parkrun | Foto: Tobias Kirschall
Fit & Gesund

parkrun Ulm als gelebter #BeActive-Spirit

Joggen und Gehen am Morgen

Immer mehr Städte suchen nach Formaten, die Bewegung, Gemeinschaft und einen niederschwelligen Zugang zum Sport verbinden. Der parkrun in der Ulmer Friedrichsau zeigt, wie das gelingen kann – und das schon seit über 180 organisierten Läufen. Jeden Samstag um 9 Uhr treffen sich hier Menschen aus der Region und Gäste aus aller Welt, um gemeinsam fünf Kilometer zu laufen oder zu gehen.

Die Teilnahme ist kostenlos, offen für alle Altersklassen und alle Fitnesslevel und wird ehrenamtlich betreut. Wer nicht mitlaufen möchte oder kann, unterstützt als Helfer*in – ob an der Zeitmessung, als Streckenposten oder beim Aufbau. Besonders beliebt ist in Ulm die monatliche Tradition, am ersten Samstag im Monat nach dem Lauf ein offenes Kuchen-Picknick im Park zu veranstalten. Diese Mischung aus Bewegung und Begegnung hat eine lebendige Community mit knapp 50 unterschiedlichen Teilnehmenden pro Lauf entstehen lassen.

Hinter dem Erfolg stehen die Familien Kreideweiß (Melanie und Stefan) und Dohm (Jannis und Steffi) als Gründer. Leitende des Standortes sind Jannis Dohm und Melanie Kreideweiß als Event Direktoren.

Der parkrun ist Teil einer internationalen Nonprofit-Organisation, die 2004 in England gegründet wurde. Heute finden die Läufe auf allen Kontinenten statt – das Konzept wird weltweit gefeiert und durch Verantwortliche in jedem Land und Region unterstützt.

Ursprung:
2004 im Bushy Park, London (England) gestartet
Organisation: Internationale Nonprofit-Organisation
Verbreitung: Über 2.200 Standorte in mehr als 20 Ländern weltweit
Philosophie: Kein Wettkampf, sondern Gemeinschaft und Freude an Bewegung
Ehrenamt: Jede Veranstaltung wird von Freiwilligen organisiert – Helfen ist ebenso wichtig wie Mitlaufen
Besonderheit: Einheitliches, internationales System – wer registriert ist, kann weltweit bei jedem parkrun teilnehmen.

parkrun erstmals Teil der Europäischen Woche des Sports

In diesem Jahr wird der Ulmer parkrun am 27. September unter dem Motto "Joggen und Gehen am Morgen" Teil der Europäischen Woche des Sports sein. Damit verkörpert er die Werte von #BeActive in Reinform: kostenlos, inklusiv, gemeinschaftlich und ohne Leistungsdruck.

"Das passt perfekt zu #BeActive", sagt Jannis Dohm. "Wir wollen Menschen niederschwellig einen Zugang zum Sport geben – egal ob laufend, gehend, mit Kinderwagen oder im Rollstuhl. Hauptsache, man bewegt sich und hat Spaß."

Das Konzept – so funktioniert parkrun

  • 5 Kilometer, jeden Samstag um 9:00 Uhr, immer an derselben Strecke
  • Kostenfrei und offen für alle Altersgruppen
  • Keine Vereins- oder Mitgliedsbindung nötig – Teilnahme über einfache Online-Registrierung
  • Ehrenamtlich organisiert mit wechselndem Helferteam
  • Fokus auf Gemeinschaft statt Wettkampfergebnis

"Es ist kein Rennen", betont Stefan Kreideweiß. "Wir feiern Meilensteine – egal ob jemand zum ersten Mal dabei ist oder regelmäßig läuft.

