Ulla Häfelinger bei einem Kurs | Foto: Norbert Raufer
Fit & Gesund

Mit Bewegung und Motivation

Grenzen des Alters verschieben

Ulla Häfelinger verschiebt gerne für sich und andere die Grenzen des Älterwerdens und erklärt, warum sie sich den Tanztee als Trainingsform zurückwünschen würde.

Für das Gespräch mit Ulla Häfelinger stand ein kleines Zeitfenster in den Mittagsstunden offen. Morgens gab sie Pilates-Stunden, am frühen Abend dann wieder.

Dazwischen erzählt sie auch von anstehenden Workshops, für die sie das Programm entworfen hat und von ihrer Arbeit in der Seniorenabteilung des Badischen Turner-Bundes. So viel also zum Vorhaben der renommierten Trainerin und Buchautorin, es etwas ruhiger angehen zu lassen. Oder eben zu ihrem gelebten Leitmotiv des Gesprächsthemas „Gesund und fit bleiben im Alter“. Denn das lautet so einfach wie fordernd: In Bewegung bleiben.

„Je älter ich werde, desto mehr und vielfältiger sollte ich mich bewegen“, sagt Ulla Häfelinger, selbst mittlerweile 76 Jahre alt. 

Nun hat nicht mehr jeder Tag den oben genannten Rhythmus, tatsächlich gönnt sich die nahe Pforzheim lebende Badenerin schon länger viel mehr Zeit für sich als in jenen Jahren, die sie zu einer hoch angesehenen Referentin, Trainerin und Ausbilderin haben werden lassen. „Mein besonderes Fachgebiet ist das Wissen und Lehren des Beckenbodens“, sagt sie selbst mit Blick auf ihr Spezialgebiet, in dem der Deutsche Turner-Bund und andere Verbände auch heute noch ihre Expertise schätzen und gerne abrufen.

Die ausgebildete Physiotherapeutin, Sport- und Gymnastiklehrerin ist noch bekannt für ihr fundiertes Wissen in anderen Themengebieten wie Rückenschule oder eben Pilates. Ein breites Wissensspektrum, aus dem sich auch gut Empfehlungen generieren lassen, wie man sich mit zunehmenden Alter fit und gesund hält. Für sich selbst hat Ulla Häfelinger beschlossen, den Status „alt sein“ mit jedem runden Geburtstag einfach weiter vor sich her zu schieben. „Ab den Wechseljahren ist man best ager, ab 85 beginnt die Hochaltrigkeit“, formuliert sie eine Faustformel, wohlwissend, dass das Älterwerden ein höchst individueller Vorgang ist.

Mit zwei ganz wichtigen Faktoren, die wiederum allgemeingültig sind: Motivation und eben Bewegung.

Ulla Häfelinger erzählt begeistert von einer älteren Dame, die nach gesundheitlichen Problemen in ihre Kurse kam. 

„Sie war am Anfang ein wenig überfordert, hat immer mal mit den Übungen aufgehört und wieder angesetzt. Sie hat dann gesagt: ‚Alles konnte ich nicht machen, aber das halte ich durch‘. Das nennt sich Motivation.“

Das Bewegungsangebot ist auch für ältere Menschen breit, es muss aber genutzt werden. Egal, ob im Verein oder im Fitnessstudio. „Das ist im Prinzip vollkommen wurscht. Gerade bei Älteren ist auch gezieltes Gerätetraining sehr hilfreich“, sagt Ulla Häfelinger vor dem Hintergrund, dass mit steigendem Alter neben der Beweglichkeit fast noch mehr am Krafterhalt gearbeitet werden müsse.

Der Verein mit seinen meist Gruppenangeboten biete wiederum zusätzlich ein stärkeres soziales Netz als der oft individuelle Einsatz im Studio. 

Wobei man sich generell nicht auf der einen Einheit in geschlossenen Räumen ausruhen sollte. „Die Halle ist schön, es braucht aber auch möglichst jeden Tag die frische Luft. Laufen, Spaziergehen oder wer noch kann Fahrradfahren.“

Für die aus ihrer Sicht beste Bewegungstherapie wird Ulla Häfelinger ein wenig nostalgisch: 

„In meiner Jugendzeit gab es den Tanztee, den sollte man wieder einführen. Da ist alles dabei: Raumorientierung, Rhythmisierung, Taktgefühl, mal rechts, mal links…“

Wünschen würde sie sich auch, dass bei körperlichen Problemen mehr auf Bewegung als Heilmittel gesetzt würde. „Dass die Leute mit weniger Medikamenten auskommen würden, wenn sie sich bewegen, das ist noch nicht so angekommen“, sagt Ulla Häfelinger ebenso wie: 

„Wenn die Leute zu mir kommen und sagen, sie gehen in die Behandlung, dann sage ich: ‚Freu dich drauf, aber wann gehst du in die Handlung?‘“

Ulla Häfelinger handelt – für sich und für andere. Sie will motivieren und Menschen helfen, auch im reiferen Alter gesund und beweglich zu bleiben.

Unser Buchtipp:

Gymnastik für den Beckenboden

Die Beckenbodenschwäche mit all ihren Symptomen ist immer noch ein Tabuthema. Wer kennt schon seinen Beckenboden?

Es ist auch schwer, Muskeln zu spüren und zu trainieren, die im Innern des Körpers verborgen sind. Meist rücken diese Muskeln erst mit dem Auftreten der Blasenschwäche in Form der Harnkonsistenz in den Vordergrund. Für die Betroffenen wird es dann zu einem heiklen und meist nicht gesellschaftsfähigen Problem. Schon im Alltag wird diese Muskulatur durch falsches Heben und Tragen sowie eine schlechte Haltung einer großen Belastung ausgesetzt.

Die Stärke dieser Muskulatur ist mitverantwortlich für ein positives Körpergefühl und eine aufrechte Haltung. Ein gezieltes Training kann in diesem Körperbereich Kraft entwickeln.

Mit diesem Buch sollen nicht nur Übungsleiter*innen angesprochen werden, sondern es gibt auch wertvolle Hilfestellung für den Betroffenen selbst. Neben einem Exkurs über die Anatomie wird die Symptomatik der Beckenbodenschwäche mit ihren Problemen dargestellt. Eine Vielzahl von Übungen zur Wahrnehmung, Entlastung und Kräftigung des Beckenbodens wird vorgestellt.

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Aus- und Weiterbildung

Ulla Häfelinger ist auch als Referentin für die DTB-Akademie unterwegs. Ihr Schwerpunkt: Die Weiterbildung zum/zur DTB-Kursleiter*in Beckenboden. 

Inhalte der Schulung sind u. a.:

  • Anatomie des Beckenbodens
  • verschiedene Formen und Ursachen der Beckenbodenschwäche
  • psychologische und pädagogische Aspekte
  • Training aus verschiedenen Ausgangsstellungen
  • Entspannungsformen

Zur Weiterbildung

AUSGABE         Gesundheit 02-2026 | Fit & Gesund | Grenzen des Alters verschieben 
AUTOR              Udo Döring