Babys an der Lernlaufstange | Foto: Bettina Pfeiffer
Die Familie

Mit Bettina Pfeiffer

Babys in Bewegung

Es beginnt, wie so vieles in diesen Stunden beginnt, unspektakulär. Ein Baby liegt auf einer Matte, hebt den Kopf, senkt ihn wieder. Schaut, als müsse es sich mit der eigenen Bewegung erst bekannt machen. Bettina Pfeiffer sieht das sofort. Solche Momente, sagt sie, entgehen ihr nicht. Seit vielen Jahren arbeitet sie mit Babys und ihren Eltern, und was für andere nach wenig aussieht, ist für sie oft schon ein Fortschritt, manchmal sogar ein erster.

Im Sachsenkreuz Sportverein Heiligenwald im Saarland leitet die 52-Jährige drei Kurse im Programm Babys in Bewegung. Rund 30 Babys kommen in diesen Wochen zu ihr, aufgeteilt in Gruppen von drei bis sechs, sechs bis neun und neun bis zwölf Monaten. Die Kleineren liegen noch viel, die Größeren wollen schon robben, greifen und sich aufrichten. Dazwischen sitzen oder knien die Eltern, meistens die Mütter, manchmal auch Väter, sagt sie. Sie singen, halten, fragen, agieren mit den Kleinen. Und Bettina Pfeiffer, die gelernte Erzieherin, erklärt, zeigt etwas vor und wartet.

In den Verein, erzählt sie, sei sie eher hineingerutscht. Vor 30 Jahren hat sie Erzieherin gelernt. Später fragte die damalige Vorsitzende des Sachsenkreuz Sportvereins Heiligenwald, ob sie nicht Eltern-Kind- und Kinderturnen übernehmen wolle. Ihre eigenen Kinder waren ohnehin dort aktiv. So kam eines zum anderen. Aus ein paar übernommenen Stunden wurden viele Jahre, aus dem Mitmachen eine feste Aufgabe. Pfeiffer leitete Gruppen, arbeitete im Vorstand mit und sah 2011, dass im folgenden Jahr eine Weiterbildung angeboten werden sollte: Babys in Bewegung, damals noch ein vergleichsweise neues Format.

Die Skepsis legte sich schnell

Im Verein, sagt sie, sei man anfangs skeptisch gewesen. Zu teuer, zu speziell, womöglich zu wenig Nachfrage. Es gebe doch gar nicht mehr so viele Babys, habe es geheißen. Sie selbst habe damals geantwortet: Dann mache ich es eben auf eigene Kosten. Am Ende übernahm der Verein die Ausbildung dennoch. Aus einem Angebot, das zunächst mit Vorbehalten betrachtet wurde, wurde mit der Zeit ein fester Bestandteil der Vereinsarbeit. Seit 13 Jahren leitet Pfeiffer nun BiB-Kurse, inzwischen ist sie selbst Referentin für den Saarländischen Turnerbund.

Was sie an der Weiterbildung überzeugte, war weniger eine Methode im engen Sinn als eine Haltung. Eigentlich die Möglichkeiten, die man Babys bieten kann, sich spielerisch weiterzuentwickeln, sagt sie. Man müsse sie nicht drängen, nur sehen, was da ist: Neugier, Bewegungsdrang, Aufmerksamkeit. Wenn ein Kind nicht gern in Bauchlage liege, dann sei das zunächst einfach so. Man könne, sagt sie, mit bestimmten Methoden arbeiten, dass die Babys das nicht merken. Ein Wasserball etwa verändere manchmal schon viel. Das Kind erlebt dann nicht eine Übung, sondern etwas, das es interessiert und ihm Spaß bringt.