Für Erfolge gibt es weltweit dieselben T-Shirts, wer zum Beispiel das grüne trägt, hat schon über 250 Läufe geschafft. Die Ergebnisse werden nach jedem Lauf online veröffentlicht." In Ulm übernimmt ein eingespieltes Team von 5 bis 6 Helfenden pro Veranstaltung beispielsweise diese Aufgaben:

  • Laufleitung
  • Aufbau & Streckenprüfung
  • Barcode einlesen
  • Zeitnahme
  • Zielmarkenausgabe
  • Schlussbegleitung & Abbau
  • Fotos

Oft bringen Teilnehmende Kuchen oder andere Kleinigkeiten mit, um den gemeinsamen Ausklang zu bereichern. Wer einen parkrun in seiner Stadt organisieren möchte, benötige ein Team, aber auch dabei unterstütze die Internationale Organisation.

Dass der Ulmer parkrun in diesem Jahr Teil der Europäischen Woche des Sports ist, zeigt auch, wie sich bestehende, erfolgreiche Formate mit #BeActive verbinden lassen – und so noch mehr Menschen für Bewegung begeistert werden können.

 

www.beactive-deutschland.de

Vorteile für die Stadt

Der Ulmer parkrun zeigt eindrucksvoll, wie solche Angebote nicht nur Menschen in Bewegung bringen, sondern auch für eine Stadt wertvoll sein können. Der Zugang ist bewusst niedrigschwellig – niemand muss sich anmelden oder lange im Voraus planen, man kann einfach vorbeikommen. Das stärkt den öffentlichen Raum als Ort für Begegnung, fördert das Ehrenamt und sorgt ganz nebenbei für einen touristischen Impuls. Immer wieder kommen Gäste aus anderen Regionen Deutschlands, aus England oder sogar aus Südafrika. "Das bringt jede Woche Menschen in unsere Stadt – und das ist auch für den lokalen Tourismus ein schöner Nebeneffekt. Natürlich muss die Stadt dafür ihr Go geben, in Ulm waren von Beginn an alle begeistert", erklärt Stefan Kreideweiß.

Begegnungen mit Menschen und Möglichkeiten für neue Städte 

Besonders eindrucksvoll erzählen Jannis und Stefan die Geschichten einzelner Teilnehmenden.

  • Ein über 70-jähriger Läufer aus England, der den parkrun aus seiner Heimat kannte, ist heute Stammgast in Ulm – oft begleitet von seiner Frau, die gemeinsam mit anderen zügig walked.
  • Eine andere Teilnehmerin entdeckte durch den parkrun das Joggen für sich. Sie hat sich immer bewegt und dachte, dass sie nicht mehr joggen könnte. Sie hält sogar unseren Teilnehmer-Rekord: Sie ist bis jetzt die Person mit den meisten Läufen bei unserem parkrun.

Das Spektrum reicht von Jugendlichen bis zu Seniorinnen und Senioren, von Freizeitläuferinnen und -läufern bis zu Leistungssportler*innen der Leichtathletik im SSV Ulm 1846 e.V.. "Mich begeistert, dass wir so unterschiedliche Leute haben – und dass man darüber hinaus, egal wo man im Urlaub ist, einfach bei einem parkrun mitlaufen kann. Das verbindet", sagt Stefan.

Auch in die Zukunft blicken beide positiv: „Es gibt in der Region noch einige weiße Flecken auf der parkrun-Karte“, sagt Jannis. "Wir würden uns wünschen, dass noch mehr Städte dieses Konzept für sich entdecken und der parkrun auch in Deutschland eine größere Bekanntheit erfährt."

Der parkrun Ulm lebt vor, wie einfach und wirksam Sportformate sein können, wenn sie Offenheit, Kontinuität und Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellen. Er passt damit perfekt zur Vision von #BeActive und den Zielen des DTB: Sport als verbindendes Element, offen für alle, ohne Hürden – und mit Spaß als wichtigstem Antrieb. "Jeder macht das in seinem Tempo – und freut sich aufs nächste Mal", bringt es Jannis Dohm abschließend auf den Punkt.

AUSGABE           #BeActive 04-2025 | Fit & Gesund | Joggen und Gehen am Morgen
AUTORIN            Sina Beranek