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BTV - Bayerischer Turnverband
Kinder im Sprung | Bildquelle: Bayerischer Turnverband
Einblicke

Chancen und Herausforderungen

Ganztag in Bayern

Ab dem Schuljahr 2026/27 tritt das Ganztagsförderungsgesetz (GaFöG) in Kraft. Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter wird eine wichtige Betreuungslücke geschlossen, die viele Familien nach der Kita-Zeit erleben. Der Anspruch gilt zunächst für Kinder der ersten Jahrgangsstufe und wird bis zum Schuljahr 2029/30 schrittweise auf alle Klassenstufen der Grundschule ausgeweitet. Dabei handelt es sich nicht um eine Pflicht, sondern um ein freiwilliges Angebot: Eltern entscheiden selbst, ob und in welchem Umfang sie die Ganztagsbetreuung nutzen möchten. Die Verantwortung für die Konzeption und Umsetzung der Ganztagsangebote liegt bei der jeweiligen Schulleitung.

Ganztagsmodelle in Bayern

In Bayern gibt es verschiedene Formen der schulischen Ganztagsangebote. Sie zeichnen sich durch ein tägliches Betreuungsangebot an mindestens vier Tagen pro Woche mit einer Dauer von mehr als sieben Stunden aus. Zum Ganztagsbetrieb gehört auch ein Mittagessen für die Kinder.

Die Angebote können durch Kooperationen mit außerschulischen Partnern, etwa Sportvereinen, ergänzt werden. Gänzlich unterscheidet man drei Möglichkeiten.

  • Der Gebundene Ganztag findet in einem festen Klassenverbund statt, das bedeutet die Teilnahme ist verpflichtend. Der Unterricht und Ganztag sind rhythmisiert miteinander verzahnt. Für Vereine bedeutet das verlässliche Teilnehmerstruktur, zugleich aber auch die Notwendigkeit, sich enger mit schulischen Abläufen und Konzepten abzustimmen.
  • In der Offenen Ganztagsschule ist die Teilnahme für Schülerinnen und Schüler freiwillig. Unterricht und Ganztagsangebote sind zeitlich klar getrennt, wodurch Vereine relativ flexibel Bewegungs- und Sportangebote einbringen können. Besonders Trendsportarten oder befristete Angebote lassen sich hier gut platzieren.
  • Die Mittagsbetreuung ist oft im Anschluss an den regulären Unterricht organisiert. Sie umfasst neben der Betreuung auch Hausaufgabenzeiten und ggf. Freizeitangebote. Je nach Modell endet die Mittagsbetreuung zwischen 14:00 und 16:00 Uhr. Hier können Vereine mit niedrigschwelligen Bewegungsangeboten andocken und ihre Sportarten in den schulischen Alltag einbringen.

Bewegungsangebote und Freizeitaktivitäten mit anderen Kindern sind wichtiger Bestandteil einer gesunden körperlichen und geistigen Entwicklung.
 

Auch die sozialen Kompetenzen werden im spielerischen Miteinander geschult.

Was bedeuten die neuen Auflagen für bayerische Sportvereine?

Die Ausweitung des Ganztags an bayerischen Grundschulen bringt für Sportvereine eine Phase tiefgreifender Veränderungen mit sich: Sie eröffnet große Chancen, stellt aber zugleich konkrete Anforderungen an Organisation, Personal und pädagogische Arbeit.

Auf der Chancen-Seite bedeutet der Ganztag nicht nur zusätzliche Präsenz des Sports im Alltag von Kindern, sondern auch strategischen Mehrwert für Vereine. Durch regelmäßige Angebote in der Schule lassen sich Kinder früh erreichen und für den Verein begeistern, Talente können identifiziert und langfristig gefördert werden. Kooperationen stärken das Image des Vereins als Bildungspartner, eröffnen Zugänge zu Schulhallen und Freiflächen und schaffen eine Basis für neue Finanzierungswege durch staatliche Förderung oder kommunale Zuschüsse. Gleichzeitig bieten sich Gelegenheiten zur Professionalisierung – etwa durch die Schaffung hauptamtlicher Stellen oder die Refinanzierung von Personal über Kooperationsverträge.