Ihre Stunden bereitet Pfeiffer zu Hause vor. Sie kennt ihre Gruppen, notiert sich, wo ein Kind steht, plant Schwerpunkte. Mal schaukeln und wiegen, mal drehen, mal eine Massage, sagt sie. Vieles, was in den Stunden geschieht, ist vorbereitet, aber nicht festgelegt. Sie überlegt, welche Materialien sie braucht: Luftmatratzen, Bälle, Tücher. Vieles, sagt sie, lasse sich auch einfach lösen. Man müsse nicht immer sofort viel Geld ausgeben. Ein Luftballon im Bettbezug könne, wenn es darauf ankomme, ebenso nützlich sein wie ein teures Hilfsmittel. Entscheidend sei nicht das Material, sondern die Idee dahinter.

Ein Rahmen, der Halt gibt

Und doch, sagt sie, sei keine Stunde wirklich planbar. Das ist ganz wichtig, betont sie. 

  • Ein Baby hat schlecht geschlafen. 
  • Eines zahnt. 
  • Eines will nicht liegen. 
  • Eines wird krank. 

Dann müsse man umstellen, kürzen, improvisieren. Das gelte übrigens nicht nur für die Kinder. Auch die Eltern kämen manchmal erschöpft, nach kurzen Nächten, mit Rückenschmerzen oder einfach mit dem Gefühl, diesen Morgen erst einmal bewältigen zu müssen. Wer mit Babys arbeitet, weiß das: Ein Kurs ist kein starres Programm, sondern ein Rahmen, der Halt gibt und zugleich Beweglichkeit verlangt.

Es gibt dennoch Rituale. Ein Lied zu Beginn, wiederkehrende Abläufe, am Ende etwas Vertrautes. 

Für die Babys, sagt Pfeiffer, sei das wichtig. Für die Eltern vielleicht auch. Überhaupt sind diese Stunden nicht nur Bewegungseinheiten. Sie sind, ohne dass Pfeiffer das groß betonen würde, auch eine Unterbrechung des Alltags und ein willkommener Austausch unter Gleichgesinnten. Zu Hause gibt es Ablenkungen, Termine, Wäsche, Telefonate. Hier aber, sagt sie, seien die Eltern für eine Weile nur beim Kind. Das ist halt wirklich, hier sind die Eltern nur fürs Kind da, sagt sie. Neunzig Minuten, davon etwa eine Stunde Programm, manchmal weniger, wenn die Kleinsten früher müde werden. 

Diese Zeit, sagt sie, merke man vielen an.

Der Blick auf das, was da ist

Ein Thema, das sie in den Jahren immer wieder beschäftigt hat, ist der Druck, den manche Eltern spüren. Das Vergleichen beginnt früh. 

  • Warum sitzt das andere Kind schon? 
  • Warum robbt eines los, während das eigene noch liegen bleibt? 

Pfeiffer versucht dann, den Blick zu verschieben. Nicht auf das, was fehlt, sondern auf das, was da ist. Ein Kind, das sich zum ersten Mal zur Seite dreht. Eines, das seine Füße entdeckt. Eines, das beginnt, Laute aneinanderzureihen. Eines, das robbt, erst einen halben Meter, dann zwei.

Besonders beim Sitzen, sagt sie, müsse man vorsichtig sein. Ihr Lieblingsthema sei, nicht früh hinsetzen, bevor es das Baby nicht alleine kann.

Natürlich könne ein Kind sitzen, wenn es hingesetzt werde. Aber darum gehe es nicht. Es gehe darum, ob ein Kind sich aus eigener Bewegung in diese Position bringen und sie auch wieder verlassen könne. Sonst würden kleine Schritte ausgelassen, die später nicht einfach nachgeholt werden könnten.

Solche Sätze fallen bei ihr ohne Schärfe. 
Sie belehrt nicht. 
Sie erklärt.

Back to basics

Dabei versucht sie, den Eltern nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch Gelassenheit. Back to basics, sagt sie. Nicht diese ständige Hetze, nicht das dauernde Gefühl, ein Kind müsse schon möglichst früh möglichst viel können. 

