Anke Haberlandt und Corinna Michels | Foto: DTB-Akademie/Pimster Creations
Fit & Gesund

Anke Haberlandt über 30 Jahre Wandel in der DTB-Akademie

Eine lange Bewegung

Es gab eine Zeit, in der Aerobic noch kein Retro-Begriff war. Anfang der 90er-Jahre war sie neu genug, dass sich der organisierte Sport erst einmal überlegen musste, was er damit anfangen wollte. Anke Haberlandt war damals Mitte 20, Diplom-Sportlehrerin, im rheinhessischen Turnverein groß geworden und bereits als Referentin unterwegs. Ihr Verband schickte sie zu einer Sitzung in die DTB-Zentrale nach Frankfurt. 

Thema: Aerobic.

Dort lernte sie Dr. Gudrun Paul kennen, die später die junge DTB-Akademie mitprägen sollte. Wenige Jahre danach gehörte Haberlandt selbst zum Referententeam. Ihre Aerobic-Ausbildungen dauerten eine ganze Woche. Frankfurt hatte, wie sie sagt, noch Jugendherbergscharakter. Man kannte die Leute in der Zentrale, ging durch die Büros, saß in den Jahnstuben zusammen.

Und die Kurse waren voll.

Jahre, in denen alles neu war

Haberlandt kannte aus ihrer Kindheit vor allem Kinderturnen, Leistungssport und Frauengymnastik. Nun kamen Menschen in die Vereine, die Aerobic machen wollten. Step-Aerobic folgte, später Fitnesstraining. Auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer ohne klassische Turnvereinsbiografie fanden den Weg in die Lehrgänge.

Für die Akademie bedeutete das, Entwicklungen früher aufzugreifen. Nicht jeder neue Kursname sollte gleich eine Ausbildung werden. Aber dort, wo sich etwas etablierte, entstand Fachwissen, wurden Konzepte entwickelt und Referentinnen und Referenten geschult.

Haberlandt hat seitdem genügend Trends gesehen, um mit dem Wort vorsichtig zu sein. 

  • Dance-Aerobic, 
  • Latin-Aerobic, 
  • Zumba, 
  • Functional Training, 
  • heute HYROX. 

Manches verschwindet, anderes bleibt. Step-Aerobic, sagt sie, komme gerade wieder zurück. Die Fitnesswelt bewegt sich offenbar nicht nur vorwärts. Manchmal dreht sie eine Runde.

Ihr eigener Weg tat das nicht. Der führte irgendwann zu Pilates.

Nach einer Verletzung trainierte Haberlandt bei einem amerikanischen Physiotherapeuten. Sie kam aus einer Fitnesswelt, in der eine weitere Wiederholung meistens als gute Idee galt. Nun sollte sie die Turnschuhe ausziehen, atmen, ihre Mitte wahrnehmen und Bewegungen kontrollieren.

Ich dachte: Wow.

Sie machte eine Pilates-Ausbildung. Später bildete sie selbst aus.

Was der Trainer und die Trainerin nicht auf Instagram lernt

Heute gehören Pilates, Gesundheitssport, Rücken- und Entspannungstraining zu ihren Schwerpunkten. Andere Themen sind hinzugekommen: Faszien, neurozentriertes Training, Angebote für eine älter werdende Gesellschaft. Die Bandbreite der DTB-Akademie hat sich mit den Bedürfnissen verändert.

Haberlandt interessiert dabei weniger, wie spektakulär eine Übung aussieht. Entscheidend ist, ob ein Trainer oder eine Trainerin weiß, für wen sie geeignet ist und wie sie verändert werden kann. Im Pilates bildet der DTB deshalb vor allem für das Mattentraining aus. Das lässt sich in einem Verein umsetzen, ohne einen Raum voller Reformer für mehrere tausend Euro anzuschaffen.

Die Ausbildung selbst versteht Haberlandt als geschützten Raum. Dort darf jemand ausprobieren und auch scheitern. In der Pilates-Ausbildung sind es 120 Stunden, vier Module und eine Supervision. Teilnehmende schreiben Stundenbilder, stehen selbst vor der Gruppe und bekommen Rückmeldung.

Eine Teilnehmerin ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben. Sie korrigierte fast ausschließlich mit Verboten: nicht dies, nicht das. Haberlandt setzte sich mit ihr hin. Wie könnte man dasselbe sagen, ohne den Menschen ständig mitzuteilen, was sie falsch machen?

Das ist eine Kleinigkeit. 

Und gleichzeitig genau die Art von Kleinigkeit, die später darüber entscheidet, wie jemand vor einer Gruppe steht.

