Zentraler Bestandteil des Wohlbefindens
Wenn Ivonne Herr über psychische Gesundheit spricht, plädiert sie für einen erweiterten Blick. Sie sei kein Nebenschauplatz, sondern ein zentraler Bestandteil des Wohlbefindens. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe Gesundheit bereits 1948 als Zusammenspiel körperlicher, sozialer und psychischer Faktoren beschrieben. Es existieren neuere Ansätze, die Gesundheit vor allem als keinen festen Zustand beschreiben. Es gebe nicht nur die Kategorien gesund oder krank. Vielmehr bewege sich jeder Mensch auf einem Kontinuum zwischen krank und gesund, manchmal über Jahre, manchmal von einem Tag auf den anderen.
Im (Sport-) Alltag zeigt sich psychische Gesundheit für Ivonne Herr dort, wo jemand seine Fähigkeiten nutzen, mit Belastungen umgehen und in sozialen Beziehungen bestehen kann. Auf den ersten Blick klingt das selbstverständlich. Bei näherem Hinsehen ist es anspruchsvoll. Wenn Gedanken, Emotionen, Verhalten oder Beziehungen aus dem Gleichgewicht geraten, können sich erste Auffälligkeiten zeigen. Nicht jede davon ist eine psychische Störung, aber sie kann ein Hinweis sein, dass etwas aus der Balance gerät. Bei Teilnehmenden in Trainingsgruppen kann viel passieren, was nicht immer sichtbar und messbar ist: Selbstzweifel, Druck, Überforderung - ob im Sport oder im Alltag begründet. Denn das Leben der Teilnehmenden – mit ihren persönlichen Erfahrungen und Belastungen – trainiert immer mit. Die Folge ist oft Stress, Überlastung und Rückzug - eben psychische Überlastungsreaktionen oder ernstzunehmende psychische Auffälligkeiten bis hin zu Störungen.