Manche Babys bräuchten einfach Zeit, die man ihnen geben sollte Sie können auch einfach nur mal fünf Minuten mit dem Ball spielen, sagt sie. Oft sei es sogar genau das, was fehle: dass man Kinder etwas tun lasse, ohne sofort den nächsten Reiz zu setzen. 

Weniger ist halt oftmals mehr in der Hinsicht, sagt sie.

Wie weit ein solches Angebot in einen Verein hineinwirken kann, hat Pfeiffer früh erlebt. Einer ihrer ersten Teilnehmer war ein Vater. Als der dritte Kurs endete und das Kind etwa ein Jahr alt war, fragte er: Was machen wir denn jetzt in dem einen Jahr? 

Das reguläre Eltern-Kind-Turnen begann erst später. Bettina Pfeiffer, erzählt sie, habe damals gedacht: Er hat recht. 

Also baute sie ein weiteres Angebot auf. Viele Familien blieben dadurch dem Verein treu. Die Kinder gingen später weiter ins Eltern-Kind-Turnen, dann ins Kinderturnen. Und die Eltern halfen bei Festen, bei Veranstaltungen, bei dem, was Vereine eben tragen müssen.

Baby in Bewegung - im eigenen Tempo

Aus der Weiterbildung zum/zur DTB-Kursleiter*in „Babys in Bewegung - mit allen Sinnen“, die von der DTB-Akademie angeboten wird, sagt Pfeiffer, habe sie vor allem eines mitgenommen: einen roten Faden für die Praxis. 

Es gehe darum, die Entwicklungsschritte von Babys genau zu verstehen und zugleich erste Stunden so zu erarbeiten, dass sie sich direkt umsetzen lassen. Gerade darin sieht sie bis heute den Wert der DTB-Akademie: Sie vermittele nicht nur Wissen, sondern auch Sicherheit für den Einstieg. Wer überlegt, in diesen Bereich einzusteigen, dem rät Pfeiffer daher auch ausdrücklich dazu. 

Vieles werde praxisnah gemeinsam erarbeitet, sodass Kursleiterinnen und Kursleiter nicht bei null beginnen müssten. Was man dafür mitbringen müsse, formuliert sie schlicht: Freude an der Arbeit mit Kindern, sonst nichts. Geduld, Ruhe und Zeit. Mehr brauche es im Grunde nicht.

Und vielleicht liegt genau darin die Stärke von Babys in Bewegung: Es geht nicht um frühen Ehrgeiz, nicht um Tempo und nicht um das möglichst schnelle Erreichen des nächsten Schritts. Es geht darum, genau hinzusehen. Und den Kindern den Raum zu geben, sich in ihrem eigenen Tempo zu entwickeln.

Aus- und Weiterbildung

Babys erobern über Bewegung und Sinneswahrnehmungen die Welt. Sie sind von Anfang an aktiv, neugierig und lernfähig. Die Babys in den einzelnen Entwicklungsphasen zu begleiten und sie so zu unterstützen, ist das Ziel des Konzepts Babys in Bewegung – mit allen Sinnen.

Die DTB-Akademie bietet die Weiterbildung zum/zur DTB-Kursleiter*in Babys in Bewegung – mit allen Sinnen an. Der Lehrgang richtet sich an Übungsleiter*innen, Erzieher*innen, Lehrer*innen und weitere Fachkräfte.

Die Weiterbildung gliedert sich in zwei Module und hat u. a. folgende Inhalte:

  • Bausteine der kindlichen Entwicklung
  • Bewegung- und Körpererfahrung mit allen Sinnen
  • Spielerische Bewegungen für Eltern und Kinder
  • Lieder und Fingerspiele für das 1. Lebensjahr
  • Handling (Tragen und Sitzen)
  • Planung von Gruppenstunden und Elternabenden
  • Vorstellen von Arbeitsmaterialien und ihren Einsatzmöglichkeiten
  • Netzwerke

Alle Infos und Termine

AUSGABE         Gesundheit 02-2026 | Die Familie | Babys in Bewegung
AUTOR              Nils B. Bohl