Bundesweit sollen dabei vergleichbare Maßstäbe gelten. Die Referentinnen und Referenten stimmen Inhalte ab, überarbeiten Skripte, diskutieren neue Erkenntnisse. Im GroupFitness-Bereich entstanden daraus sogar Fachbücher. Das neue Aerobic Training, an dem Haberlandt mitschrieb, erschien in sieben Auflagen und wurde ins Englische übersetzt.

Ich bin geduldiger geworden.

Geduld kommt später

Nicht nur die DTB-Akademie hat sich in diesen Jahrzehnten verändert. Haberlandt auch.

Als junge Referentin, erzählt sie, sei das, was sie im Unterricht sagte, stärker gesetzt gewesen. Ein bisschen mehr Gesetz, erklärt sie mit einem Lächeln. 

Heute dagegen sitzt vielleicht eine Physiotherapeutin in ihrer Ausbildung, die bei einem bestimmten Thema mehr praktische Erfahrung hat. Dann ist es Haberlandt, die gerne zuhört. Ich bin geduldiger geworden.

Vor einiger Zeit begegnete Haberlandt in einer Pilates-Ausbildung einer Teilnehmerin, deren Gesicht ihr bekannt vorkam. Die Frau half ihr schließlich auf die Sprünge: Viele Jahre zuvor habe sie bei ihr in Frankfurt die Aerobic-Ausbildung gemacht. Nun sei sie zurück, diesmal für Pilates.

Diese unscheinbare Begegnung bringt drei Jahrzehnte DTB-Akademie-Ausbildung ziemlich gut auf den Punkt: Ein Fitnessboom wird zum festen Ausbildungsbereich, Wissen verändert sich, Menschen kommen wieder und lernen weiter.

Haberlandt formuliert das noch viel einfacher: Ich kann von jedem etwas lernen.

Nach mehr als 30 Jahren als Ausbilderin darf man ihr glauben, dass sie es ausprobiert hat.

 BUCHTIPP

Pilates für Senioren

Autorin: Anke Haberlandt

Raus aus dem Rundrücken, rein in ein starkes, geschmeidiges Körpergefühl! Starten Sie Ihr persönliches Wohlfühl-Upgrade – einfach, effektiv und bequem von zu Hause.

Über 70 wirksame Pilates-Übungen bringen Ihre Körpermitte auf Höchstleistung: mehr Kraft, eine bessere Haltung und spürbar mehr Beweglichkeit. Ob Rücken, Bauch oder Beckenboden – hier trainieren Sie genau das, was Sie im Alltag stark macht.

So kommen Sie in Topform:

  • Sanfter Einstieg und effektives Ganzkörpertraining dank verschiedener Levels
  • Vielseitige Übungen: auf der Matte, mit dem Stuhl und an der Wand
  • Mini-Programme für schnelle Trainingseinheiten
  • Gelenkschonende, sichere und wirksame Trainingsimpulse – ideal auch bei Rückenproblemen, Arthrose oder Osteoporose

Perfekt für alle, die viel sitzen, aktiver werden oder gezielt etwas für ihre Gesundheit tun möchten. Nur wenige Minuten Pilates täglich und Sie fühlen sich stärker, aufrechter und rundum wohler.

Das Buch kann über den SingLiesel Verlag bezogen werden.


SingLiesel Verlag

DTB-Trainer*in Pilates

Die Pilates-Methode bietet einen Weg zu umfassender Gesundheit. Bewegung, eine bewusste Atmung und der Fokus auf das Zusammenspiel im Körper machen Pilates zu einem ganzheitlichen Ansatz für Wohlbefinden.

Pilates schafft mit seinen Übungen einen Ausgleich zu den oftmals einseitigen Haltungen im Alltag, zu stundenlangem Sitzen oder den einseitigen Bewegungen mancher Sportarten und kann so den Körper harmonisieren. Die Inhalte und Philosophie der Pilates-Methode gehen auf Joseph Hubertus Pilates (1883-1967) zurück.

Je nach Zielstellung, Zielgruppe und Unterrichtsstil können mit Pilates diverse Unterrichtsschwerpunkte gesetzt werden: mal auf das körperliche Training und Erleben ausgerichtet, wie Kräftigung und Zentrierung des Schultergürtels, Beckengürtels, Steigerung der Flexibilität etc., und mal auf Körperwahrnehmung und Achtsamkeit in Bewegung ausgerichtet, um z. B. das individuelle Stressniveau zu senken.

Zur Ausbildung

AUSGABE        Akademie 04-2026 | Fit & Gesund | Eine lange Bewegung
AUTOR            Nils B. Bohl