erst vor Ort darauf aufmerksam. Mehrere meldeten sich sogar spontan an, nachdem sie die Battles beobachtet hatten. Besonders geschätzt wird die Abwechslung: Zwar gibt es einen festen Übungspool mit grundlegenden Bewegungen wie Kniebeugen, Liegestützen oder Zugübungen, die konkreten Workouts werden jedoch immer wieder neu zusammengestellt.

Das macht es natürlich immer wieder spannend und attraktiv, weil es nicht immer das Gleiche ist, erklärt Maike Spalthoff. Viele fanden genau das reizvoll. Gleichzeitig sorgen neue Geräte und Ideen regelmäßig für frische Impulse. In Konstanz gehörte unter anderem ein Gewichtsschlitten zum Programm. 

Für viele Teilnehmende war das eine völlig neue Erfahrung.

Wenn aus Konkurrenz Gemeinschaft wird

Besonders eindrucksvoll war die Atmosphäre während der Teambattles. Während Einzelstarts vor allem vom persönlichen Leistungsvermögen geprägt sind, entsteht im Team eine Dynamik, die viele Teilnehmende immer wieder in die Gruppe zurückbringt.
Beim Team hatte man das Gefühl: Wir alle auf dem Platz sind eine Gemeinschaft, sagt Maike Spalthoff. Das merken wir auch im Training immer wieder. Für sie liegt genau darin eine der größten Stärken des Formats. Viele Menschen suchen heute nicht mehr nur sportliche Betätigung, sondern auch soziale Kontakte. Functional Training im Verein verbindet beides.
Auch Antje Spalthoff nahm diese Energie in Konstanz besonders stark wahr. Gerade während der Teambattles sei spürbar geworden, wie sehr sich die Teilnehmenden gegenseitig getragen hätten. Sie sagt: 

Das hat mich richtig abgeholt.

Eine Erfolgsgeschichte mit Fragezeichen

So positiv die Stimmung in Konstanz auch war: Die Zukunft der 4XF Games im Verein sieht Antje Spalthoff nicht als selbstverständlich an. Die Durchführung solcher Veranstaltungen verlangt Monate der Vorbereitung, Sponsorensuche, Materialbeschaffung und Helferkoordination. Vieles davon bleibt an wenigen Ehrenamtlichen hängen.

Alle sagen immer: Ich helfe, erzählt sie. Aber am Ende bleibt der Kopf oft bei einer Person. Gerade die Sponsorensuche sei schwieriger geworden. Viele Unternehmen hätten in den vergangenen Jahren bereits Projekte unterstützt und müssten heute deutlich stärker auswählen, welche Anfragen sie noch fördern. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Veranstalter. Teilnehmende erwarten eine professionelle Organisation, attraktive Preise und eine hochwertige Ausstattung. All das kostet Zeit und Geld.

Besonders kritisch sieht sie, dass das Format ihrer Ansicht nach noch nicht die Unterstützung erhält, die seinem Potenzial entsprechen würde. Geräte, Material und organisatorische Hilfen seien regional sehr unterschiedlich verfügbar. Damit hänge die Entwicklung stark vom Engagement einzelner Personen ab.

Zwischen Stillstand und Aufbruch

Zehn Jahre nach der Einführung der 4XF Games entwickelt der Deutsche Turner-Bund das Konzept weiter. Ziel ist es, die Fitness-Events durch einheitliche Workout-Parameter bundesweit messbar zu machen. Künftig sollen Teilnehmende ihre Leistungen unabhängig vom Austragungsort miteinander vergleichen können – ähnlich wie bei kommerziellen Fitnessformaten wie HYROX.

Für Antje Spalthoff liegt der besondere Reiz solcher Veranstaltungen vor allem in ihrer Vergleichbarkeit. Viele nehmen an HYROX teil, weil sie genau wissen, was sie erwartet, und ihre Leistungen mit anderen vergleichen können, erklärt sie. An diesem Prinzip orientiert sich auch die Weiterentwicklung der 4XF Games.

Langfristig soll das Konzept so gestaltet werden, dass die Battles auf Vereins-, Landes- und Bundesebene nach denselben Standards durchgeführt werden können, unabhängig vom vorhandenen Equipment oder den finanziellen Möglichkeiten der jeweiligen Veranstalter. Im Mittelpunkt bleibt der Grundgedanke von 4XF: Cross- und Functional Training im Verein.

Die Planungen reichen bereits bis zum Internationalen Deutschen Turnfest 2029 in München. Ob und wie stark sich die 4XF Games bis dahin in Vereinen und Verbänden etablieren werden, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch: Der DTB hat den nächsten Schritt in Richtung einer bundesweit vergleichbaren Struktur bereits eingeleitet.

 

Mehr als nur Kraft und Ausdauer

Die 4XF Games sollen nach derzeitigem Stand keine eigenständige Wettkampfsportart werden. Auch Mutter und Tochter verstehen das Format vielmehr als Werkzeug, mit dem Vereine moderner und attraktiver auftreten können. Kraft, Stabilität, Beweglichkeit und Ausdauer, alle werden gleichermaßen geschult. Zugleich entsteht ein Angebot, das Menschen nicht nur fordert, sondern sie auch langfristig an den Verein binden kann.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum Antje Spalthoff trotz aller Zweifel noch nicht endgültig loslassen kann. Beim Landesturnfest in Konstanz standen rund 120 Teilnehmende auf der Wettkampffläche. Es regnete, zeitweise fiel sogar Hagel. Doch niemand dachte ans Aufgeben. Die Jugend ist ja doch noch im Sport tätig und voller Elan, freute sie sich dort. Die haben gekämpft und einfach Spaß gehabt. Für einen Augenblick scheinen die Mühen der Sponsorensuche, der Organisation und die vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit vergessen. Dafür lohnt sich das, sagt sie dann nach einem Moment des Innehaltens.

Eigentlich, betont Antje Spalthoff, sollen die vierten 4XF Games ihre letzten sein. Allerdings hatte sie das auch schon nach den dritten gesagt. Für Tochter Maike dagegen ist das Projekt noch lange nicht am Ende angekommen. Ihre Mutter wird sich daher wohl bald wieder den Überredungskünsten der Tochter gegenübersehen. Beide zusammen sind überzeugt, dass die 4XF Games mehr sein können als ein einzelnes Fitness-Format. Ob diese Chance künftig auch von anderen Vereinen und Verbänden erkannt und somit stärker unterstützt wird, dürfte letztendlich aber entscheidend dafür sein, wie die (Erfolgs-)Geschichte bundesweit weitergeht. Damit es auch bei den nächsten Turnfesten wieder heißt: 

Die 4XF Games sind eröffnet.

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AUSGABE           Events 03-2026 | Fit & Gesund | Kraftakt Nord-Süd
AUTOR                Nils B. Bohl