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BTV - Bayerischer Turnverband
PK Team Regensburg Luisa Egersdörfer | Bildquelle: Claudia Doenitz
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Ein Leben zwischen Turnhalle und Loipe

Mit Herz und Hingabe

Luisa Egersdörfer ist seit 2022 längst keine Unbekannte mehr. Als Turntalent und Repräsentantin der Special Olympics Deutschland (SOD) hat sie sich seither überregional einen Namen gemacht und entfaltet inzwischen auch im Wintersport ihre sportlichen Ambitionen. Ende Februar wurde die 23-Jährige als erste Leistungssportlerin mit geistigen Einschränkungen neben 29 weiteren Athletinnen und Athleten aus 17 Sportarten im Team Regensburg aufgenommen. Sie wird damit als regionaler „Lokal-Hero“ gezielt auf nationale und internationale Wettkämpfe vorbereitet und finanziell aus den Fördertöpfen der Stadt unterstützt. Regensburg ist die einzige Kommune, die bislang ein Projekt dieser Art auf den Weg gebracht hat und stärkt damit nicht nur ihr Image, sondern fördert maßgeblich die öffentliche Wahrnehmung für junge und engagierte Sporttalente der Stadt. Gefördert werden können sowohl einzelne Athletinnen und Athleten, als auch die notwendige Infrastruktur der Vereine für den Leistungssport. Wir haben Luisa bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Teams 2026 in die Donau-Arena begleitet und werfen einen Blick auf ihre bemerkenswerte sportliche Entwicklung.

Sport kennt keine Grenzen

Special Olympics Deutschland hat in den letzten Jahren stark an öffentlicher Sichtbarkeit und gesellschaftlicher Bedeutung gewonnen. Die Weltspiele 2023 in Berlin, bei denen Tausende Athletinnen und Athleten aus aller Welt im inklusiven Wettbewerb standen, haben der Bewegung erstmals eine bundesweite Medienpräsenz beschert und zeigen, dass Inklusion im Sport ein Thema von öffentlichem Interesse ist. Luisa und ihre Mutter Sandra Gref, die als Trainerin und primäre Bezugsperson immer an ihrer Seite ist, denken heute noch mit leuchtenden Augen an dieses Highlight in der Hauptstadt zurück. Der hochemotionale Einlauf in das geschichtsträchtige Olympiastadion und der Jubel aus den vollbesetzten Rängen machen das eigentliche sportliche Erlebnis in der höchsten Leistungsgruppe mit Gold am Stufenbarren, Silber im Sprung, Bronze am Schwebebalken sowie im Mehrkampf und einem starken vierten Platz bei den Bodenübungen fast vergessen. Bei der Abschlussfeier am Brandenburger Tor durfte Luisa das Deutschland-Schild tragen. “Dabei möchte sie eigentlich immer nur turnen!” lacht Sandra Gref mit liebevollem Blick und sichtbarem Stolz auf ihre Tochter.

 

Über Oma Inge Schnitt – auch mit inzwischen über 80 Jahren noch immer aktive Abteilungsleiterin Turnen bei Fortuna Regensburg – ist Luisa schon im frühesten Kinderalter turnerisch gefördert worden, trainiert zuverlässig und ehrgeizig drei Mal in der Woche. Hinzu kommen über Papa Christian Egersdörfer die Gene für den Skisport: mit ihm stand sie schon in jungen Jahren Winter für Winter mit Begeisterung in der Loipe, profitiert heute im Langlauf von der Arm- und Beinkraft, die sie sich im Turnen mit Freude und Fleiß aufgebaut hat. 2024 gewann Luisa bei den Nationalen Winterspielen in Oberhof gegen die rein männliche Konkurrenz den Titel über die 2,5 und 5km-Distanz, wurde damit für die Weltspiele 2025 in Turin nominiert und holte dort Silber und Bronze auf die 7,5 und 5km-Distanz. Erst kurz vor der Vorstellung des Team Regensburg Ende Februar 2026 kam Luisa mit ihrer Mutter vom Cross Country Skiing Event in Otepää (Estland) zurück, war dort erneut für das Special Olympics Team Deutschland an den Start gegangen.