Gleichzeitig bestehen Herausforderungen, die Vereine nicht unterschätzen sollten. Die Sorge weniger Zeiten für Vereinstraining zu haben, ist eine der unmittelbaren Folgen des Ganztagsförderungsgesetzes. Nachmittage, die bislang für Trainingsangebote der Vereine reserviert waren, werden zunehmend durch schulische Ganztagsangebote belegt. Ebenfalls relevant ist, dass Schulsporthallen und -räume stärker in den Ganztagsbetrieb eingebunden sind, wodurch die Verfügbarkeit für traditionelle Vereinsnutzungen sinkt. Parallel dazu besteht vielerorts ein Mangel an Personal, besonders für Einsätze tagsüber – eine Lücke, die bei gleichzeitig steigenden Anforderungen an die pädagogische Kompetenz der Betreuenden sofort spürbar wird.
 

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Welche Kooperationsformen haben Sportvereine in Bayern?

Je nach Organisationsform des Ganztags gibt es unterschiedliche Wege, wie Vereine mit Schulen zusammenarbeiten können.

Sportvereine können verschiedene Kooperationsformen mit Schulen eingehen.

  • Eine Möglichkeit ist dabei die Direktkooperation, das heißt der Verein vereinbart eine Vertragliche Regelung mit der Regierung über die Schule. Dabei können Sportangebote z.B. in Form von AGs in den Ganztag eingebracht werden. Die Abrechnung von Honoraren erfolgt nach Vorlage. Durch die direkte Kooperation kann die Abstimmung mit den Lehrkräften einfacher ablaufen und es ergeben sich geringere organisatorische Hürden. Andererseits ist der Verein von der Offenheit der Schule abhängig und für die Beantragung von Fördermitteln für den Sportverein ist nicht immer möglich.
  • Bei Kooperationen über einen freien Träger, organisiert dieser die Ganztagsbetreuung (z.B. AWO, Caritas, etc.). Der Sportverein wird dabei zum Subunternehmer des Trägers und schließt Vertrag, Abrechnung etc. direkt über den Träger ab. Dadurch kann sich der Verein auf sein Sportangebot konzentrieren und hat mit organisatorischen Aspekten wenig zu tun. Die Vereine geben aber auch Einfluss auf die Angebotserstellung ab, da der Träger die Entscheidungsposition einnimmt.
  • Die Kooperation mit der Kommune wird oft über kommunale Träger oder Elternvereine gestemmt. Der große Vorteil dieser Kooperationsform ist die Integration in lokale Netzwerke und die nachhaltige Finanzierung. Diese Form würde sich für das Angebot der Ferienprogramme gut eignen. Diese Betreuungsangebote über einen kurzen Zeitraum lassen sich auch für kleinere Vereine gut umsetzen. Je nach Kommune sind die Unterschiede in der Organisation und Finanzierung hier ausgeprägt.
  • Das Modell „Sport-nach-1“ ermöglicht es den verschiedenen Sportarten ein freiwilliges Schnupperangebot im Rahmen der sog. Sportarbeitsgemeinschaften (SAGs) einzurichten.


Checkliste zur Kooperation

1. Vorbereitung
Bei internen Gesprächen muss geklärt werden, ob der Gesamtverein hinter der Unternehmung, sich im Ganztag zu engagieren, steht!
Es empfiehlt sich eine kurze Info über den Verein und die Qualifikationen der Übungsleitenden zusammenzustellen als Gesprächsunterstützung mit der Schule oder der Kommune. Zudem ist es sinnvoll sich über das einzusetzende Personal Gedanken zu machen: Wer kann eingesetzt werden? Sind Aus- oder Weiterbildungen notwendig? Braucht der Verein zusätzliches Personal?

2. Erfolgsfaktoren
Faktoren wie Kommunikation mit der Schule, Finanzthemen und Öffentlichkeitsarbeit sorgen für ein erfolgreiches Programm im Ganztag.

3. Schulauswahl & Kontaktaufnahme
Entscheidend für die Auswahl der Schule sind Faktoren wie räumliche Nähe, persönliche Kontakte oder das sportliche Profil der Schule.

