Ein kleines Detail blieb den meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmern verborgen, zeigte aber, wie ernst es der Zoo mit der Kooperation meinte: Die Elefanten wurden extra früh aus dem Stall geholt, entgegen der üblichen Fütterungszeiten, damit sie auf der Außenanlage präsent waren, als die Yogagruppe ihre Übungen begann. "Das war kein Zufall", sagt Bosold. "Der Zoo hat das aktiv so gesteuert – mit Rücksicht auf die Tiere natürlich –, um dieses besondere Erlebnis möglich zu machen."
Dass Yoga und Zoo so gut zusammenpassen, überrascht vielleicht nur auf den ersten Blick. Denn Yoga ist längst mehr als ein sportlicher Trend. Die jahrtausendealte Praxis verbindet Bewegung, Atmung, Achtsamkeit – und steht sinnbildlich für den Wunsch vieler Menschen nach Entschleunigung. Gerade in der Natur fällt es leichter, den Kopf freizubekommen, die eigene Mitte zu finden. Studien belegen: Bewegung im Grünen tut Körper und Seele besonders gut. Und wer kann schon behaupten, seinen Sonnengruß unter den wachsamen Blicken eines Elefanten geübt zu haben?
Natürlich lief nicht alles von selbst. Yogamatten mussten improvisiert im Auto gelagert, die passenden Plätze im Zoo gefunden, Mitarbeiter für die frühmorgendliche Betreuung organisiert werden. "Aber das war es wert", sagt Bosold. "Die Stimmung war einfach einmalig."
Die Teilnehmer*innen jedenfalls wollten kaum wieder gehen. Nach der Session schlenderten sie durch den Zoo, nutzten die ruhige Atmosphäre, um die Tiere zu beobachten. Sogar spontane Gäste tauchten auf – Leipzigerinnen, die vom Kurs in der Zeitung gelesen hatten und kurzerhand ihre Matte einpackten. Auch sie wurden – ausnahmsweise – aufgenommen. "Wenn jemand so früh aufsteht, um dabei zu sein, schickt man ihn nicht wieder nach Hause", sagt Bosold lachend.