Drei Frauen stehen vor einem Rollup | Foto: Barmfelder Sportverein von 1945 e.V.
Fit & Gesund

Hamburger Verein öffnet Türen und Strukturen

Bewegung neu gedacht

Es ist ein Samstagabend im Spätsommer, als sich im Vereinszentrum des Bramfelder SV nach und nach ein besonderer Kreis von Teilnehmenden einfindet. Im Kursraum: Yogamatten, gedämpftes Licht, eine Übungsleiterin, die heute nicht nur Vereinsmitglieder begrüßt. Die #BeActive-Night hat begonnen – ein Veranstaltungsformat, das so klassisch wie wirkungsvoll ist. Es ist Teil der Europäischen Woche des Sports, einer EU-weiten Initiative, die jedes Jahr im September stattfindet, getragen von der Europäischen Kommission und in Deutschland zusätzlich vom Bundesministerium des Innern unterstützt.“

Was in Berlin oder Brüssel nach Kampagnenstrategie und Sportförderung klingt, ist für den Bramfelder SV längst gelebte Praxis. Hanna Kuhnt, Gesundheitssportreferentin des Vereins, über dieses Event: "Wir laden Menschen ein, an dem teilzuhaben, was wir ohnehin tun – nur eben ohne Mitgliedsbeitrag und Hürden", sagt sie. Kuhnt leitet das vereinseigene Fitnessstudio, koordiniert Gymnastik-, Reha- und Kursangebote. Die studierte Bewegungswissenschaftlerin arbeitet seit 14 Jahren im Verein, sie kennt die Strukturen – und ihre Schwächen.

Hanna Kuhnt (links im Bild), Gesundheitssportreferentin des Vereins, leitet das vereinseigene Fitnessstudio, koordiniert Gymnastik-, Reha- und Kursangebote

Die #BeActive-Night als Saisonabschluss

Das Konzept des Vereins ist mit dieser Kampagne einfach umzusetzen: Bestehende Angebote werden im Rahmen der Aktionswoche für Externe geöffnet.

So entstehen Schnuppermöglichkeiten in vertrauter Atmosphäre. Von Yoga über Zumba bis Reha-Sport: Wer interessiert ist, darf teilnehmen, muss sich aber zu nichts verpflichten. "Wir nutzen die Europäische Woche des Sports für unsere regulären Angebote als Türöffner und veranstalten die #BeActive-Night als Sonderveranstaltung für unsere Mitglieder und interessierte Gäste, die den Verein kennenlernen wollen", erklärt Kuhnt.

Die Organisation bleibt im Team gut umsetzbar, die Belastung für das meist ehrenamtliche oder nebenberufliche Personal gering. Es geht direkt um die Trainer*innen und ihre tollen Angebote - die finanziellen Mittel verpuffen nicht in Verwaltungs- und Werbemaßnahmen.

Gerade die #BeActive-Night, eine Abendveranstaltung mit gestaffelten Kurszeiten zwischen 16 und 21:30 Uhr, hat sich in den vergangenen Jahren bewährt. Besonders das Yoga-Angebot verzeichnete hohe Nachfrage – so hoch, dass der Verein mehr Plätze hätte vergeben können, wenn er über zusätzliche Räume und Übungsleiterinnen und Übungsleiter verfügt hätte.

"Yoga ist bei uns generationenübergreifend beliebt", sagt Kuhnt.

Das Format ist ähnlich wie die ‹Lange Nacht des Yoooga›, die es in Hamburg seit Jahren gibt – bewusst niedrigschwellig konzipiert.

Sichtbarkeit, die hilft

Die Europäische Woche des Sports verfolgt europaweit das Ziel, möglichst viele Menschen zu mehr Bewegung zu motivieren. In Deutschland ist der Deutsche Turner-Bund für die Umsetzung verantwortlich. Veranstaltende können sich kostenlos registrieren, erhalten Werbematerialien und Sichtbarkeit über nationale Plattformen. Für den Bramfelder SV ist das nicht nur ein Nebeneffekt, sondern ein echter Vorteil. "Wir haben aktuell leider keine professionelle Öffentlichkeitsarbeit. Die zentral bereitgestellten Materialien sind für uns Gold wert", sagt Kuhnt.

Der Verein profitiere außerdem von der Zugehörigkeit zu einer größeren Bewegung:

Die Kampagne verleiht uns Legitimität und Reichweite über unseren Stadtteil hinaus.

Doch für Kuhnt ist die #BeActive-Night kein Selbstzweck.

Es gehe vielmehr darum, dauerhaft neue Zielgruppen anzusprechen. "Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie hier einfach einmal hereinschauen dürfen", sagt sie. Gerade in der Gesundheits- und Reha-Sparte wolle man die Menschen langfristig halten – nicht nur, solange es ärztlich verordnet oder von der Krankenkasse bezahlt wird.

Breiter aufstellen?

Der Verein spricht dabei bisher vorrangig ein älteres Publikum an, arbeitet aber kontinuierlich daran, seine Angebote zu diversifizieren. Kinderprogramme wurden bislang nicht in die Kampagne eingebunden – personelle Gründe, wie Kuhnt offen einräumt. "Unsere Kindergruppen werden großteils ehrenamtlich betreut. Eine zusätzliche Öffnung im Rahmen der Kampagne wäre im Moment nicht leistbar, da im Herbst bereits viele bestehende Kinder-Aktionen bespielt werden." Trotzdem sei es erklärtes Ziel, künftig breiter aufgestellt zu sein.

Als besonders sinnvoll hat sich für den Verein die Kombination verschiedener Kampagnen erwiesen. In diesem Jahr wurde die #BeActive-Night mit dem Abschluss des "Active City Summer", einer Hamburger Bewegungsinitiative, verknüpft. Kuhnt plädiert für mehr solcher Synergien:

Anstatt viele parallele Formate zu entwickeln, sollten wir bestehende besser miteinander verzahnen. Das stärkt die Wirkung und spart Ressourcen.

Die Begeisterung, mit der Hanna Kuhnt über ihre Arbeit spricht, wirkt nie plakativ. Eher sachlich, pragmatisch – aber mit Überzeugung. Wenn sie anderen Vereinen zur Teilnahme rät, dann mit realistischem Blick: "Man braucht kein Vorwissen. Wer motiviert ist und ein gewisses Organisationstalent mitbringt, kann sofort einsteigen." Der Support durch die Kampagnenverantwortlichen sei gut – mitunter fast zu umfangreich: "So viel persönliche Betreuung ist zwar schön, aber nach wiederholter Teilnahme gar nicht mehr in dem Umfang nötig", lacht sie.

Europäische Woche des Sports – ein Statement

Dennoch bleibt für Kuhnt das große Ziel klar: mehr Anerkennung für den gemeinnützigen Sport – in Öffentlichkeit, Politik und Gesellschaft. "Die Wertschätzung für das, was Ehrenamt und Hauptamt leisten, ist noch längst nicht dort, wo sie sein sollte", sagt sie.

Die Europäische Woche des Sports ist für sie darum nicht nur ein Kalenderereignis
– sondern ein Statement.

AUSGABE           #BeActive 04-2025 | Fit & Gesund | Bewegung neu gedacht
AUTOR                Nils B. Bohl