4. Kooperationsvertrag
Der schriftliche Kooperationsvertrag sollte die wichtigsten Komponenten für beide Parteien verbindlich fixieren. Die Individuelle Vereinbarung wird zwischen Schule und Sportverein getroffen.
 

Unterstützung des BTV

Rainer Higgelke ist seit 01.08.2025 hauptamtlich beim Bayerischen Turnverband e.V. als Fachbetreuung Kinder & Jugend mit dem Schwerpunkt Ganztag eingestellt worden. Er steht für Fragen rund um Kooperationen, Organisation und Konzeptentwicklung zur Verfügung.

Ihr möchtet euch auch gerne im Ganztag engagieren und benötigt weitere Informationen? Dann meldet euch gerne direkt bei Rainer oder kommt online in eine unserer kostenfreien Informationsveranstaltungen:

  • Vereine im schulischen Ganztag I“: Lg. Nr. 261004032301, 03.03.2026, online

  • Vereine im schulischen Ganztag II“: Lg.-Nr. 261004032306, 25.06.2026, online

Rainer Higgelke
Tel.: +49 89 5 41 92 04 37
E-Mail: rainer.higgelke@btv-turnen.de

Zahlen, Daten, Fakten zur Bedarfsplanung der Studie „Prognos“

  • 56% der Kinder im Grundschulalter nutzten 2022/23 ein Ganztagsangebot

  • Mehrheit der Eltern von Grundschulkindern in Bayern mit Betreuungsbedarf

  • Über die Hälfte der Eltern wünscht sich Betreuungsangebote in den Ferien

  • Den Eltern sind v.a. qualitätsbezogene Aspekte des Betreuungsangebotes wichtig

  • Bis 2029/30 muss das Betreuungsangebot um 94.000 bis 130.000 Plätze erweitert werden, um den Bedarf zu decken

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Was macht die KiSS für dich aus?

"Die KiSS steht für ganzheitliche, altersgerechte und sportartenübergreifende Bewegungserziehung. Wir wollen Kindern Spaß an Bewegung vermitteln und ihnen gleichzeitig wichtige motorische, soziale und kognitive Grundlagen für ein lebenslanges Sporttreiben mitgeben."

Warum eignet sich die KiSS so gut für die Kooperation im Ganztag?

"Die KiSS passt perfekt in den Ganztag, weil sie flexible, fundierte Bewegungsangebote bietet, die sich gut in den Schulalltag integrieren lassen. Sie entlastet die Schulen organisatorisch und sorgt gleichzeitig für ein erweitertes Angebot, da KiSS auch seine Expertise aus dem Bereich der Ferienbetreuung einbringen kann."

Mit welchen Kooperationsformen seid ihr im Ganztag aktiv?

"Wir kooperieren mit verschiedenen Grund- und Mittelschulen im Landkreis Hof und Wunsiedel und sind dort entweder Träger des offenen und/oder gebundenen Ganztags oder bieten Bewegungsstunden im Rahmen des schulischen Ganztags sowie auch Projektwochen an. Dabei gestalten wir das Angebot individuell nach den Bedürfnissen der jeweiligen Schule und Altersstufe."

Welche Vorzüge hat die KiSS für die Kinder im Ganztag?

"Die Kinder profitieren von abwechslungsreichen, spielerischen Bewegungserlebnissen, die motorische Fähigkeiten fördern, Teamgeist stärken und das Selbstvertrauen wachsen lassen. Bewegung wird für sie zum natürlichen Bestandteil ihres Alltags – mit Spaß, ohne Leistungsdruck.
Gleichzeitig stärkt die Kooperation im Ganztag auch die Vereinsstrukturen: Durch die zusätzlichen Einsatzmöglichkeiten kann das hauptamtliche KiSS-Personal besser refinanziert werden. Das schafft Planungssicherheit und macht es möglich, Nachwuchskräfte für anspruchsvolle Positionen im Verein zu gewinnen und langfristig zu binden, da die KiSS-Mitarbeitenden fest im Hauptverein eingebunden sind."
 

AUSGABE         Förderung 05-2025 | Einblicke | Ganztag in Bayern
AUTORIN          Theresa Wagner