Als nächstes großes Ziel benennen Luisa und Mama Sandra Gref die Nominierung für die Special Olympics Weltsommerspiele 2027 in Chile.
Als der Wettkampftyp, als den ihre Familie sie immer wieder beschreibt, tritt Luisa seit jeher auch bei „normalen” Wettkämpfen im Breitensport an. So sind die Medaillen und der Jubel, wenn sie es auf das Treppchen geschafft hat, natürlich ein tolles Gefühl und ein großer Anreiz für Luisa. Im Wettkampf könne sie aber ihre eigentlichen Stärken ausspielen, sei immer sehr ehrgeizig und fokussiert bei der Sache; Aufmerksamkeit und Applaus machen sie glücklich wie jeden anderen auch. Das Gemeinschaftserlebnis und der ganz persönliche Erfolg stehen jedoch immer im Vordergrund, auch wenn sie im Wettstreit mit Athletinnen ohne Behinderung nicht vorne mitturnen kann. Inklusion im Sport ist keine bloße Randnotiz, sondern ein Menschenrecht, das aktive Begegnungen fördert und das Bewusstsein aller Beteiligten schärft.
 

Ihre kognitive Beeinträchtigung erschwert Luisa u.a. soziale Kontakte, das Einprägen komplexer Abläufe, Lesen und Schreiben hat sie nie gelernt. Sie arbeitet in den Regensburger Werkstätten für Menschen mit Behinderung in Lappersdorf, verrichtet gut und gerne ihre Tätigkeiten in der Metallabteilung und ist voll integriert. “Wirklich aufbIühen kann sie jedoch vor allem beim Sport. Und den fordert sie dann ggf. auch bei uns ein”, lacht Mutter Sandra Gref. Insgesamt sei die 23-Jährige mit den sportlichen Erfolgen sehr gereift, habe mehr Selbstbewusstsein und Selbständigkeit entwickelt.

Vorbild für gelebte Inklusion

Deshalb ist die sportliche Familie auch sehr dankbar für die Unterstützung, die ihr über das SOD Team und seine Events, vor allem aber hinsichtlich sportlicher Teilhabe und sichtbarer Inklusion zuteil wird. Auch dass die Stadt Regensburg nun mit Luisas Nominierung ins Team Regensburg ein wichtiges Zeichen setzt, ist ein bedeutender Schritt, Barrieren zwischen Menschen mit und ohne Behinderung abzubauen und Verständnis für einander zu schaffen. Gerade lokale Großveranstaltungen wie die Nationalen Spiele vom 15. bis 20. Juni 2026 im Saarland – mit mehreren Tausend Teilnehmenden, Hunderten Volunteers und einem innovativen „Host-Town“-Programm für kommunale Gastgeber – wirken als gesellschaftliche Botschafter inklusiver Teilhabe und ziehen bundesweite Medienpräsenz und breite Aufmerksamkeit an.

Für die Zukunft will SOD die Wahrnehmung weiter erhöhen, Netzwerke und Partnerschaften aus Wirtschaft und Medien ausbauen und mit Projekten vor Ort noch mehr Menschen in Bewegung bringen – in Wettkämpfen, im Verein und in der gesamten Gesellschaft.
Sportliche Talente wie Luisa Egersdörfer zeigen, wie es geht.

Luisa erfährt als Botschafterin für Menschen mit Behinderung im Wettkampfsport viel Unterstützung für ihre Mission der öffentlichkeitswirksamen Inklusion. Ihre Familie hat sich seit jeher stark engagiert, die Entwicklungen der letzten Jahre sind außerordentlich erfreulich und weisen in die richtige Richtung. Trotz der konkreten und auch monetären Unterstützung aus den Fördertöpfen von SOD und Kommune trägt sie jedoch noch immer einen Großteil der finanziellen Aufwendungen gerade bei Wettkampfreisen und öffentlichen Terminen selbst.
Falls Sie Luisa und ihre Familie unterstützen wollen, sich eine Partnerschaft vorstellen oder einfach nur Kontakt aufnehmen wollen, melden Sie sich gerne hier bei ihrer Mutter und Trainerin Sandra Gref.

AUSGABE        Talente 01-2026 | Mehr Sport | Luisa Egersdörfer
AUTORIN         Claudia Doenitz