Überhaupt spricht Harvey auffallend oft über die Menschen, die vor ihm stehen. Sie haben Beruf, Familie, Termine. Vielleicht musste jemand organisieren, wer auf das Kind aufpasst, um genau an diesem Abend trainieren zu können.
Ich empfinde das als große Verantwortung als Trainer, dass ich diese 60 Minuten, die sie mitbringen, echt mal sinnvoll einsetze.
An der eigentlichen Faszination von GroupFitness hat sich für Harvey dagegen wenig geändert. Es passiert etwas ganz Interessantes, so Magisches, wenn man Menschen zusammenbringt in die Gruppe, wenn Musik dabei ist und wenn diese Anleitung ist. Der Teilnehmer muss im Grunde nur erscheinen. Ich tauche auf, Rest wird übernommen. Musik an, Menschen bewegen sich gemeinsam, jemand führt durch die Stunde. Ich kann sonst so müde sein als Teilnehmer
, sagt Harvey. In einer Stunde geht es mir tausendmal besser als vorher.
Dass regelmäßiges Training lange tragen kann, verkörpert Harvey dabei selbst. Der 57-Jährige wird nach eigener Aussage häufig jünger eingeschätzt. Ich werde ja oft jünger eingeschätzt, als ich bin
, sagt er. Besonders interessant werde es, wenn ihm jemand mit 40 oder 50 erkläre, er sei nicht mehr der Jüngste
. Nennt Harvey dann sein eigenes Alter, verschiebt sich bei manchen der Blick auf das, was körperlich noch möglich ist. Nicht als Selbstinszenierung, sondern als ziemlich praktischer Hinweis: Wer dranbleibt, kann Bewegung sehr lange als selbstverständlichen Teil seines Lebens behalten. Die Übungen sind nach Harveys Ansicht dabei längst kein Geheimwissen mehr. YouTube, Instagram und andere Plattformen liefern täglich neue davon. Umso wichtiger werde die Fähigkeit des Trainers, zu erklären, auszuwählen und unterschiedliche Menschen zu erreichen, findet er. Manche hörten erst einmal zu, andere müssten eine Bewegung sehen, wieder andere wollten sofort ausprobieren.
Nicht jeder ist ein Zuhörer
, sagt Harvey. Wer das verstehe, werde auch als Trainer bzw. Trainerin entspannter.